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16.03.2006

16:00 Uhr

Zukunft von Tempelhof nach wie vor offen

Nach dem Streit ist vor dem Streit

Der Großflughafen Berlin ist jetzt beschlossen und verkündet. Hier soll 20 Jahre nach der Wiedervereinigung der Luftverkehr von den drei bisherigen Berliner Flughäfen zusammenwachsen. Die Airports Tegel und Tempelhof sollen geschlossen werden. Oder doch nicht? Schon am Tag des Urteils pro Schönefeld regt sich Widerstand gegen die nun bevorstehende Schließung der beiden anderen Airports, insbesondere des citynahen Landeplatzes Tempelhof.

Alt und bei der Wirtschaft beliebt: der Flughafen Tempelhof. Foto: ap ap

Alt und bei der Wirtschaft beliebt: der Flughafen Tempelhof. Foto: ap

HB BERLIN. Tempelhof wurde 1923 als „Zentralflughafen“ in Berlin in Betrieb genommen und von den Nationalsozialisten mit monumentaler, gleichwohl praktischer Architektur ausgebaut. Mit ihm verbinden viele Berliner Emotionen, unter anderem wegen der Luftbrücke während der Berlin-Blockade 1948/49. Daran erinnert die „Hungerharke“ vor dem Terminal.

Er wird für die Wirtschaft immer wieder als hervorragend geeignet bezeichnet, weil es innen wie außen ein Flughafen der kurzen Wege ist. Aus der U-Bahn ist das Terminal mit wenigen Schritten erreicht. Von der Haupthalle aus sind es nur ein paar Meter in die Warteräume, und von da aus eine kurze Treppe zum Flieger, der die Nase unter das weit ausladende, denkmalgeschützte Vordach stecken kann. Auf der anderen Seite fühlen sich durch die dichte Umgebungsbebauung Hunderttausende in ihrer Sicherheit und ihrem Lärmschutzbedürfnis eingeschränkt.

Die Industrie- und Handelskammer verlangte am Donnerstag, ihn wenigstens so lange offen zu halten, bis ein Konzept für die Nachnutzung feststehe. Der Flughafen hat sich in der jüngsten Vergangenheit bewährt als VIP-Flughafen, etwa bei Nato-Tagungen, und auch während der Weltmeisterschaft wird reger Betrieb über den nach wie vor bestehenden Linienverkehr hinaus erwartet.

Nun laufen Sondierungen über die künftige Nutzung des denkmalgeschützten Ensembles, nachdem die Stadt als Gesellschafter der Flughafenbetreiber die Stilllegung beschlossen hat. Nach mehreren juristischen Querelen soll 2007 das Aus kommen. In einschlägigen Stellungnahmen aus dem Abgeordnetenhaus hieß es: „Der Flughafen Tempelhof muss und kann jetzt umgehend geschlossen werden“ (Grüne), und: „Gleichzeitig ist damit die Schließung von Tempelhof und Tegel besiegelt“ (PDS).

Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter dagegen sagte: „Wenn es ein schlüssiges Konzept gibt, dem es gelingt, den Immobilienwert mit dem Nutzen eines Stadtflughafens zu vereinigen, wäre das ein großes Asset für Berlin.“ Nur dürfte das Gelände dann vorher nicht als Flugverkehrslandeplatz entwidmet werden, denn die Chancen einer Wiedereinrichtung eines Stadtflughafens werden von Fachleuten gleich Null eingeschätzt. Viel Solidarität erfuhr Wiesenhütter damit nicht, abgesehen von den derzeit Tempelhof anfliegenden Gesellschaften.

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