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14.01.2015

20:21 Uhr

Hans Liebherr

Der Bau-Herr

VonMartin-W. Buchenau

Sparsam, fortdauernd, aber nah am Unternehmen und an den Menschen: Hans Liebherr errichtete nach dem Krieg den größten Baumaschinenkonzern im deutschsprachigen Raum. Das Firmenlogo ist weltweit auf Baustellen zu finden.

Die Erfolgsgeschichte von Liebherr ist untrennbar mit ihrem Gründer Hans Liebherr verbunden. Liebherr

Die Erfolgsgeschichte von Liebherr ist untrennbar mit ihrem Gründer Hans Liebherr verbunden.

StuttgartDer Vater des Wirtschaftswunders, Ludwig Erhard, ist für viele Deutsche der Mann mit der Zigarre. Die Kirchdorfer an der Iller denken bei „Mann mit Zigarre“ aber vor allem an Hans Liebherr. Die Oberschwaben haben ihrem Ehrenbürger sogar ein Denkmal - mit dem obligatorischen Stumpen im Mund - gesetzt. Für sie hat der Baumaschinenpionier das Wirtschaftswunder in die oberschwäbische Provinz gebracht.

Hans Liebherr war ein Anpacker oder „Schaffer“, wie man im Südwesten sagt, ein bodenständiger Instinktunternehmer in der Nachkriegszeit, mit Weitblick, sparsam, fordernd, aber nah am Unternehmen, an den Menschen, nach außen eher verschwiegen. Er hatte kein Sekretariat, keinen Chauffeur, nicht einmal einen Terminkalender. Er war lieber vor Ort in den Werken, fuhr mit einem einzigen Wagen über 300.000 Kilometer und flog generell Touristenklasse. „Sie wissen ja, ich bin eigentlich nur Maurermeister“, sagte Liebherr anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde von der RWTH in Aachen im Jahr 1964. Ein Hinweis darauf, was ein Unternehmer ohne Studium alles erreichen kann: Krane erfinden, Bagger verbessern und darauf einen Konzern gründen, der später auch Flugzeugfahrwerke und Kühlschränke fertigt sowie Hotels baut.

Dass es so kam, ist längst nicht ausgemacht, als Hans Liebherr am 1. April 1915 als Sohn eines Müllers in Kaufbeuren geboren wird. Ein Jahr später fällt sein Vater im Ersten Weltkrieg. 1922 heiratet die Mutter ein zweites Mal. Der neue Ehemann, Maurermeister Johann Baptist Sailer, betreibt in Kirchdorf an der Iller ein kleines Baugeschäft. Liebherr will zunächst Konditor werden, macht aber dann doch eine Lehre im Betrieb seines Stiefvaters. Der Junge entdeckt schnell seine technische Veranlagung. Nach der Meisterprüfung übernimmt er die Geschäftsleitung - aber nur kurz. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wird der 24-jährige Firmenchef eingezogen. Sechs Jahre seines Lebens ist er Soldat. Er kämpft im Süden Russlands, wird zweimal verwundet. Kurz vor Kriegsende liegt er im Lazarett in Pirna und schlägt sich nach Hause durch. Der Kriegsheimkehrer übernimmt wieder das kleine elterliche Geschäft.

Der Oberschwabe ist dankbar, mit dem Leben davongekommen zu sein. Er zerbricht nicht an seinen Erlebnissen als Soldat. „Er hatte diesen unbeugsamen Willen“, beschreibt Sohn Willi den Vater. Im Krieg gehörte er zum Pionier-Bataillon 101. Solche Einheiten wurden auch Ingenieurs-Truppen genannt. Sie bauten Brücken, Stellungen und bereiteten den Vormarsch vor, später den Rückzug. Schon während des Militärdienstes hatte Liebherr die erste Idee für einen Turmdrehkran. Jetzt wollte er sie endlich umsetzen.

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