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14.04.2014

16:50 Uhr

Zustellung per Elektroauto

Hier und da unter Strom

VonJens Höhner

Logistik-Unternehmen testen Elektrofahrzeuge für den Arbeitsalltag. Über die Kosten der Technik reden sie lieber nicht – und hoffen, mit den Fahrzeugen bald auf die Busspuren zu dürfen. Die Post fährt ein ulkiges Modell.

Der Zwerg unter den Kastenwagen: Ein Streetscooter der Deutschen Post. Jens Höhner

Der Zwerg unter den Kastenwagen: Ein Streetscooter der Deutschen Post.

BonnDer ewige Stau in den Innenstädten Stadt regt die Paketdienste auf – und sie haben eine Idee, den Verkehr für sich zu beschleunigen. Lieferanten, die „mit Elektrofahrzeugen oder alternativen Antrieben unterwegs sind“, sollten die Busspuren in Großstädten benutzen dürften, fordert Hanjo Schneider, der bei der Otto-Gruppe für die Tochterfirma Hermes zuständig ist.

Bei der Deutschen Post und dem Paketdienst DHL gibt es Unternehmensangaben zufolge 11.500 Liefer- und Lastwagen mit Elektro- und Hybridantrieben – fast ein Achtel der Flotte. Doch gerade einmal etwa 300 Wagen sind bislang reine Elektrofahrzeuge, auch wenn der Anteil ausgebaut werden soll. Ein Mittel zum Zweck ist ein gedrungener gelber Kleinlaster, der aus einer Kooperation mit einem von der RWTH Aachen unterstützten Start-up hervorgegangen ist.

Dieser „Streetscooter“ genannte Wagen ist so leise, dass er demnächst wohl sogar Geräusche machen muss, sagt Jörg Salomon, bei der Post für „CO2-freie Zustellung“ zuständig: „Dafür gibt es sogar eine EU-Verordnung.“ Die 20 Autos sind Teil eines jahrelangen Pilotprojekts, die Paketzustellung in Bonn rein elektrisch abzuwickeln. Nahe der Post-Konzernzentrale hat das Unternehmen jetzt eine erste Zustellbasis auf Elektrofahrzeuge ausgelegt. An den Andock-Plätzen für die Lieferfahrzeuge sind Steckdosen für die Aufladung der Elektroautos vorgesehen. An Dutzenden weiteren bereits modernisierten Zustellbasen im ganzen Land fehlt diese Option allerdings.

Stromer kamen schon mal zu früh

Es begann 1881

Historisch gesehen war das Elektroauto schon öfter zu früh dran: Fünf Jahre vor Carl Benz erstem Auto mit Ottomotor fuhr bereits das erste Elektroauto. In den Kindertagen des Automobils behaupteten sich Elektroautos gleichberechtigt neben Dampfwagen und Verbrennern. Doch dann begann ein Jahrhundert des E-Mobil-Flopps. Nicht nur die begrenzte Fähigkeit der Energiespeicherung verhindert bis heute den Durchbruch der E-Autos.

Technische Puristen missgönnen bis heute Mercedes die Urheberschaft am Automobil. Sie reklamieren, dass nicht Carl Benz 1886 das erste Automobil der Geschichte gebaut hat, sondern der Franzose Gustav Trouvé fünf Jahre zuvor.

Der Erfinder und Elektroingenieur hatte 1881 in ein dreirädriges Fahrrad des englischen Herstellers "Starley Coventry" einen Elektromotor eingebaut. Mit Blei-Akkumulatoren erreichte das Vehikel, mehr rollender Prüfstand als Fahrzeug, eine Höchstgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde und schaffte eine Reichweite zwischen 14 und 26 Kilometern.

Vom Dreirad über die Kutsche zum Auto

Ein Jahr später bauten die englischen Professoren William Edward und John Perry ebenfalls ein elektrisch angetriebenes Dreirad. Die Regelung der Geschwindigkeit erfolgte über die Schaltung der zehn Akkumulatorenzellen. Jede hatte eine Kapazität von einer halben Kilowatt-Stunde bei einer Spannung von 20 Volt. Der Motor leistete 0,37 kW/0,5 PS. Zur weiteren Pionierleistung des Fahrzeugs gesellt sich die erste elektrische Beleuchtung bei einem Motorfahrzeug.

Werner Siemens baute 1882 in Halensee bei Berlin eine Kutsche mit elektrischem Antrieb. Das Fahrzeug konnte mehrere Personen befördern, lief aber über eine 520 Meter lange Versuchsstrecke nicht selbstständig mit einer Batterie, sondern zapfte Strom aus einer Oberleitung.

