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09.08.2016

15:39 Uhr

Zwist mit Aras Cargo

Die Österreichische Post wird in der Türkei ausgesperrt

VonHans-Peter Siebenhaar

Paketversender Aras Cargo liegt derzeit im Clinch mit der Österreichischen Post. Grund sind die politischen Spannungen zwischen Österreich und der Türkei. Die Forderung: Ein Rückzug der Österreicher aus der gemeinsamen Firma.

Der türkische Paketversender Aras Cargo lehnt eine Übernahme von weiteren Unternehmensanteilen auf Grund der antiösterreichischen Stimmung in der Türkei ab. Reuters

Österreichische Post

Der türkische Paketversender Aras Cargo lehnt eine Übernahme von weiteren Unternehmensanteilen auf Grund der antiösterreichischen Stimmung in der Türkei ab.

WienDie Politik der österreichischen Regierung gegenüber der Türkei hat für die Österreichische Post, die sich mehrheitlich in Staatsbesitz befindet, unmittelbare Folgen: Der türkische Paketversender Aras Cargo lehnt eine Übernahme von weiteren Unternehmensanteilen auf Grund der antiösterreichischen Stimmung ab und verlangt einen kompletten Rückzug der Österreicher aus der gemeinsamen Firma. „Für die Österreichische Post sind in der Türkei alle Türen verschlossen“, sagte CEO Evrim Aras.

Die wachsende Antipathie gegen Österreich habe auf Aras Cargo übergegriffen, hieß es auf Seiten des türkischen Unternehmens. Der Einfluss der Österreichischen Post behindere das Wachstum von Aras Cargo in der Türkei und vernichte Werte für die Eigentümer.

Das Verhältnis zwischen Österreich und der Türkei ist derzeit ausgesprochen schlecht: Österreichs Bundeskanzler Christian Kern sprach sich in der vergangenen Woche gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei auf und löste einen Sturm der Entrüstung am Bosporus aus. „Nein. Nicht jetzt und nicht in den kommenden Jahrzehnten“, sagte der sozialdemokratische Regierungschef zur einer Aufnahme der Türkei in die Europäische Union in einem Interview mit der Wiener Zeitung „Die Presse“. „Man muss da der Realität ins Gesicht sehen: Die Beitrittsverhandlungen sind derzeit nicht mehr als eine Fiktion. Europa braucht einen neuen Weg.“

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Kern provozierte die Türken auch im Zusammenhang mit dem EU-Flüchtlingsabkommen, indem er sagte, dass die Europäer ökonomisch „am längeren Hebel“ säßen. Seine Äußerungen an die Adresse des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan haben zu einem massiven Protest in der Türkei geführt. Deren erstes Opfer aus wirtschaftlicher Sicht droht nun die Österreichische Post zu werden.

Evrim Aras, CEO des türkischen Paketversenders, sagte am Dienstag, dass der Bruch mit der Österreichischen Post „endgültig“ sei. Schon bei der kürzlich stattgefundenen Hauptversammlung hätte es eine „kulturelle Verständnislosigkeit“ gegenüber dem Geschäftspartner aus Wien gegeben. „Wir werden um jeden Preis verhindern, dass die Österreichische Post diese Marke in der Türkei zerstört“, sagte Aras.

Die wachsende Antipathie gegen Österreich greife auch auf die Mitarbeiter von Aras Kargo über, die gegen die Österreichische Post demonstriert hätten, teilte das türkische Unternehmen am Dienstag mit. Diese Demonstrationen haben sich über das ganze Land verbreitet, auch an anderen Standorten von Aras Kargo hätte es Proteste gegen die Österreicher gegeben.

Dem widersprach Georg Pölzl, CEO der Österreichischen Post. „Die Türkei hat größtes Interesse daran, dass Unternehmen auf die Rechtsstaatlichkeit im Land vertrauen“, sagte der Vorstandschef. Bei seinen zahlreichen Aufenthalten vor Ort hatte er nach eigener Aussage keine antiösterreichische Stimmung wahrgenommen – auch nicht unter den Mitarbeitern der Aras Kargo.

