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05.07.2014

13:41 Uhr

Zoff in Zürich

Kein Pils zur WM

VonHolger Alich

Im Kanton Zürich verdirbt eine skurrile Vorgabe den Bierdurst: Pils in Flaschen darf dort nicht mehr als Pils verkauft werden. Das ärgert die Händler. Sie umgehen das Verbot mit einem Trick.

In der Schweiz illegal: Die Aufschrift Pils auf Bierflaschen ist derzeit im Kanton Zürich verboten. dapd

In der Schweiz illegal: Die Aufschrift Pils auf Bierflaschen ist derzeit im Kanton Zürich verboten.

ZürichStefan Müller freute sich auf gute Geschäfte. Der Inhaber der Getränke-Kette „Drinks of the World“ setzt auf die Fußball-WM und den großen Durst der Fans – entsprechend groß ist das Angebot an Bier in seinen sieben Geschäften. Bis ihm die Behörden den Verkauf von Pils verboten – mit einer überraschenden Begründung.

Die Geschichte regt Müller heute noch auf: „Ende Juni kam die Lebensmittelkontrolleure der Stadt in meinem Laden im Zürcher Bahnhof“, erzählt er Handelsblatt Online, „Sie verlangten, dass wir innerhalb einer halben Stunde alle Flaschen mit der Bezeichnung ‚Pils‘ aus den Regalen nehmen.“ Also vor allem viele beliebte deutsche Biere wie Krombacher Pils oder Jever.

Die Begründung: Ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und der ehemaligen Tschechoslowakei aus dem Jahre 1976. Dieser regelt, dass in der Schweiz keine Flaschen mit der Aufschrift „Pils“ oder „Pilsner“ verkauft werden dürfen, die nicht aus der Tschechoslowakei kommen. Im Gegenzug verpflichteten sich die Tschechen, den „Emmentaler“ auf Verpackungen besonders zu schützen.

Bier-Verkäufer Müller hält indes die Behörden-Aktion für eine Schnaps-Idee und sieht sich als Opfer Beamten-Willkür: „Es hat doch nie jemand die Einhaltung des Vertrages eingefordert, es gibt keinen Kläger“, sagt er. „Zudem habe ich das Problem nur in Zürich, in den anderen Kantonen lassen mich die Behörden in Ruhe.“

Ferdinand W. Uehli, Leiter der Lebensmittel-Inspektion Zürich, versteht die Aufregung nicht: „Es ist nicht das erste Mal, dass wir die Flaschen-Kennzeichnung im Handel beanstanden“, sagt er zu Handelsblatt-Online. Aber bisher sei das nie ein großes Thema gewesen. Den Vorwurf der Behörden-Willkür will er schon gar nicht auf sich sitzen lassen: „Wir sind auch für die Kontrolle der Lebensmittel-Kennzeichnung zuständig und müssen daher auch überwachen, ob gegen den Staatsvertrag verstoßen wird.“

Die größten Bierbrauer weltweit

Platz 10

BGI / Groupe Castel (Frankreich)

Das französische Traditionsunternehmen BGI / Groupe Castel verkauft nicht nur Bier, sondern auch Wein und Soft Drinks. Insbesondere in Afrika sind die Franzosen mit ihren Marken Castel und Flag gut aufgestellt.

Ausstoß (Mio. hl): 29,8

*Quelle: Barth-Haas Group/Statista, alle Zahlen für 2015

Platz 9

Kirin (Japan)

Die Japaner haben durchaus Sinn für ausgefallene Bierkreationen, entwarfen vor wenigen Jahren ein Frozen Beer. Obwohl die Brauerei, die zum Industriekonglomerat Mitsubishi gehört, ihre Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt vor zehn Jahren an Asahi abtreten musste, ist sie global führend.

Ausstoß (Mio. hl): 43,1

Platz 8

Beijing Yanjing Beer Company (China)

Yanjing ist der Durchstarter in Asien. In rasantem Tempo hat sich das Kleinunternehmen zu einem mächtigen Konzern im asiatischen Raum entwickelt. Die Gründung der Brauerei liegt nur gut 30 Jahre zurück.

Ausstoß (Mio. hl): 48,3

Platz 7

Molson-Coors (USA/Kanada)

Die Erfinder des Dosenbiers sind auch international längst eine Größe. 2012 übernahm das Unternehmen die tschechische Brauereigruppe StarBev, zu der auch Staropramen gehört. Dadurch gehören die Amerikaner vor allem in Osteuropa zu den führenden Brauern.

Ausstoß (Mio. hl): 58,1

Platz 6

Tsingtao Brewery (China)

Die Chinesen haben ihren Einfluss in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Als einer der Hauptsponsoren der olympischen Spiele von 2008 in Peking hat sich Tsingtao fest etabliert. Bereits seit 1972 vertreibt die Firma ihre Produkte auch in den USA.

Ausstoß (Mio. hl): 70,5

Platz 5

China Resource Brewery (China)

Dieses Unternehmen setzt auf Kompetenz aus Europa: Das Joint Venture aus dem chinesischen Unternehmen CR Enterprise und SAB-Miller aus Großbritannien produziert die Marke „Snowbeer“ für den chinesischen Markt. Und das durchaus erfolgreich. Wächst die Marke weiter wie bisher, dürfte bald im Ranking aufsteigen.

Ausstoß (Mio. hl): 117,4

Platz 4

Carlsberg (Dänemark)

Die Dänen haben sich längst von einer regionalen Marke zum Global Player entwickelt. Zu Carlsberg gehören auch die deutsche Kultmarke Astra sowie Lübzer und Holsten.

Ausstoß (Mio. hl): 120,3

Platz 3

Heineken (Niederlande)

Die Welt trinkt Heineken, möchte man meinen. Die Marke hat sich international längst etabliert. Heineken ist auch an den deutschen Marken Kulmbacher und Paulaner beteiligt.

Ausstoß (Mio. hl): 188,3

Platz 2

SAB Miller (Vereinigtes Königreich)

Die britische Brauerei ist berühmt-berüchtigt für das „Miller“. Die ur-amerikanische Marke gehört seit 2002 zum SAB-Miller-Konzern und hat sich die australische Traditionssorte Foster's einverleibt.

Ausstoß (Mio. hl): 191,3

Platz 1

Anheuser-Busch Inbev NV/ SA (Belgien)

Der amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriese kann seinen Marktenteil sogar weiter steigern. Mittlerweile stammt jedes fünfte Bier, das weltweit verkauft wird, aus dem Konzern. Die bekannteste deutsche Marke im Portfolio ist Beck's.

Ausstoß (Mio. Hektoliter): 409,9

Also eine WM ohne leckeres Pils? Das wollte Müller seinen Kunden nicht zumuten – und griff zu einem Trick. „Wir haben auf allen Etiketten die Bezeichnung ‚Pils‘ geschwärzt“, erklärt er. Das sei zwar viel Arbeit, aber so hätten die Behörden nichts zu meckern. „Allein auf jeder Jever Flaschen steht das Wort ‚Pils‘ viermal, das ist ganz schöner Aufwand.“ Zudem sehen die so umgearbeiteten Flaschen eigenartig aus. Ob dies die Verkäufe gedrückt hat, könne er noch nicht sagen.

Zudem informiert er seine Kunden in der Bahnhofs-Filiale von „Drinks of the World“ über Aushänge über seinen Pils-Krieg mit den Behörden. „Die meisten finden das lustig.“ Müller dagegen weniger. Er will nun mit den Bier-Importeuren reden, ob sie ihm Pils ohne die Aufschrift ausliefern können.

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