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10.01.2014

17:22 Uhr

Zweitgrößter Buchhändler

Kirchen läuten Weltbilds letzte Stunde ein

VonOliver Stock

ExklusivDie katholische Kirche weigert sich, weiter Geld in die Rettung ihres Buchhändlers Weltbild zu stecken. Nun muss der Buchhändler in die Insolvenz. 6300 Mitarbeiter sind betroffen.

Weltbild-Filiale: Der Buchhändler kämpft ums Überleben. PR

Weltbild-Filiale: Der Buchhändler kämpft ums Überleben.

DüsseldorfDer angeschlagene katholische Weltbild-Verlag hat am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen in Augsburg mit. Auslöser sei vor allem ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Auch angesichts der in den kommenden drei Jahren erwarteten niedrigeren Erlöse habe sich der Finanzierungsbedarf für die Sanierung des Unternehmens verdoppelt. „Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung herausgestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird“, hieß es am Freitag in der Mitteilung.

Vertreter der katholischen Kirche, der der Verlag gehört, hatten sich nach Informationen von Handelsblatt Online bereits in der Nacht zum Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages verständigen können. Deswegen steht jetzt der Weg zum Amtsrichter am Sitz der Verlagsgruppe in Augsburg an. Insolvenzverwalter wird die Augsburger Kanzlei Scheider& Geiwitz und Partner. Die Insolvenzspezialisten haben bereits die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker abgewickelt.

Die Insolvenz betreffe nur die Verlagsgruppe, nicht die Filialen und die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz. Dieses Geschäft betreibt Weltbild in einer gemeinsamen Tochterfirma mit dem Buchhändler Hugendubel. Ebenfalls nicht betroffen sei der Internetbuchhändler bücher.de. Grund für die desolate Lage des Verlages, für den noch immer rund 6300 Mitarbeiter arbeiten und der im Jahr 2012 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftete, ist die schleppende Umstellung auf ein neues Geschäftsmodell. Gegen Amazon als den größten Online-Händler in Deutschland hat Weltbild es schwer.

Die größten deutschen Buchhändler

Deutscher Buchhandel

Der Online-Händler Amazon hat den Buchhandel auch in Deutschland durcheinandergewirbelt und unter Druck gesetzt. Laut Bundesverband der Versandbuchhändler hat Amazon etwa 1,6 Milliarden Euro Umsatz mit Büchern gemacht und damit drei Viertel Anteil am Online-Geschäft.
Insgesamt setzte der Buchhandel 9,6 Milliarden Euro (allen Zahlen für 2012) um, davon die Hälfte im stationären Handel.

Platz 6

Schweitzer Fachinformationen
28 Filialen
Die Angaben beziehen sich auf reine Buchhändler. Fachabteilungen von Kaufhäusern sind nicht gezählt. Quelle: Buchreport

Platz 5

Oslander
28 Filialen

Platz 4

Mayersche Buchhandlung
46 Filialen

Platz 3

Valora Retail (Bahnhofsbuchhandlungen)
178 Filialen

Platz 2

Thalia
293 Filialen

Platz 1

DBH (Weltbild, Hugendubel, u.a.)

420 Filialen

Die Augsburger haben 300 Geschäfte unter eigenem Namen in Einkaufsstraßen, von denen viele rote Zahlen schreiben. Außerdem arbeiten sie wie ein Versandhaus. Das heißt: Sie erstellen einen Katalog, versenden ihn und warten dann auf die Bestellungen der Kunden. Der Prozess ist aufwendig und produziert Kosten, die reine Internethändler wie Amazon nicht haben. Schon Versandhäuser wie Quelle und Neckermann sind an diesen Strukturen zu Grunde gegangen.

