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04.01.2011

09:38 Uhr

Hans Martin Bury

Der ACS-Wegbereiter

VonDaniel Goffart, Georg Weishaupt

Unter Gerhard Schröder war Hans Martin Bury als Kanzleramtsminister bereits bei der Rettung von Philipp Holzmann beteiligt. Jetzt hilft der Schwabe als Managing Partner der Kommunikationsberatung Hering Schuppener Consulting dem spanischen Baukonzern ACS bei der feindlichen Übernahme von Hochtief.

Hans Martin Bury Franz Bischof / imagetrust

Hans Martin Bury

BERLIN, DÜSSELDORF. Mit der politischen Symbolkraft großer Baukonzerne kennt Hans Martin Bury sich aus: Als Bundeskanzler Gerhard Schröder Ende 1999 mit Hilfe des Bundes den angeschlagenen Bauriesen Philipp Holzmann vor dem sofortigen Zusammenbruch bewahrte, zog Bury schon die Fäden im Hintergrund. Damals war der smarte Schwabe erst 33 Jahre alt und bereits Schröders Kanzleramtsminister. Forsch trieb er 1999 bei den zähen Verhandlungen die zögerlichen Banker und Holzmann-Finanziers mit dem Hinweis an, "gleich kommt der Bundeskanzler, und der will einen Erfolg, und zwar noch vor den Abendnachrichten".

Das stille Strippenziehen hinter den Kulissen hat Bury inzwischen perfektioniert. Als Managing Partner der Kommunikationsberatung Hering Schuppener Consulting hilft er dem spanischen Baukonzern ACS bei der feindlichen Übernahme von Hochtief - was einige beim deutschen Baukonzern mit Ärger betrachten. Heute gaben die Spanier bekannt, dass sie ihren Anteil an Hochtief auf über 30 Prozent aufgestockt und damit eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Aktienmehrheit genommen haben.

Offiziell hält man sich bei Hering Schuppener mit Details über die Rolle Burys bei dem Deal zurück. Aber in Berlin ist es ein offenes Geheimnis, dass der frühere SPD-Politiker wieder einmal seine Drähte zu den Gewerkschaften glühen ließ, als der Betriebsrat von Hochtief noch eisern gegen die Übernahmepläne der Spanier opponierte. Zu diesem Zeitpunkt schloss IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel einen smarten Deal mit ACS, der ihm und der Gewerkschaft einen Sitz im Aufsichtsrat des künftigen Unternehmens sowie den Erhalt aller Rechte garantierte. Der Betriebsrat schäumte. Die Abwicklung im Hintergrund trägt Burys Handschrift, ebenso die diskrete Werbung für das spanische Angebot bei der anfangs skeptischen BaFin und dem Bundesfinanzministerium.

Seine zahlreichen Kontakte hat Bury nach seinem Ausstieg aus der Politik stets gepflegt. Als 2005 Schröders Regierungsjahre endeten, war auch für den studierten Betriebswirt Schluss mit Politik. Bereits mit 24 Jahren hatte Bury für die SPD im Bundestag gesessen - als unideologischer und wirtschaftsorientierter Sozialdemokrat, der perfekt in die "Neue Mitte" des "Genossen der Bosse" passte. Nach der rot-grünen Regierungszeit ging Bury als Managing Director zur deutschen Tochter von Lehman Brothers - mit Zuständigkeit für Geschäfte mit der öffentlichen Hand. Als Lehman 2008 im Strudel der Finanzkrise unterging, machte Bury kurz beim japanischen Bankhaus Nomura weiter, bis er 2009 als Managing Partner zur Kommunikationsberatung Hering Schuppener wechselte und dort den neuen Bereich "Corporate Affairs und Agenda Management" aufbaute. Mit Erfolg, wie sich jetzt gezeigt hat.

Kommentare (2)

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Grace

04.01.2011, 11:03 Uhr

Leute, wählt SPD!

Ovid

04.01.2011, 20:08 Uhr

Warten wir doch mal ab, wie ACS sich anstellt. ich erwarte einen Griff in die Kasse von Hochtief. Das kennen wir ja von den vielen haupzsächlich amerikanischen Fonds. Diese mafiosen Übernahmen müssen endlich aufhören. Wer nicht mindestens 50% bargeld mitbringt, dürfte keine Firma übernehmen. Die bekäme er ja im Regelfall nur von einer bank, wenn die Firma gesund ist. Hier versagen unsere Politiker und Verbände schon seit Jahrzehnten. Die Chinesen machen es sich da einfacher.

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