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17.11.2014

14:20 Uhr

Zwischenbilanz von Rocket Internet

Die Samwer-Brüder verbrennen weniger Geld

VonChristof Kerkmann

Rasantes Wachstum, aber hohe Verluste: Rocket Internet macht weiter wie vor dem Börsengang. Die Samwer-Brüder wollen sich auch weiterhin als Seriengründer profilieren – mit zehn neuen Start-ups im kommenden Jahr.

Trotz Optimismus bei Rocket Internet

Expertenwarnung: Rocket-Internet-Aktie ist zu risikoreich

Trotz Optimismus bei Rocket Internet: Expertenwarnung: Rocket-Internet-Aktie ist zu risikoreich

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DüsseldorfDie Samwer-Brüder sind mit einem Versprechen angetreten: Wachstum. Ihre Firma Rocket Internet soll zum größten Internetkonzern außerhalb der USA und China aufsteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, tut das Management das, was es am besten kann: Geschäftsmodelle entwickeln und dann schnell umsetzen. „Es ist unser Ziel, auch 2015 wieder mindestens zehn neue Start-ups auf den Weg zu bringen“, sagte Gründer und Konzernchef Oliver Samwer am Montag. Die wichtigsten Beteiligungen konnten den Umsatz im ersten Halbjahr zwar kräftig steigern, sind aber von Gewinnen noch weit entfernt, wie aus der aktuellen Zwischenbilanz hervorgeht. Auch die Dachgesellschaft ist unprofitabel, sie schrieb ein Minus von 13,26 Millionen Euro.

Rocket Internet hat es zum Geschäftsmodell gemacht, Geschäftsmodelle zu finden: Die 2007 gegründete Firma ist ein sogenannter Inkubator, der Start-ups aufbaut und so schnell wie möglich großzieht – Größe gilt im Internetgeschäft oft wichtige Voraussetzung für Erfolg. Dutzende Firmen sind so entstanden, von zahlreichen Online-Händlern bis zum Essenslieferdienst. Oliver Samwer und seine Brüder wollen vor allem Schwellenländer erschließen, wo ihnen Amazon, Ebay und Alibaba noch nicht Konkurrenz machen. Die Start-ups sollen von einer gemeinsamen Plattform und dem Wissen der Samwers profitieren.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Das Unternehmen teilt seine Investments je nach Reifegrad in drei Kategorien ein. Die wichtigste Gruppe sind die zwölf selbstbewusst als „proven winners“ (etwa: bewährte Sieger) bezeichneten Firmen, die am weitesten entwickelt sind – über sie gab Rocket Internet nun einige Details preis. Sie seien nicht profitabel, aber auf einem guten Weg dorthin, sagte Konzernchef Oliver Samwer nun. „Unsere Chance ist riesig und unsere Reise hat gerade erst begonnen.“ Seiner Einschätzung nach benötigten E-Commerce-Firmen fünf bis neun Jahre, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

Die Kennzahlen der Investments haben sich laut der Präsentation verbessert. Etwa die Ebitda-Marge, die die Rentabilität vor Investitionen beziffert: Sie ist im ersten Halbjahr im Vergleich zu 2013 um durchschnittlich zwölf Prozentpunkte gestiegen, liegt aber bei allen zwölf Start-ups mit durchschnittlich minus 55 Prozent immer noch deutlich im negativen Bereich. Anders gesagt: Die Firmen verbrennen Geld, aber nicht mehr so viel wie früher.

Auch das Bruttowarenvolumen hat sich gut entwickelt – dabei handelt es sich um die Summe, die beispielsweise Online-Händler durch Verkäufe über die Website einspielen. Es hat sich bei den zwölf wichtigsten Beteiligungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Das wirkte sich auch auf den Umsatz aus, der sich auf 504 Millionen Euro summierte. Den größten Beitrag lieferten die Modehändler Dafiti (83 Millionen Euro) und Lamoda (79 Millionen Euro) sowie der Möbelhändler Westwing (76 Millionen Euro).

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.11.2014, 19:36 Uhr

Das Geld wird weiterhin verbrannt - nun jedoch das von den Eignern der zur Börse geführten AG.

Der Börsengang diente sichtlich vor allem dazu, den bei Samwers dramatisch ansteigenden Kapitalschwund zu stoppen.

Nun geht´s halt wieder ein Weilchen.

Herr Dirk Niedfeld

17.11.2014, 19:44 Uhr

Inzwischen behaupte ich von mir so viel Erfahrung in den letzten 20 Jahren gesammelt zu haben um die Behauptung aufzustellen das Rocket Internet und Zalando den BAch runtergehen werden. Vielleicht nicht Morgen aber in 10 Jahren wird es diese Unternehmen so nicht mehr geben.
Das sind verspätete Zockerunternehmen aus dem Jahre 2000 die ewig Verlust fahren werden.

VG
Marvel

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