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07.03.2013

14:11 Uhr

Handelsabwickler

Londoner Börse übernimmt LCH mit Rabatt

Die Londoner Börse kauft 55,5 Prozent des Clearinghauses LCH zu einem niedrigeren Preis. Langwierige Verhandlungen waren vorausgegangen. Clearinghäuser wie die LCH werden für das Finanzsystem immer wichtiger.

Das Gebäude der Londoner Börse. Die LSE hat sich nun mit der LCH auf einen Übernahmepreis geeinigt. ap

Das Gebäude der Londoner Börse. Die LSE hat sich nun mit der LCH auf einen Übernahmepreis geeinigt.

LondonDie Londoner Börse hat sich nach langwierigen Verhandlungen mit LCH.Clearnet auf einen niedrigeren Übernahmepreis für den größten unabhängigen Handelsabwickler geeinigt. Die LSE biete nun 328 Millionen Euro in bar, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Ziel sei es, damit weitere Anteil von bis zu 55,5 Prozent an der LCH zu übernehmen. Bisher hält der britische Börsenbetreiber lediglich 2,3 Prozent.

Abwicklungshäuser wie LCH.Clearnet oder die Deutsche-Börse -Tochter Eurex Clearing stellen sich beim Börsenhandel zwischen Käufer und Verkäufer und übernehmen dabei auch das Risiko, falls einer der Handelspartner ausfällt.

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

Clearinghäuser werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen, da ein Teil der bisher außerbörslich gehandelten Derivate (OTC) ab Ende 2013 über sie abgewickelt werden soll. Abwicklungshäuser werden für das Finanzsystem damit immer wichtiger - und müssen sich auf Druck der Aufseher dickere Eigenkapitalpolster zulegen. Die LCH muss deshalb rund 330 Millionen Euro zusätzliches Kapital aufnehmen. Die LSE hat Unterstützung in Höhe von weiteren 185 Millionen Euro an frischen Investitionen zugesagt.

Die Londoner Börse hatte im April angekündigt, den Kaufpreis für die LCH wegen der höheren Kapitalanforderungen neu verhandeln zu wollen. Nun erhalten LCH-Investoren 15 Euro je Anteilsschein und damit vier Euro weniger als ursprünglich vereinbart. Insgesamt wird LCH.Clearnet damit mit rund 630 Millionen Euro bewertet. Zu den LCH-Eignern gehört auch die US-Börse Nasdaq, die ihren Anteil im Zuge der Kapitalerhöhung auf fünf Prozent ausbauen will.

Von

rtr

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