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23.01.2006

07:26 Uhr

Handelsblatt Firmencheck

Die großen Vier machen sich breit

VonDieter Fockenbrock

Kaum ein Markt wird von so wenigen großen Spielern beherrscht wie das Geschäft mit den Jahresabschlüssen. Weltweit vier, in Deutschland gar nur zwei Wirtschaftsprüfer sind bedeutend. Mittelständische Gesellschaften verlieren immer mehr Aufträge. Leidtragende könnten letztlich die Aktionäre sein.

Die großen Spieler lassen die Mittelständler nicht zum Bilanz-Brunch durch. Karikatur: Handelsblatt

Die großen Spieler lassen die Mittelständler nicht zum Bilanz-Brunch durch. Karikatur: Handelsblatt

DÜSSELDORF. Die Wirtschaftsprüfungsriesen KPMG, PwC sowie Ernst & Young bauen ihre Dominanz weiter aus. Jetzt sind zwei der Branchenführer auch beim Handelskonzern Metro und beim Finanzdienstleister MLP an Bord. Deren Jahresabschlüsse wurden früher ausschließlich von mittelständischen Unternehmen geprüft. Damit testieren die Marktführer der Prüferbranche jetzt über 70 Prozent aller Konzerne. Weil die weltweit führende Prüfungsfirma Deloitte & Touche in Deutschland keine große Rolle spielt, konzentriert sich das Geschäft hierzulande nur auf drei.

Im Dax ist die Konzentration noch deutlicher: Hier beherrschen KPMG und PwC mit 80 Prozent fast allein das Feld. Das ergab der Handelsblatt Firmencheck unter 131 Konzernen in den Marktsegmenten Dax, MDax, SDax und TecDax. Der Firmencheck entsteht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität Saarbrücken und Mercer Management Consulting.

In den Unternehmen und unter Experten ist die wachsende Konzentration in der Prüferbranche umstritten.Für Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität Saarbrücken, liegt darin eine Gefahr von Preisabsprachen oder ruinösen Wettbewerb unter den Prüfern. "Es sind die typischen Folgen eines oligopolistischen Marktes", sagt der Wirtschaftsprofessor. So seien inzwischen Festpreise für die Prüfung eines Jahresabschlusses üblich. Nach den Berufsgrundsätzen der Branche ist das aber nur erlaubt, wenn die Qualität der Arbeit gewährleistet bleibt.

Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen. Bernd Rödl, Chef des Mittelständlers Rödl & Partner sieht nicht nur die "Gefahr von Klüngelei". Rödl fürchtet auch Qualitätsverluste, weil die großen Gesellschaften unpersönlich arbeiteten. Viele Kunden beklagten "Arroganz und Gleichmacherei" der von angelsächsischen Traditionen geprägten Big Four.

Ernst & Young, aber auch der Chef der neu gegründeten Bilanzpolizei Eberhard Scheffler, teilen die Furcht vor den Folgen einer Konzentration im Prüfergewerbe nicht. Nach wie vor sei der Wettbewerb stark, heißt es bei Ernst & Young. Das lasse sich an den Preisen ablesen. Während in Großbritannien oder den USA die Gebühren für Abschlussprüfungen stiegen, seien in Deutschland die Preise unter Druck.

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