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10.09.2012

18:19 Uhr

„Hau ab, du reicher Idiot!“

Milliardär verklagt linke Zeitung

Der reichste Franzose will weiter zuhause Steuern zahlen, hat aber die belgische Staatsbürgerschaft beantragt. Die Zeitung „Libération“ hat den Entschluss Bernard Arnaults mit deftigen Worten bedacht – und Ärger am Hals.

LVMH-Chef Bernard Arnault. AFP

LVMH-Chef Bernard Arnault.

Die Auseinandersetzung in Frankreich um die Besteuerung von Superreichen hat am Montag einen neuen Höhepunkt erreicht: Der reichste Mann Frankreichs, Bernard Arnault, kündigte eine Anzeige gegen die linksgerichtete Zeitung „Libération“ an, weil auf deren Titel ein Foto von ihm mit der Schlagzeile „Hau ab, du reicher Idiot!“ erschienen war. Hintergrund ist der Antrag des Multi-Milliardärs auf eine belgische Staatsbürgerschaft.

Arnault, der Chef des weltgrößten Luxuskonzerns LVMH und langjährige Vertraute des abgewählten konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy, hatte am Wochenende rasch klargestellt, dass er auch künftig seine Steuern in Frankreich zahlen werde. Tatsächlich strebt er die doppelte Staatsbürgerschaft an. Dennoch hatte die Nachricht über seinen Antrag für eine belgische Staatsbürgerschaft einen Proteststurm ausgelöst.

„Libération“ druckte am Montag auf der gesamten Titelseite ein großes Foto von Arnault mit einem knallroten Koffer ab und überschrieb es mit dem Text: „Hau ab, du reicher Idiot!“. Die Schlagzeile war eine Anspielung auf Sarkozy, der 2008 einen Mann, der ihm den Händedruck verweigert hatte, mit den Worten angefahren hatte: „Hau ab, du armer Idiot!“

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Der Chef des Luxuskonzerns LVMH, zu dem Nobelmarken wie Vuitton, Kenzo, Givenchy oder die Champagnermarke Moët et Chandon gehören, erstattete Anzeige wegen „öffentlicher Beleidigung“. Er habe „angesichts der extremen Vulgarität und der Heftigkeit des Titels“ keine andere Wahl, hieß es in einer Erklärung.

Der Redaktionsleiter der Zeitung, Vincent Giret, hob gegenüber der Nachrichtenagentur AFP hervor, dass auch Arnaults Antrag auf die belgische Staatsbürgerschaft „ein gehöriges Maß Vulgarität“ aufweise, was „Liberátion“ in einem „Boomerang-Effekt“ zurückgegeben habe.

Arnault ist dem Magazin „Forbes“ zufolge mit einem Vermögen von 32 Milliarden Euro der reichste Mann Europas und der viertreichste Mann der Welt. Laut Schätzungen leben tausende wohlhabende Franzosen in Belgien, weil sie dort weniger Steuern zahlen.

In die hitzige Debatte hatte sich am Sonntagabend auch Frankreichs sozialistischer Präsident François Hollande eingeschaltet, der eine Reichensteuer von 75 Prozent für Einkommen ab einer Million Euro einführen will. In Krisenzeiten, in denen Anstrengungen nötig seien, müsse an den Patriotismus appelliert werden, sagte der Staatschef im Fernsehen.

Der Antrag auf die belgische Staatsbürgerschaft habe „persönliche Gründe“ und sei vor einigen Monaten erfolgt, sagte Arnault am Wochenende. Er dürfe „nicht politisch interpretiert7 werden. Angeblich plant Arnault ein „sensibles“ Investitionsprojekt, das durch eine belgische Staatsbürgerschaft erleichtert würde.

Arnault hatte 1981 nach dem Wahlsieg des Sozialisten François Mitterrand Frankreich verlassen und lebte drei Jahre in den USA.

Kommentare (8)

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Rene

10.09.2012, 18:31 Uhr

Nicht politisch, ökonomisch muß es interpretiert werden?

"Patriotismus" in solch schwierigen Zeiten. In Dtl. käme sofort die Nazi-Keule.

Geld kennt keinen Patriotismus, Hr. Hollande. Wenn auch nicht alle gehen, wenn auch nicht sofort. Aber einen Gefallen hast du den Franzosen nurgefühlt getan. Wirtschaftlich werden wohl die Anrainerstaaten profitieren.

Account gelöscht!

10.09.2012, 18:40 Uhr

Also wenn er wirklich gegen Hollande gewesen waere, dann haette er wohl die Gelegenheit fuer die Keule genutzt. Hinsichtlich Reichensteuer - die wussten auch schon bisher ohne Hollande, wo sie gut aufgehoben sind.

goeasyway

10.09.2012, 18:52 Uhr

Beste Aussichten für den "armen Idioten" reich zu werden. Aber wahrscheinlich denkt der "reiche Idiot" nicht soweit.
Er könnte sogar eine profitable Klagewelle lostreten, sofern er die Klage gewönne. Dann hätte der "reiche Idiot" sogar was für die Wirtschaft getan.
Es sei denn, die Richter in Frankreich sind alle gekauft.

Solche Geschichten haben in Zeitungen gar nichts verloren. Da wird Politik gemacht mit halbgaren Kartoffeln.

Rene, Sie sind auch ein "armer Idiot", allerdings ohne Aussicht auf ein Vermögen.



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