Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.08.2015

08:31 Uhr

Hauptstadtflughafen

Mehrere BER-Manager unter Betrugsverdacht

Um Nachforderungen bei Bauprojekten wird meist hart verhandelt – nicht so am Hauptstadtflughafen BER: Einem Bericht zufolge gewährte das Management auffällig hohe Zahlungen. Auch Siemens, Bosch und T-Systems kassierten.

Der Bau des Flughafens zieht sich hin – und jetzt werden auch noch Korruptionsvorwürfe laut. AFP

Baustelle des Hauptstadtflughafens

Der Bau des Flughafens zieht sich hin – und jetzt werden auch noch Korruptionsvorwürfe laut.

BerlinBeim Bau des Hauptstadtflughafens BER stehen leitende Mitarbeiter sowie deutsche Großkonzerne einem Zeitungsbericht zufolge unter Betrugsverdacht. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ ermittelt die Anti-Korruptionsbeauftragte der Flughafengesellschaft wegen entsprechender Hinweise. Demnach sollen sich BER-Führungskräfte gegenüber den Unternehmen Siemens, Bosch und der Telekom-Tochter T-Systems auffällig großzügig gezeigt und die Bezahlung überhöhter Rechnungen angewiesen haben.

Manager der Flughafengesellschaft hätten bis zur Absage des Eröffnungstermins Mitte 2012 fast jede Forderung der drei Firmen anstandslos bewilligt, berichtete das Blatt unter Berufung auf interne Dokumente. So habe etwa Siemens nachträglich 22 Millionen Euro erhalten, nachdem das Unternehmen wegen zusätzlicher Leistungen 22,9 Millionen Euro gefordert habe. Bei T-Systems zahlte die Flughafengesellschaft demnach 99 Prozent der Nachforderungen.

Imtech und der BER – Sorgen um Flughafenprojekt

Der Termin, der wackelt – schon wieder

Der neue Hauptstadtflughafen gleicht einem taumelnden Boxer: Kaum hat er sich aufgerappelt, setzt es den nächsten Schlag. Ein paar Monate schien es, als gäbe es für das Krisenprojekt einen guten Plan, der nur noch abgearbeitet werden muss. Jetzt trifft die Pleite der wichtigen Baufirma Imtech die Baustelle wie einen Boxer die rechte Gerade. Die Verantwortlichen sind besorgt. Und alle fragen sich, ob die für 2017 geplante Eröffnung abgesagt werden muss – es wäre das fünfte Mal.

Welche Arbeiten erledigt Imtech in Schönefeld?

Der Gebäudetechnikausstatter arbeitet neben anderen wie Siemens an der Brandschutzanlage, deren unzureichendes Zusammenspiel neben schweren Mängeln seit Jahren den Flughafenstart verzögert. Mit dem Partner Caverion unterteilt Imtech etwa den zu großen Anlageabschnitt im zentralen Terminal, damit das „Monster“ (Flughafengesellschaft) beherrschbar wird. Imtech kümmert sich auch um Stromversorgung, Heizung, Sanitär und Lüftung. „Sanierung im Bestand“, hat Technikchef Jörg Marks das genannt, was momentan im Terminal läuft.

Lief die Arbeit immer reibungslos?

Nein. Projektbeteiligte berichten im Berliner Untersuchungsausschuss immer wieder von Schönrednerei und von Baufirmen, die machen was sie wollen. Einige Vorwürfe trafen auch Imtech. Die Firma soll mitunter monatelang mehr Bauarbeiter abgerechnet haben als tatsächlich im Terminal am Werk waren, kritisierte einer der Architekten.

Imtech habe mehr als 300 Millionen Euro vom Flughafen erhalten, teils aber ohne Gegenleistung, berichtete ein anonymer Hinweisgeber, der einen mutmaßlichen Bestechungsfall aufdeckte. Das Unternehmen soll einen leitenden Mitarbeiter des Flughafens bestochen haben, damit die Betreiber 65 Millionen Euro überweisen, ohne dass entsprechende Nachforderungen geprüft werden. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die Verdächtigen nahezu abgeschlossen, der Flughafen-Mitarbeiter sitzt seit Mai in U-Haft.

Warum hat der Flughafen Imtech nicht rausgeworfen?

Die Verantwortlichen fürchteten, Zeit und Wissen zu verlieren. Imtech galt ihnen als „Schlüsselfirma“ für das Projekt. „Es gab den Glauben, dass in der Sekunde, wo die abziehen, was sie auf der Baustelle haben, der Termin tot ist“, sagte der frühere Technikchef Horst Amann einmal mit Blick auf den einst angestrebten Starttermin Oktober 2013.

Wie kam es zur Insolvenz?

Die deutsche Imtech-Tochter war in den vergangenen Jahren durch erhebliche Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Nach Konzernangaben hatte sie über Jahre Umsätze ausgewiesen, die es nicht gab. Das führte zu höheren Boni für die Führungsetage. Dann folgten millionenschwere Abschreibungen und Stellenstreichungen. Das neue Management konnte die Gesellschaft offensichtlich nicht aus der Schieflage befreien.

Welche Folgen hat das für den Flughafen?

Das wird wohl erst in den nächsten Tagen deutlich. „Maximale Unterstützung“ habe der Chef der deutschen Imtech, Felix Colsman, dem Flughafen zugesagt, heißt es. Doch wie viel ist die Zusage wert, wenn das Gehalt der Imtech-Leute nur bis Oktober gesichert ist? Die ersten erschienen schon am Freitag nicht mehr zur Arbeit. Der Insolvenzverwalter muss entscheiden, welche Aktivitäten des Großunternehmens mit 4000 Beschäftigten er am Laufen halten kann.

Kippt damit schon wieder der Eröffnungstermin?

Das ist nicht ausgeschlossen. Noch ist geplant, im zweiten Halbjahr 2017 an den Start zu gehen - mit sechs Jahren Verspätung. Die Situation jetzt erinnert an den Sommer 2010, als der Flughafen den ersten Eröffnungstermin im Oktober 2011 verschob - unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma.

„Imtech ist eine der wichtigsten Baufirmen auf der BER-Baustelle“, sagt Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Im fliegenden Galopp die Pferde zu wechseln, bringt Großprojekte in der Regel aus dem Tritt. Und der Zeitplan ist ohnehin angespannt. Erst am Donnerstag hatte Mühlenfeld die Planungs- und Baufirmen zu mehr Engagement aufgefordert, weil man einigen wichtigen Zwischenterminen hinterherhinke.

Derart hohe Nachzahlungsquoten sind laut Juristen der Flughafengesellschaft „einmalig und verdächtig“, heißt es laut der Zeitung in dem Bericht. Während die Konzerne dies nicht kommentieren wollten, kündigte ein Flughafen-Sprecher auf Anfrage der Zeitung an, „sämtliche seit Projektbeginn geleisteten Zahlungen einer nochmaligen, gesamthaften Prüfung zu unterziehen“. Der BER war für eine Stellungnahme zu dem Bericht der „Bild am Sonntag“ zunächst nicht zu erreichen.

Der neue Technikchef des Flughafens war laut dem Blatt bis vor einem Jahr als Siemens-Regionalleiter Ost auch für die Flughafenaufträge des Unternehmens zuständig.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

17.08.2015, 14:14 Uhr

Wieder Politiker und Manager! Warum weigern sich diese Herren ihre Aufgaben zu erfüllen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×