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22.01.2007

08:00 Uhr

Hartmut Ostrowski

Der Stürmer aus Gütersloh

VonH.-P. Siebenhaar

Er war der Favorit und hat sich auch durchgesetzt: Hartmut Ostrowski wechselt an die Spitze von Bertelsmann. Heute hat er seinen ersten großen Auftritt vor der Führungsriege von Europas größtem Medienkonzern.

Hartmut Ostrowski. Auf den neuen Konzernchef warten viele Baustellen. Foto: dpa Quelle: dpa

Hartmut Ostrowski. Auf den neuen Konzernchef warten viele Baustellen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Der Mann hat keine Zeit zum Feiern. Er hakt weiter seine Termine ab – als wäre nichts gewesen. Ende vergangener Woche hat der Bertelsmann-Aufsichtsrat Hartmut Ostrowski zum neuen Vorstandschef gewählt. Für den bisherigen Leiter der Druck- und Servicetochter Arvato ist das aber kein Grund, von der Routine und seinen ursprünglichen Plänen abzuweichen. Keine Interviews, keine Fernsehauftritte, Ostrowski kümmert sich weiter ums Geschäft, um einen seiner größten Kunden: den ADAC. Am Samstagabend führte der 48-Jährige beim Ball des Automobilverbands in Berlin wichtige Gespräche mit den ADAC-Oberen. Schließlich beschert die Gelbe-Engel-Organisation Bertelsmann Jahr für Jahr einen dreistelligen Millionenumsatz.

Der Mann scheut eben den großen Auftritt im Scheinwerferlicht. Am heutigen Montagnachmittag wird sich das aber nicht ganz vermeiden lassen, wenn der neue Vorstandsvorsitzende sich den mehr als 600 Führungskräften vorstellt. In der an das triste Haus des Lehrers grenzenden Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz diskutieren er und sein Ziehvater Gunter Thielen über die Zukunft von Europas größtem Medienkonzern. Alle Augen sind dabei auf den bisherigen Arvato-Chef gerichtet. Der frühere Fußball-Mittelstürmer soll Bertelsmann wieder in die erste Reihe der weltweiten Medienkonzerne führen.

Am Sonntag lief die Generalprobe auf Hochtouren. Auch ein gut gelaunter Ostrowski war im Berliner Tagungszentrum – ungewohnt leger in Jeans. Seine Wahl als Nachfolger von Vorstandschef Gunter Thielen war alles andere als eine Überraschung. Seit einem Jahr wird Ostrowski als Konzernchef gehandelt. Das Votum des Aufsichtsrates war daher einstimmig. Bereits nach 50 Minuten war alles klar: Ostrowski wechselt zum 1. Januar 2008 an die Spitze des Konzerns. Thielen löst dann Dieter Vogel als Aufsichtsratschef ab und leitet zudem die einflussreiche Bertelsmann-Stiftung. Ostrowski Nachfolger wird Rolf Buch. Der 41-Jährige leitet bisher das Telefondienstleistergeschäft bei Arvato.

Der Arbeitersohn Ostrowski hat bisher Beachtliches geleistet. Er machte Arvato, das Aschenputtel des Konzerns, zu einer strahlenden Prinzessin. Der Service-Bereich ist heute der zweitgrößte Umsatzträger des Konzerns. Rund um Druck, Logistik, Internet und Service gibt es noch viele Wachstumsmöglichkeiten. Das hat der bullige Blonde aus Ostwestfalen in den vergangenen fünf Jahren an der Spitze von Arvato gezeigt.

Patriarch Reinhard Mohn und seine Frau Liz schätzen die Effektivität und Bescheidenheit von „Ossi“, wie Freunde ihn nennen. Wie sein Mentor Thielen verehrt er Reinhard Mohn und hält dessen Unternehmensprinzipien wie Dezentralität hoch. Die Nähe zur Familie, auch zu Liz Mohn, hat sich für Ostrowski ausgezahlt. Er ist nun ganz oben.

Auf den neuen Konzernchef warten viele Baustellen. Der Konzern ist nach dem Rückkauf der Anteile von Albert Frère für 4,5 Milliarden Euro hoch verschuldet. „Ostrowski kann sich nicht bewegen. Er sitzt auf einem Schuldenberg“, sagte ein früherer Bertelsmann-Vorstand. Der Betriebswirt muss daher neue Geschäftsfelder anpacken. Er weiß genau, dass die Abhängigkeit vom hochrentablen Fernsehgeschäft auf Dauer ein riskantes Spiel ist. „Die Technologien von heute bestimmen unsere Geschäfte von morgen“, hämmerte Ostrowski neulich bei einem Firmentreffen in Palo Alto, mitten im Silicon Valley, den Konzernmanagern ein.

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