Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2013

14:27 Uhr

Zugausfälle in Mainz

Bahn versucht sich an der Normalität

Am Mainzer Hauptbahnhof ist nach den Zugausfälle etwas Normalität eingekehrt. Bahnchef Grube entschuldigte sich für die Engpässe. Verkehrsminister Ramsauer will Teile der Dividende des Konzerns ins Netz stecken.

Züge rollen wieder durch Mainz: Ein ICE passiert das Stellwerk am Mainzer Hauptbahnhof. dpa

Züge rollen wieder durch Mainz: Ein ICE passiert das Stellwerk am Mainzer Hauptbahnhof.

Mainz/BerlinNach dem Bahnchaos der vergangenen Wochen am Mainzer Hauptbahnhof sind die Züge am Wochenende vorübergehend wieder normal gefahren. Am Samstag und Sonntag galt nach Angaben der Deutschen Bahn der normale Fahrplan. Als nächster Test gilt nun das Ende der Schulferien am Montag, wenn wieder Einschränkungen gelten.

Vorstandschef Rüdiger Grube wandte sich erstmals seit Bekanntwerden der Personalengpässe an die Kunden. „Ich entschuldige mich ausdrücklich für die entstandenen Probleme“, sagte er der „Welt am Sonntag“ (WamS). Die Zugausfälle seien „eine große Blamage für die Bahn“, so Grube in der „Bild am Sonntag“ (BamS).

Auch an den anderen August-Wochenenden sollen in Mainz keine Züge mehr ausfallen. Unter der Woche gilt allerdings noch bis Ende des Monats ein eingeschränkter Fahrplan. An den Anzeigetafeln am Mainzer Hauptbahnhof waren am Samstagmorgen die vielen „Fällt aus“-Banner der vergangenen Tage verschwunden, Verspätungen bewegten sich im üblichen Bereich.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Seit zwei Wochen fallen am Mainzer Hauptbahnhof Züge aus oder müssen umgeleitet werden. Grund ist ein Personalmangel im Stellwerk. Dies hatte zu einer bundesweiten Debatte über Engpässe bei der Deutschen Bahn geführt. Trotz des Notfallfahrplans soll zum Schulstart nach den rheinland-pfälzischen Sommerferien am Montag der Zugverkehr für die Schüler in den Stoßzeiten weitgehend gesichert werden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will als Konsequenz aus dem Personalchaos einen „größeren Teil“ der Dividende des Staatskonzerns wieder in das Netz investieren. Auch die Gewinne der Netzsparte sollten dort verbleiben, sagte der CSU-Politiker dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Er räumte allerdings ein, dass dies alles Zeit brauche.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nachwuchs

19.08.2013, 09:15 Uhr

Engüässe? Die wurden vorsätzlich von der Politik und dem Management herbeigeführt. Von Kürzung der Boni bzw. Ersatzpflicht des Managements habe ich noch nie etwas mit bekommen.

Streckengeher

19.08.2013, 14:51 Uhr

Wenn das Eisenbahn-Bundesamt jetzt auf einmal wach wird und alles Mögliche bei der Bahn untersuchen will, darf man schon mal einen herzlichen "Guten Morgen" wünschen. Wer solange wie diese Bonner Oberbeamten schläft und den Betrieb sich und den tollen MANAGERN selbst überläßt, muß jetzt keine übertriebene Hektik an den Tag legen. Die haben fast 20 Jahre lang Zeit gehabt, dem fachfremden Bahnmanagement in den Arm zu fallen. Und was ist geschehen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×