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19.09.2013

12:10 Uhr

Zustrom im ersten Halbjahr

Reisende nutzen vermehrt Fernbus-Linien

Der Fernverkehrsmarkt verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen um 12,5 Prozent. Erst zu Beginn des Jahres wurde der Markt geöffnet. Mittlerweile gibt es mehr als hundert Fernbusstrecken in Deutschland.

Während immer mehr die Angebote von Fernbussen in Anspruch nehmen, sind mit der Bahn im ersten Halbjahr 1,2 Prozent weniger Fahrgäste unterwegs gewesen. dpa

Während immer mehr die Angebote von Fernbussen in Anspruch nehmen, sind mit der Bahn im ersten Halbjahr 1,2 Prozent weniger Fahrgäste unterwegs gewesen.

WiesbadenDie Öffnung des Fernverkehrsmarktes für Busse hat im ersten Halbjahr für einen deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen auf Fernstrecken gesorgt. Knapp 1,3 Millionen Reisende legten von Januar bis Juni lange Strecken mit dem Bus zurück, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Dies habe einem Anstieg der Fahrgastzahlen um 12,5 Prozent entsprochen.

In der Statistik sind allerdings noch nicht die in diesem Jahr mit neuen Linien an den Start gegangenen neugegründeten Busunternehmen enthalten, wie ein Sprecher des Statistikamtes sagte. Vertreten sind demnach nur die größten Anbieter, die schon bisher auf dem Markt aktiv waren.

Eine Statistik, in der auch die neuen Busanbieter enthalten sind, werde voraussichtlich erst im Herbst kommenden Jahres veröffentlicht, sagte der Behördensprecher. Berücksichtigt sind demnach in den aktuellen Zahlen nur Firmen, die mindestens 250.000 Fahrgäste befördern.

Wie der Fernbus-Markt funktioniert

Mehr Alternativen

Konkurrenz von Billigfliegern am Himmel haben die ICE und Intercity der Bahn schon länger. Künftig sollen Reisende auch zu Lande mehr Alternativen haben, wenn es für längere Inlandsstrecken nicht das Auto sein soll. Fernbusse, die das Gesetz seit mehr als 70 Jahren bremst, bekommen von 2013 an bundesweit freie Fahrt auf Linien von Stadt zu Stadt. Günstigere Tickets sollen Kunden locken. Wie schnell ein großer neuer Markt entsteht, muss sich aber erst zeigen.

Was hemmt Fernbuslinien bisher in Deutschland?

Für Busse gelten historische Beschränkungen, die bis in die 1930er Jahre zurückreichen. Damit sollte einst die Entwicklung der Eisenbahn geschützt werden. Fernbuslinien werden deswegen in der Regel noch immer nicht genehmigt, wenn es parallel eine Zugverbindung gibt. Ausnahme ist seit der deutschen Teilung Berlin, dessen Westteil gut erreichbar sein sollte. Auch ins Ausland gibt es Reisebusfahrten schon länger. Zuletzt hatten Fernbusse laut Statistischem Bundesamt zwei Millionen Inlandskunden im Jahr, Fernzüge aber 125 Millionen.

Was soll sich 2013 ändern?

„Zukünftig sind überall in Deutschland Fernbuslinien möglich, die untereinander und auch mit dem Eisenbahnfernverkehr konkurrieren dürfen“, verkündete eine ganz große Bus-Koalition im September. Nach langem Streit fanden Union, FDP, SPD und Grüne einen Kompromiss, den der Bundesrat absegnete. Die K.o.-Klausel zum Schutz der Bahn fällt weg, ein gewisser Rahmen soll aber bleiben. Busunternehmer müssen Fernlinien weiterhin bei den Länderbehörden beantragen. Für die Haltestellen gilt ein Mindestabstand von 50 Kilometern. Das soll verhindern, dass Fernbusse in Wirklichkeit lukrative Strecken im Nahverkehr ins Visier nehmen, der mit Steuergeld mitfinanziert wird.

Für welche Kunden könnten Fernbusse interessant sein?

