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14.01.2008

07:00 Uhr

Hans-Peter Fässler vom Luxusmöbelhersteller de Sede

Zu nichts gezüchtet

VonOliver Stock

Hans-Peter Fässler leitet seit 20 Jahren den legendären Luxusmöbelhersteller de Sede. Jetzt hat er ihn an einen Finanzinvestor verkauft. Damit sei die Zukunft gesichert, glaubt er und hofft, dass das nicht nur für ihn, sondern auch für die Möbelmanufaktur zutrifft.

KLINGNAU. Die Lebensgeschichte des Hans-Peter Fässler beginnt nicht zufällig mit einem Auto. In den 70er-Jahren kauft sich der gebürtige Schweizer einen BMW 3,0 CSI. Es ist ein schmuckes Coupé, das in Deutschland vergleichsweise günstig zu haben ist. Mit dem Wagen als Umzugsgut wandert er nach Rhodesien aus, wo die wenigen Wohlhabenden nach einem solchen Statussymbol auf vier Rädern alle zehn Finger ausstrecken.

Er verkauft das Coupé für ein Vielfaches und erwirbt mit dem Geld eine Fabrik für Damenoberbekleidung. "Eine Halle und einen Schreibtisch", beschreibt Fässler das, was er sich da angeschafft hatte. Fünf Jahre später ist alles weg: Rhodesien versinkt in politischen Unruhen.

"Ich kam mit nichts, und ich ging mit nichts", sagt er heute. Doch die Geschichte hat zur "Lernkurve" seines Lebens beigetragen: "Du kannst durch die Wand gehen und dir eine Beule holen, oder du kannst vor der Wand verhungern." War Afrika eine Niederlage? Nein, natürlich nicht. "Eine Niederlage ist es dann, wenn du nicht mehr aufstehst."

Hans-Peter Fässler. Heute sitzt er wahrscheinlich in einem der schnörkellosen Lederfauteuils von de Sede auf der Internationalen Möbelmesse (IMM) in Köln. Und wahrscheinlich trägt er wie vergangene Woche in seinem Büro im schweizerischen Klingnau einen goldenen Armreif, kommt ohne Socken daher und hat die Brille an einem Band um den Hals baumeln. Wahrscheinlich raucht er eine Camel, und möglicherweise hat er - ganz wie zu Hause in seinem Arbeitszimmer - eine mit vier lederbespannten Hockern und mit Jack Daniels, Campari und Baileys gut ausgestattete Bar im Rücken.

Fässler ist seit 20 Jahren Chef bei de Sede. Bis zum vergangenen Jahr war er auch Eigentümer, dann stieg ein Finanzinvestor ein. Seither befindet sich der 57-Jährige ein wenig auf der Entschleunigungsspur - sofern sich das über einen sagen lässt, der vorne links neben dem Eingang zur Möbelfabrik seinen schwarzen Bentley geparkt hat und der zu Hause 25 historische Rennwagen in der Garage stehen hat, die bewegt werden wollen. Gegen Ende 2008 will er sich bei de Sede zurückziehen, auf ein paar Monate kommt es ihm dabei nicht an. Aber klar ist: "Mit den Gewohnheiten eines Hauptaktionärs kann man langfristig nicht an der Spitze eines Unternehmens bleiben, wenn es einem nicht mehr gehört."

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