Dazu kommen hausgemachte Probleme, die vor allem an Management und Eigentümern des Verlags liegen. Der seit Jahrzehnten für das Haus arbeitende Weltbild-Chef Carl Halff hat aus dem Buchhändler einen Allround-Anbieter gemacht. LED-Echtwachskerzen, Schminkutensilien, Adventskalender – all das sollte die Abhängigkeit vom margenschwachen Buchhandel mindern. Das Sortiment reichte vom Werkzeug-Koffer bis zur Unterwäsche. Zusätzlich ging Halff auf Einkaufstour: Als dicksten Fisch zog er 2006 Hugendubel an Land. Der Buchhändler ist mit der Weltbild-Gruppe in der Finanzholding Deutsche Buch Handels GmbH zusammengeschlossen, jede Seite hält 50 Prozent. Sie betreiben gemeinsam das Filialnetz DBH. Hugendubel bezeichnete die Insolvenz des Partners als „überraschend“.

Kommentare (34)

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Freidenker

10.01.2014, 12:06 Uhr

Tja Herr Stock...das war doch alles vorhersehbar!

Wer glaubt die Welt wird wieder gut ist schon ziemlich naiv. Und es wird noch mehr folgen...

DAS GELDSYSTEM BRICHT ZUSAMMEN! Früher hatte man das durch Kriege gelöst. Heute wollen auch die Reichen nicht sich selber umbringen (Atomkraftwerke)

Schluß mit lustig und Kapitalsismus.
[...]
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Freidenker

10.01.2014, 12:13 Uhr

DAs Mißmanagement ist das eine....die fehlende KAUFKRAFT DAS VIEL GEWICHTIGERE.

Dazu passt wieder wunderbar der Kommentar aus der zeit online:

5. Die geistig-moralische Wende und der neue Feudalismus
Es mag befremden, aber der Nukleus der heutigen Wirtschafts- und Politikhandicaps in Deutschland dürfte im Jahre 1982 entstanden bzw. geschaffen worden sein.
1982. Die geistig-moralische Wende und deren Popanz "Leistung muss sich wieder lohnen!".

1985. Können? Können muss nicht sein. Kennen! Kennen muss sein!

Deutschland heute. Ein Land jenseits der Realleistungfähigkeiten, jenseits des Vermögens etwas zu schaffen, zu schöpfen und zu erarbeiten, in dem Sinne, wie es einst Eucken, Müller-Armack und Erhard als konsensuale Organisation einer gemeinschaftlichen, mehrwertschöpferischen Produktionsarbeit definiert worden war, welche die Bezeichnung "Leistung" auch in der Praxis rechtfertigte.

Die Neue Soziale Marktwirtschaft, ein auf Unfairness, Erbbesitz und Finanzspekulation, Anscheinerweckung und systematischen Betrug, Erpressung, Nutzung von Insiderwissen und eben „kennen“ gegründete Neofeudalwirtschaft, an deren Ende ganz einfach der Bankrott steht, weil eben nicht mehr in ausreichendem Maße „Neue Vermögen“ erarbeitet, sondern überwiegend nur noch Altvermögen umgeschichtet werden. Im Regelfall von unten nach oben. „Können? Können muss nicht sein. Kennen! Kennen muss sein!“. Das Herz der erbbesitzständischen Günstlings- und Vetternwirtschaft, die auf Sklavenarbeit, Raubkrieg, Diebstahl, Betrug und Unfairness gebaut sind.
In Deutschland und in der restlichen Welt. Einer Welt, die in den Bankrott taumelt, weil Gier, Geiz und Konsumsucht eben das Gehirn fressen.

Das Kapital WILL SKLAVEN MIT PREKÄREN LÖHNEN!! AM LIEBSTEN EINE PRIVATISIERTE ARBEITSWELT!

Account gelöscht!

10.01.2014, 12:13 Uhr

Ein Dreistelliger Millionen-Betrag sollte für die Kirche Peanuts sein. Im Rheinland ist die Kirche größter Grundstückseigentümer, wenn man davon nur einen kleinen Bruchteil verkauft, kann man 10 Weltbildverlage retten.

Es geht wohl eher um die "zu weltlich Ausrichtung" des Angebots

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