Schon jetzt sind Busse eine Alternative für Schnäppchenjäger. So kostet die knapp dreieinhalb Stunden lange ICE-Reise von Berlin nach Dortmund 96 Euro zum Normaltarif, eine Busfahrt ist für regulär 38 Euro zu haben - dauert aber gut sieben Stunden. Geschäftsleute dürfte das kaum zum Umsteigen bewegen. Die neuen Angebote richten sich denn auch zuerst an „preissensible Pkw-Nutzer“, denen eine Mitfahrzentrale nicht verlässlich genug ist oder ihr Auto wegen hoher Spritprise schlicht zu teuer, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer erwartet. Am attraktivsten dürften Routen bis 400 Kilometer sein.

Stehen Busfirmen schon in den Startlöchern?

Etwa 50 bis 100 mittelständische Busfirmen interessieren sich für den neuen Markt, wie es beim Verband heißt. Dass zum 1. Januar sofort etliche neue Linien starten, wird in der Branche aber nicht erwartet. Nach der langen politischen Unsicherheit sind Investitionen etwa ins Marketing nötig, kleinere Anbieter könnten sich für Kooperationen zusammentun. Der größte private Bahn-Konkurrent Veolia Verkehr hatte schon 2010 drei Buslinien von Mönchengladbach nach München sowie von Essen nach Hamburg und München beantragt - nach alter Rechtslage. Sie würden nun nochmals neu bewertet, wie eine Sprecherin sagt. „Insofern können wir heute noch nicht sagen, wie, wann und wo wir starten.“

Was sagt die Deutsche Bahn?

Der bundeseigene Konzern wartet zunächst ab. „Wir beobachten die Entwicklungen des Fernbusmarktes und werden entsprechend reagieren“, sagt ein Sprecher. Dabei wollte die Bahn als größter Anbieter der Republik (rund 14.000 Busse/30 Fernlinien) bei einer Marktöffnung eigentlich selbst in die Offensive gehen. Im vergangenen Jahr entschied der Vorstand aber erst einmal, sich auf das Kerngeschäft mit Zügen zu konzentrieren. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betont, es gehe nicht darum, der Schiene Kunden abzujagen. Statt 25 oder 50 Pkws auf der Autobahn sei aber ein Bus mit 50 Gästen wirtschaftlich und auch für die Umwelt besser.

Der Fernbus-Markt in Deutschland wurde erst zu Jahresbeginn geöffnet. Bis dahin hatten Jahrzehnte alte gesetzliche Regelungen dafür gesorgt, dass Busse nur auf wenigen Strecken im Fernverkehr fahren durften. Mittlerweile gibt es über hundert Fernbusstrecken. Als großer Anbieter in Deutschland auf dem Fernbusmarkt ist unter anderem auch die Deutsche Bahn aktiv. Ab dem 1. Oktober wollen auch der ADAC und die Deutsche Post in den Markt einsteigen.

Insgesamt fuhren im ersten Halbjahr 5,6 Milliarden Fahrgäste Bus oder Bahn, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dies seien 0,4 Prozent mehr gewesen als zwischen Januar und Juni 2012. Das Fahrgastaufkommen im Nahverkehr sei um 0,5 Prozent gestiegen, im Fernverkehr sei es allerdings um 0,9 Prozent zurückgegangen.

Mit der Bahn seien 1,2 Prozent weniger Fahrgäste im Fernverkehr unterwegs gewesen, teilte das Statistikamt mit. Dies dürfte an den Folgen der Hochwasserkatastrophe gelegen haben, auf welche die Deutsche Bahn mit einem Notfahrplan reagierte.

Von

afp

Kommentare (2)

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karma

19.09.2013, 13:17 Uhr

Danke, ganau das ist mal ein Beitrag, der wirklich für uns etwas bewirkt.

Schon aus Prinzip werde ich diese wirklich sinnvolle Alternative nutzen. Der Service ist super gut und der Preis ist auch mega attraktiv.

Account gelöscht!

19.09.2013, 15:32 Uhr

Mensch Santos, ihre Kommentare sind größtenteils einfach nur skurril! Wen interessiert ihr Dobermann? Wo soll der bitteschön im Bus sitzen? Im Gang, damit er bei ner Vollbremsung durch die Frontscheibe abfliegt?
Die Fernbusse sind eine absolut willkommene Alternative zur völlig überteuerten Bahn. Nächstes Wochenende von Berlin nach Dresden. 9 EUR!!! mit MeinFernbus, günstigste Verbindung bei der Bahn, 34 EUR bei 3 h Fahrtzeit!!! Das soll wohl ein Witz sein?

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