Das sind die Baustellen von Kanzler Kern

„Plan für Österreich“

Der neue österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) will gemeinsam mit seinem konservativen Regierungspartner einen „Plan für Österreich“ aufstellen. Mit Investitionen und dem Ankurbeln der Wirtschaft soll die Alpenrepublik bis 2025 wieder fit werden. Das Land hat zur Zeit mit einigen politischen Baustellen zu kämpfen.

Arbeitslosigkeit

Jahrelang wurde Österreich mit seiner niedrigen Arbeitslosenrate europaweit als Vorbild betrachtet. Doch in der Vergangenheit drehte sich das Bild und das Land hat mit einer Rekordarbeitslosigkeit von 9,1 Prozent zu kämpfen. Nach Zahlen des Statistikamts der EU (Eurostat) sind zwar nur 5,8 Prozent arbeitslos - viele, die in staatlich finanzierten Umschulungen stecken, werden darin aber nicht mitgezählt. Nach aktueller Prognose des Arbeitsmarktservice wird die Arbeitslosenquote 2017 auf über zehn Prozent steigen.

Renten

Mit einem Renten-Eintrittsalter von 60,2 Jahren verabschieden sich die Österreicher im internationalen Vergleich sehr früh aus dem Erwerbsleben. Zehn Milliarden Euro an Steuern sind jährlich nötig, um die Rentenkasse zu füllen. Tendenz deutlich steigend. Zusammen mit den Aufwendungen für die Beamtenpensionen sind damit die gesamten Lohnsteuereinnahmen verbraucht. Die Erwerbsbeteiligung bei den 55- bis 64-Jährigen liegt in Österreich bei nur rund 47 Prozent (Stand 2014), in Deutschland bei fast 70 Prozent.

Wirtschaftswachstum

Nach Finnland und Griechenland hatte Österreich 2015 das schwächste Wachstum in der EU. In internationalen Standortrankings büßt die Alpenrepublik von Jahr zu Jahr viele Plätze ein. Vergleichsweise hohe Lohnnebenkosten und viel Bürokratie schrecken viele potentielle Arbeitsgeber vor der Selbstständigkeit ab. Viele große Unternehmen überlegen offen den Abzug ihrer Standorte. Neuansiedelungen gibt es nur wenige. Die Wirtschaftskammer setzt auf eine „Schubumkehr vom Abstieg zum Wieder-Aufstieg“.

Flüchtlinge

Österreich hat seit dem Vorjahr gemeinsam mit Deutschland und Schweden pro Kopf die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Über 110.000 Migranten fanden in Österreich Schutz. Die Integration der Menschen gilt als eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre. Die Stimmung im Land den Fremden gegenüber ist zum Teil schlecht. Zusätzlich muss günstiger Wohnraum geschaffen werden. Auch mehr Geld für Deutschkurse und mehr Lehrer wird benötigt.

Quelle: dpa

CEO Aras fordert einen kompletten Rückzug der Österreicher aus dem Unternehmen. Seit 2013 hält die Österreichische Post 25 Prozent an Aras Kargo. Die Türken wollen diesen Minderheitsanteil nun zurückkaufen. „Die Post würde mit einem solchen Schritt ihren eigenen Aktionären einen großen Gefallen tun“, sagte Aras.

Das lehnte der CEO der Österreichischen Post ab. „Teile der Familie glauben, sie könnten ihre Verhandlungsposition verbessern, wenn sie schlechte Stimmung verbreiten und die Österreichische Post innerhalb des Unternehmens sowie in der Öffentlichkeit in Diskredit bringen. Das ist in höchsten Maßen unprofessionell. Wir erwarten uns von CEO Evrim Aras, dass sie sich an die im Jahr 2013 vereinbarten Verträge hält“, sagt Pölzl am Dienstag. Während der letzten Aufsichtsratssitzung sei in Istanbul versucht worden, Tumulte zu inszenieren, beklagte sich der Post-Chef. Ursprünglich hatte Pölzl vor, weitere 50 Prozent der Anteile an Aras Kargo zu übernehmen, wie zuvor in Verträgen vereinbart wurde.

Die Aktien des Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung von über zwei Milliarden Euro verloren an der Wiener Börse mehr als ein Prozent auf 31,44 Euro. Ohnehin ist der Kurs des früheren Börsenlieblings innerhalb eines Jahres um ein Viertel gefallen.

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