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26.01.2005

07:00 Uhr

Harvey und Bob Weinstein produzierten den Erfolgsfilm „Aviator“

Von Oscar geliebt, von Mickey gefeuert

VonFrank Siering (Handelsblatt)

Bis vor kurzem begann jeder Morgen für Harvey Weinstein mit Schokolade. Viel Schokolade. Und Kaffee. Mindestens drei Tassen. Und Zigaretten. Danach legte der Chef der Filmproduktion Miramax los: Schreitiraden, geworfene Telefone, zertrümmerte Möbel. Die Legende spinnt unendliche Geschichten.

Aviator mit Leonardo DiCaprio als Howard Hughes ist ein Favorit bei der Oscar-Verleihung 2005. Foto: Buena Vista

Aviator mit Leonardo DiCaprio als Howard Hughes ist ein Favorit bei der Oscar-Verleihung 2005. Foto: Buena Vista

HB LOS ANGELES. Damit ist es vorbei – sagt Weinstein. 20 Pfund hat er abgenommen in den vergangenen drei Monaten, Sojamilch und Joghurt stehen auf seinem Schreibtisch. Die Schokolade bleibt im Schrank, nur Kaffee und Zigaretten zählen noch zu seinen Begleitern: „Irgendwo muss ich den Stress ja hinstecken“, sagt er und lächelt ironisch.

Davon hat er derzeit genug. Der von Miramax produzierte „Aviator“ ist gestern für gleich elf Oscars nominiert worden, ebenso viele wie im vergangenen Jahr das Miramax-Werk „Herr der Ringe III“. Im Wettbewerb um die Trophäe für den besten Film steht er sogar in Konkurrenz zu „Finding Neverland“ – ebenfalls aus dem Hause Miramax.

Und doch hält sich das Glück in Grenzen. Nach jahrelangem Höhenflug der von ihm und Bruder Bob geführten Miramax-Studios will sein Arbeitgeber Disney den Vertrag mit den Weinsteins nicht verlängern. „Wir haben mit unseren Filmen Hunderte von Millionen Dollar an Profit eingefahren. Und Disney-Chef Michael Eisner will uns auf einmal nicht mehr“, sagt Harvey Weinstein nachdenklich und zieht an seiner Zigarette. Der Grund dafür ist ein offenes Geheimnis: „Die Brüder sind mittlerweile zu mächtig im Filmgeschäft. Der Auszubildende hat seinen Chef überflügelt“, sagt ein Marketingleiter aus der Entertainment-Industrie.

1979 hatten Bob und Harvey Weinstein Miramax gegründet und nach den Vornamen ihrer Eltern (Miriam und Max) betitelt. Das Geld für die Finanzierung ihres Studios hatten die Filmfans aus dem New Yorker Arbeiterviertel Queens mit einem kleinen Independentstreifen verdient, dessen Vermarktungsrechte sie sich in Cannes gesichert hatten. Schnell wurden sie zum Studio, das Stars machte. „Die Brüder erkennen Talente wie keiner sonst in dieser Industrie“, sagt Oscar-Gewinnerin Nicole Kidman. Sie muss es wissen: Harvey Weinstein förderte sie schon, als ihre hervorstechendste Eigenschaft noch die Ehe mit Tom Cruise war.

1993 übernahm Disney Miramax für 80 Millionen Dollar – und machte die Brüder, die als Geschäftsführer im Unternehmen blieben, über Nacht zu Millionären. „Das Geld war schön, aber interessiert hat uns eigentlich immer nur, tolle Projekte anzukurbeln“, sagt Bob Weinstein, der stillere der beiden.

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