Die Ehre, das erste wirkliche Auto mit Elektroantrieb gebaut zu haben, gebührt der "Coburger Maschinenfabrik A. Flocken". Das vierrädrige Elektroauto für zwei Passagiere fuhr erstmals 1888. 2011 debütierte in Stuttgart eine Rekonstruktion des Fahrzeugs.

Frühe Erfolge

Da Ende des 19. Jahrhunderts mangels geeigneter Straßen noch nicht absehbar war, dass sich das Automobil zum brauchbaren Verkehrsmittel für Überlandfahrten qualifizieren würde, feierten Elektroautos als städtische Verkehrsmittel über kurze Distanzen beachtliche Erfolge. Zumal ihr Antrieb lautlos arbeitete. Angesichts des dichten Eisenbahnnetzes, das in jeden Winkel der Welt vorgedrungen war, erschien ein konkurrierendes Verkehrmittel als Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hatte. Alleine in Deutschland etablierten sich mehr als zwei Dutzend Hersteller von Elektrofahrzeugen.

Der Lohner-Radnaben-Porsche

Die Antriebstechnik verhalf auch einem jungen österreichischen Ingenieur zum Durchbruch. Der 24-jährige Ferdinand Porsche konstruierte 1899 für den seit 1821 aktiven Wagen- und Wagonbauer "k.u.k. Hofwagenfabrik Jakob Lohner & Co" in Wien ein Auto mit sogenannten "Radnabenmotoren". Dabei findet der Motor direkt im Rad Platz und sorgt ohne Einsatz von Antriebswellen für den direkten Vortrieb. Mit vier dieser Motoren realisierte Porsche ganz nebenbei den ersten Allradantrieb der Autogeschichte.

Alt-bekannte E-Auto-Probleme

Da das Gewicht der Batterie für eine akzeptable Reichweite rund eineinhalb Tonnen erreichte, konstruierte Porsche gleich den ersten Hybridantrieb mit einem Benzinmotor von Daimler, der als Generator die Radnabenmotoren mit Energie versorgte. Der Lohner-Porsche feierte 1900 seine Premiere auf der Weltausstellung in Paris. Bis 1906 entstanden rund 300 dieser Fahrzeuge, die zwischen 10.000 und 35.000 österreichische Kronen kosteten und vornehmlich als Taxen und bei der Wiener Feuerwehr zum Einsatz kamen. Wegen der geringen Reichweite floppte der Lohner-Porsche aber langfristig.

Starker Marktanteil in den USA

In den USA stellten 1900 die Autos mit Otto-Motoren nur einen Anteil von 22 Prozent am gesamten Fahrzeugbestand. 40 Prozent gingen an Dampfwagen, 38 Prozent an Elektroautos. In New York war sogar jedes zweite Automobil ein Elektrofahrzeug. 1912 erreichte der Elektroboom seinen Höhepunkt in den Vereinigten Staaten. 20 Hersteller hauten 33.842 E-Mobile.

Schlagartiger Bedeutungsverlust

Mit der rasant voranschreitenden Entwicklung von schnelllaufenden und leistungsstarken Otto-Motoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verloren die Elektroautos schlagartig an Bedeutung und überlebten nur noch in Nischen, beispielsweise als Lieferfahrzeuge.

Die Streetscooter fahren unter anderem in München, Berlin, Hamburg und Dresden – aber auch in Aachen. Dort wird der Wagen gebaut. „Er ist eine Maßanfertigung, die in Zusammenarbeit mit den Zustellern entwickelt worden ist“, erklärt Salomon. Der früheren Studentenfirma sei im August 2011 der Auftrag für den Fahrzeugbau erteilt worden, weil „alle namhaften Hersteller von Elektrofahrzeugen uns zuvor einen Korb gegeben hatten.“ Zuletzt unterzeichnete die Post aber auch einen Rahmenvertrag mit dem französischen Hersteller Renault zur Lieferung kleiner Elektro-Kastenwagen.

Im Verhältnis zur Gesamtflotte ist der E-Anteil bei der Post gering, doch bei der Konkurrenz sieht es nicht besser aus. Bei DPD sind es neun von 7500 Fahrzeugen, die elektrisch fahren. Man sei eben noch in der Testphase, teilt das Unternehmen mit Hauptsitz in Aschaffenburg mit. In der meist im Einsatz befindlichen Sprinter-Klasse gebe noch keine geeignet Fahrzeuge, die für größere Zustellbezirke geeignet seien. „Wir sammeln noch Erfahrungen.“ Der globale Express-Zusteller FedEx hat weltweit 364 Hybrid-Transporter und 118 vollelektrische Fahrzeuge im Einsatz – von weltweit 47.500. Die Elektroflotte soll demnächst auf 200 Autos ausgebaut werden.

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14.04.2014, 20:00 Uhr

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