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20.01.2015

16:52 Uhr

Handelsblatt Energietagung

„Energiewende ist keine Frage der Stromkosten“

VonDana Heide

Könnte es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen? Rainer Baake, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, teilt diese Sorge nicht. Ein Problem sei allerdings die derzeitige Gestaltung des Marktes.

Windpark in Mecklenburg-Vorpommern: Wegen der Erneuerbaren Energien sind viele konventionelle Kraftwerke nicht mehr profitabel. dpa

Windpark in Mecklenburg-Vorpommern: Wegen der Erneuerbaren Energien sind viele konventionelle Kraftwerke nicht mehr profitabel.

Die Klagen der Industrievertreter bei der 22. Handelsblatt-Energietagung waren ausgiebig. „Der Vorsprung schmilzt“, warnte Bernhard Mattes, Präsident der Amerikanischen Handelskammer (AmCham) und Chef der Ford-Werke Köln. Deutschland sei innerhalb Europas zwar immer noch der beliebteste Standort, allerdings sei Europa im weltweiten Vergleich nicht besonders beliebt – und die Energiekosten seien hierzulande ein Problem. Auch RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz sorgt sich „sehr um die Industrie in Deutschland“. Es sei nicht sicher, ob es die Entlastungen für die stromintensive Unternehmen auch in drei Jahren noch gebe. Das führe zu Unsicherheit.

Doch Rainer Baake, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium erteilte dem Klagen eine Absage. „Die Diskussion, die stromintensive Industrie leidet unter der Energiewende, sollten wir jetzt mal zu den Akten legen“, sagte er bei der Handelsblatt-Tagung in Berlin. Er kam direkt aus Abu Dhabi vom World Future Energy Summit. Dort sei Deutschland häufig als Vorreiter bei der Energiewende gelobt worden. „Die Energiewende bei uns ist keine Frage der Stromgestehungskosten mehr, denn die sind gleich im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern“, resümierte er. In diesem Jahr stehe nun eine Diskussion über das Strommarktdesign an.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Ein Problem der Energiewende besteht darin, dass zu Zeiten von hoher Produktivität etwa von Solarkraft und Windkraft zu viel Strom zur Verfügung steht und die Preise in den Keller rauschen. Es sei aber „ein Trugschluss“, dass die Erneuerbaren die Ursache dieses Problems seien. „Es ist das Strommarktdesign“, sagte Baake. Das bewerte Strom eben nach den Grenzkosten.

Baake forderte eine Grundsatzentscheidung. Entweder lasse man die Strompreisschwankungen voll durchschlagen, ohne Preisobergrenze. Die stromverbrauchende Industrie könne sich vorab dagegen absichern, dürfe dann aber auch nicht beim Wirtschaftsminister billigeren Strom fordern, wenn die Preise steigen. Wenn man sich für ein marktwirtschaftliches Design entscheide, dann müsse man auch mit den Konsequenzen leben, sagte Baake.

Falls man sich das nicht zutraue, benötige man einen Kapazitätsmarkt, über den Kraftwerksbetreiber nicht für die verbrauchte Strommenge, sondern für die bereitgestellte Leistung vergütet werden. „Eines kann ein Kapazitätsmarkt allerdings nicht machen“, sagte Baake, „er kann nicht Kraftwerke künstlich am Markt halten, die keiner braucht.“

Die Befürchtung, dass in den nächsten Jahren die Versorgungssicherheit gefährdet sein könnte, weil Betreiber unrentable Kraftwerke abschalten, teilt Baake nicht. „Wir haben in den nächsten fünf Jahren kein Kapazitätsproblem in Deutschland.“

Bei der Diskussion über die Kapazitäten sei es jetzt wichtig, mit den Nachbarn Deutschlands zu sprechen, was derzeit auch passiere. „Wir dürfen diese Frage nicht national diskutieren“, appellierte Baake.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

20.01.2015, 17:15 Uhr

Sozialistisch dominierte Staatssekretäre müssen vor allem ihren Ministern - hier dem Oberökonomen Gabriel - dienen.

Alles Sachgerechte, Vernünftige und Wahre käme da erst an dritter oder zehnter Stelle.

Unter dieser Tatsache lohnt sich nicht, dem Herren unter Gabriel auch nur zuzuhören. Alles nur Kappes.

Natürlich kostet die Energiewende Land und Leute viele Billionen Euro - und dieser Wahnsinn dauert fast unvermindert an.

Jede andere Behauptung verweist direkt in die Klapsmühle.
Schließlich sollte auf Dauern jedenfalls auch die Wahrheit nicht unterdrückt werden können - Rot, Grün und Schwarz hin oder her.

Herr Vittorio Queri

20.01.2015, 17:17 Uhr

>> „Energiewende ist keine Frage der Stromkosten“ >>

Energiewende ist eine Frage der Abzocke der Verbraucher durch einen inszenierten technischen Nonsens, den unsere Regierung zu verantworten hat !

Es ist KEINE Energiewende, es ist eine Lügenblende, um die Stromverbraucher auszunehmen !

... .bürste

20.01.2015, 17:41 Uhr

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