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11.08.2012

13:31 Uhr

Zukunft des Einkaufens

Der digitale Kaufrausch

VonJens Koenen

E-Commerce gehört längst zum Alltag: Ob Buch, Reise oder Auto - das Internet hat sich zum Marktplatz entwickelt. Modelle, Preise und Erfahrungen werden verglichen. Doch der körperlose Warenaustausch steht erst am Anfang.

Über das Internet bestellte Lebensmittel. obs

Über das Internet bestellte Lebensmittel.

FrankfurtSeit jeher ist das Schlaraffenland der Traum der Menschheit. Ein Land, in dem gebratene Gänse in den Mund fliegen, in dessen Flüssen Honig und Milch fließen, in dem Genießen eine Tugend und die Arbeit eine Sünde ist. Schon die griechischen Dichter Telekleides und Pherekrates schwärmten von einer solchen Idee. Doch das Schlaraffenland ist eine Utopie, eine fiktive Gesellschaftsordnung, die nie Realität werden wird.

Oder vielleicht doch? Kann es einen Ort geben, an dem die Produkte zu den Kunden kommen, nicht die Kunden zu den Produkten müssen? Ja, behauptet das Internetunternehmen Homeidea, eine Plattform für diverse Onlineshops. "Hier muss man so gut wie nichts tun, und die tollen Shops mit ihren Angeboten flattern förmlich um einen herum", verspricht das Unternehmen.

Ist der E-Commerce also die Verwirklichung des Schlaraffenlandes? Tatsächlich sorgt die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie für einen gewaltigen Umbruch in unserem täglichen Leben. Im Internet steht uns die gesamte Welt des Einkaufens zur Verfügung. Shoppen ist effektiv geworden - vor allem aber bequem.

Schade zwar, dass das digitale Paradies ein Versprechen des Schlaraffenlandes nicht einlösen kann: Auch digital bestellte Waren müssen bezahlt werden, mit Geld, für das wir alle arbeiten müssen. Doch auch wenn dieser Teil der Utopie vom Paradies fehlt, so bringt uns der digitale Kommerz der Traumwelt doch ein wenig näher. Dank des Internets kommen die Waren, ja sogar komplette Einkaufsläden zu uns nach Hause.

Dabei ist der E-Commerce nicht der erste Versuch, die Utopie vom Schlaraffenland Realität werden zu lassen. Bereits im ausklingenden 19. Jahrhundert entstand der Versandhandel, der in der Weimarer Republik dank des immer breiter werdenden Produktangebots schnell zum Erfolg wurde. Einkaufen, ohne das Sofa verlassen zu müssen - damals war das eine völlig neue Erfahrung. Der Boom brachte schon um die 1920er-Jahre noch heute bekannte Versandhäuser wie Baur, Klingel oder Quelle hervor. Deren Kataloge boten Stoff zum Träumen und Schwelgen.

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Doch vom Paradies waren die Verhältnisse damals noch ein gutes Stück entfernt. Die Kunden mussten sich durch Hunderte von Seiten arbeiten. Den Überblick zu bewahren war schwer, ein Vergleich erst recht. Die wahre Revolution des Einkaufens findet erst jetzt statt. Der Zugriff auf unendlich viele Kataloge ist einfach, Preisvergleiche sind mit einem Klick in wenigen Sekunden erledigt. Internetseiten wie idealo.de oder guenstiger.de liefern einen breiten Überblick. Alleine bei idealo.de sind über 70 Millionen Angebote gelistet.

Vor zwei Jahrzehnten funktionierte Einkaufen noch anders: Wer einen neuen Fernseher brauchte, fuhr zum örtlichen Elektronikgeschäft. Die Auswahl war übersichtlich, gerade auf dem Land. Der TV-Händler beriet ein wenig, und dann wurde gekauft. Und heute?

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