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03.01.2012

09:35 Uhr

Handelsblatt-Firmencheck

Deutsche Konzerne sind dank des Euros Weltspitze

VonUlf Sommer

International sind die deutschen Börsenkonzerne so gut aufgestellt wie nie - und so gut wie in keinem anderen Industrieland. Zwei Drittel ihrer Erlöse kommen mittlerweile aus dem Ausland. Dem Euro sei Dank.

Der Containerterminal in Bremerhaven. dpa

Der Containerterminal in Bremerhaven.

DüsseldorfDeutschlands Konzerne forcieren ihre Globalisierung. Erstmals in der deutschen Unternehmensgeschichte erwirtschaften die börsennotierten Unternehmen mehr als zwei Drittel ihrer Umsätze in der Fremde. Gemessen am Gesamtumsatz ist der Auslandsumsatz bei den Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in den vier wichtigsten Börsenindizes Dax, MDax, TecDax und SDax binnen eines Jahres von 66,4 auf 68 Prozent gestiegen. Das belegt der Handelsblatt-Firmencheck, der in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) und dem Beratungsunternehmen Oliver Wyman entsteht.

Die zehn größten Unternehmen nach Auslandsumsatz

Platz 1

Aixtron (TecDax)

Umsatzanteil im Ausland: 97,3 %

Platz 2

Tipp24 (SDax)

Umsatzanteil im Ausland: 97,1 %

Platz 3

FMC (Dax)

96,9 %

Platz 4

Centhrotherm (TecDax)

Umsatzanteil im Ausland: 94,7 %

Platz 5

MorphoSys (TecDax)

Umsatzanteil im Ausland: 94,6 %

Platz 6

Adidas (Dax)

Umsatzanteil im Ausland: 94,5 %

Platz 7

SKW Stahl-Metallurgie (SDax)

Umsatzanteil im Ausland: 94,1 %

Platz 8

Hochtief (MDax)

Umsatzanteil im Ausland: 92,5 %

Platz 9

Linde (Dax)

Umsatzanteil im Ausland: 90,5 %

Platz 10

Roth & Rau (TecDax)

Umsatzanteil im Ausland: 90,1 %

Vor 25 Jahren fuhren die Konzerne ein Drittel ihrer Umsätze im Ausland ein. In den meisten großen westlichen Industrieländern, wie Frankreich und den USA, liegt der Anteil heute bei etwa 50 Prozent.

„Ein Ende dieses in den großen Industriestaaten beispiellosen Trends ist nicht abzusehen“, sagt CBP-Direktor Karlheinz Küting. Wer angesichts der Schuldenkrise mit dem Gedanken spiele, aus dem Euro auszusteigen, sollte sich diese extrem hohe Auslandsverflechtung der deutschen Industrie vor Augen halten. Küting bezweifelt, dass die vielen exportlastigen deutschen Industriefirmen mit einer nationalen und starken Währung derart viele Produkte im Ausland absetzen könnten, wie sie es jetzt mit dem Euro schaffen. Eine starke Währung verteuert die Waren im Ausland und macht sie dadurch weniger wettbewerbsfähig.

Bei den Industriefirmen in der zweiten Reihe, dem MDax, ist der Auslandsanteil mit 71,1 Prozent am höchsten. Insgesamt steigerten 89 der 109 untersuchten Unternehmen ihre Auslandsumsätze. 17 Firmen erwirtschaften inzwischen mehr als 85 Prozent ihrer Umsätze im Ausland, am meisten mit 97,3 Prozent der Maschinenbauer Aixtron. Im Dax kommen der Sportartikelproduzent Adidas, der Dialysespezialist FMC und der Gasehersteller Linde auf über 90 Prozent.

Kommentare (26)

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Durchblicker

03.01.2012, 09:52 Uhr

Kompletter Unsinn! Die Euro-Rettungsversuche werden schon peinlich, auch hier bei dem HB.
Die deutsche Industrie ist wegen der Dumpingbezahlung so leistungsfähig. Die Arbeitnehmer und fleissige Mittelständler haben das vollbracht. Zu DM-Zeiten waren die Exporte in die EU höher als heute, obwohl das Gegenteil behauptet wird.
Der hohe Exportanteil ist der abnehmenden inländischen Kaufkraft zuzuschreiben.
Diese Artikel erscheinen wie Auftragsarbeiten für die Regierung.

Account gelöscht!

03.01.2012, 09:54 Uhr

Das ist kein Grund zur Freude! Mit einer Weichwährung muss sich die Wirtschaft nicht angemessen anstrengen. Auf der Strecke bleibt der deutsche Steuerzahler, der mit Sicherheit für die Schulden der PIGS bluten muss.
Es wird erzählt, der Euro mache die Arbeitsplätze sicher. Aber was hat der Deutsche davon, wenn er allen erwirtschafteten Wohlstand verschenken muss?
Deutschland braucht eine stärkere Wirtschaft - da wird die Wirtschaft sich eben entsprechend mehr anstrengen müssen. Eine Währung muss auch die Wertaufbewahrungsfunktion erfüllen können - der Euro ist für Deutschland dafür ungeeignet.
Früher hat Schiller als Superminister von der Sozialdividende der starken DM für die Arbeitnehmer gesprochen. Das sollten gerade Gewerkschaftler mal genau studieren.
Wenn die deutsche Wirtschaft für die Weichwährung bezahlen müsste und nicht der Steuerzahlter, dann wäre sie sofort für die DM. Es muss Schluß sein damit, dass der deutsche Steuerzahler die deutsche Wirtschaft subventioniert und dabei verarmt! Und semantisch verbrämt wird alles als erfolgreiches "politisches Projekt". Jämmerlich! Die Dummen fallen drauf rein und bezahlen sich noch dümmer und dämlich!

otto15

03.01.2012, 09:55 Uhr

Aha - auf Basis der Ungleichgewichte machen wir unsere Geschäfte und der Steuerzahler haftet. Danke für die Info.

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