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14.01.2015

20:09 Uhr

Hans Peter Stihl

Der Herr der Motorsägen

VonMartin-W. Buchenau

Dem Familienunternehmer Hans Peter Stihl gelang ein Kunststück: Er baute nicht nur aus der väterlichen Firma eine Weltmarke auf, sondern er wurde auch zur Stimme der Wirtschaft.

Der Kettensägen-Perfektionist: Hans Peter Stihl. obs

Der Kettensägen-Perfektionist: Hans Peter Stihl.

StuttgartHans Peter Stihl bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Ob er nun in der Freizeit das schwere BMW-Motorrad über die Straßen jagt – Spitzengeschwindigkeit 280 km/h – oder bei den Timbersports-Weltmeisterschaften zusieht und hört, wie kräftige Holzfäller mit kreischenden Stihl-Sägen Scheiben von Baumstämmen im Sekundentakt abschneiden, als gehe ein Messer durch weiche Butter. Oder ob eben noch eine Ehrung mehr ansteht, nach Verdienstkreuzen, Ehrenpräsidentschaften oder der Dieselmedaille. Die Vorbereitungen des Filmteams für die Hall of Fame des Handelsblatts lässt er entspannt über sich ergehen.

Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass der 82-Jährige vor einer Kamera steht. Stihl ist nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, der seine Motorsägen zur Weltmarke machte. Er hat nebenher auch so manche Schlacht für die deutsche Industrie in der Öffentlichkeit geschlagen. Als Verhandlungsführer von Südwestmetall kämpfte er in Tarifauseinandersetzungen mit den Gewerkschaften. „Als die IG-Metall die Mitbestimmung ausdehnen wollte, wurde es mir zu bunt“, beschreibt er heute seine Motivation, sich in die Tarifpolitik einzuschalten. „Ich bin kein Freund der Gewerkschaften“, räumt der überzeugte Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft ein, aber „ein Fan der Tarifautonomie“.

Heute bringt es ihn schnell auf die Palme, wenn sich die Politik immer mehr in das Geschäft der Tarifpartner einmischt. „Rente mit 63 und staatlich verordnete Mindestlöhne sind eine absolute Fehlentwicklung“, sagt Stihl. Beim Kampf für den Standort Deutschland ist er leidenschaftlich wie eh und je. Verbindlich im Ton, hart in der Sache. Als DIHT-Präsident und damit wichtiger Wortführer der Unternehmen gehörte er in den 90er-Jahren zu den prägenden Figuren der deutschen Wirtschaftspolitik. „Ein Überzeugungstäter, der keinen Konflikt scheute, weder mit anderen Unternehmern noch mit der Politik. Ich würde mir mehr solcher streitbarer Geister wünschen“, sagt Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach. Stihl habe dabei immer die wohlmeinende Sorge um den Standort Deutschland umgetrieben.

Widerstände waren programmiert: Umweltschützer feinden ihn vor seiner Ernennung zum DIHT-Präsidenten 1988 an. Er trage als Hersteller von Kettensägen zur Rodung der Regenwälder bei und sei deshalb ungeeignet, die deutsche Wirtschaft zu vertreten. Bundespräsident Richard von Weizsäcker konnte damals nur mit Hilfe seiner Nonchalance die Wogen glätten: „Es dürfte für das Abholzen der Urwälder nicht ein deutscher Motorsägenproduzent ursächlich verantwortlich sein.“

Die Kritik flacht mit der Zeit ab. Auch weil der DIHT-Präsident später bei sensiblen Themen ein sicheres Gespür zeigt. Stihl tritt Ende 1999 als einer der ersten Mittelständler nach den Gründungsmitgliedern der Stiftung zur Entschädigung der Zwangsarbeiter im Krieg bei. Er unterschreibt zudem einen Aufruf an 200. 000 Unternehmen, bei der Initiative mitzumachen. Die Industrie soll die Hälfte der geforderten zehn Milliarden Mark aufbringen. Viele Unternehmer überzeugt Stihl, manche machen nur zähneknirschend mit, manche gar nicht.

Dass die Stimme aus der schwäbischen Provinz einmal auch außerhalb von Waiblingen so gewichtig werden würde, war in den Anfängen nicht absehbar. Ein „gmähts Wiesle“ – wie es im Schwäbischen heißt – findet Stihl nicht vor, als er 1960 ins väterliche Unternehmen eintritt. Unternehmensgründer Andreas Stihl hatte schon etwas Druck aufgebaut. Sollte der Sohn nicht kommen, drohte der Vater, „den Laden zu verkaufen“.

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