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12.06.2014

14:59 Uhr

Hauptversammlung des Klinikkonzerns

Rhön-Eigner greifen neuen Großaktionär Braun an

Ludwig Georg Braun ist Aufsichtsratschef bei B. Braun. Der Krankenhauszulieferer hat sich beim Kunden Rhön-Klinikum eingekauft – und Braun will auch dort Aufseher werden. Auf der Hauptversammlung gibt es herbe Kritik.

Muss sich herbe Kritik auf der Rhön-Hauptversammlung anhören: B.-Braun-Chefaufseher Ludwig Georg Braun (Archivfoto aus 2011). dpa

Muss sich herbe Kritik auf der Rhön-Hauptversammlung anhören: B.-Braun-Chefaufseher Ludwig Georg Braun (Archivfoto aus 2011).

FrankfurtEisiger Empfang für den neuen Großaktionär: Die Anteilseigner von Rhön-Klinikum haben Ludwig Georg Braun, den Aufsichtsratschef des Krankenhauszulieferers B. Braun, auf der Hauptversammlung am Donnerstag scharf kritisiert. B. Braun hat den Anteil an Rhön im vergangenen Jahr auf über 15 Prozent erhöht und beansprucht nun einen Platz im Aufsichtsrat der fränkischen Klinikkette. Da Rhön viele Produkte von B. Braun bezieht, sehen viele Aktionäre jedoch einen Interessenskonflikt.

„Der will seine Plasmabeutel hier verkaufen - darum geht es doch“, rief ein erboster Rhön-Aktionär. „Wurde der Frieden mit Braun mit höheren Preise oder Nebenabreden bezahlt?“, fragte Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Braun hatte sich 2012 zusammen mit Asklepios bei Rhön eingekauft und damit einen Verkauf des Konzerns an Fresenius verhindert. Außerdem lieferte er sich diverse juristische Auseinandersetzungen mit Rhön.

Was tun im Streitfall mit einer Klinik?

Suchen Sie eine Fachklinik

Die wichtigste Frage, um ein Operationsrisiko zu vermeiden, lautet: Muss der Eingriff wirklich sein? Holen Sie eine zweite Meinung ein, denn in Deutschland wird das Skalpell nachweislich schnell – viele Mediziner sagen: zu schnell – angesetzt. Krankenkassen bezahlen die Konsultation eines zweiten Experten, zum Teil vermitteln sie ihn auch. Wenn die OP sein muss, setzen Sie bei der Wahl der Klinik nicht auf lokale Nähe zur Verwandtschaft oder den guten Ruf einer anderen Abteilung des Krankenhauses. Entscheidend muss einzig die Expertise der für sie zuständigen Abteilung sein. Hausarzt und Krankenversicherung können weiterhelfen.

Beim ersten Verdacht

Nicht alles, was unerwünschte Folgen hat, ist auch ein Behandlungsfehler. Für manche Volte des Schicksals kann niemand haftbar gemacht werden. Aus juristischer Sicht ist ein Behandlungsfehler eine nicht angemessene, zum Beispiel nicht sorgfältige, fach- oder zeitgerechte Behandlung des Patienten durch einen Arzt – sowohl durch Tun als auch durch Unterlassen. Der Schaden des Patienten muss also nachweislich auf ärztliches Fehlverhalten zurückzuführen sein. Die Beweislast liegt in der Regel beim Patienten. Dokumentieren Sie daher alles, was Ihnen in der Klinik wann wie und mit wem passiert ist und welche Zeugen es gab. Zudem haben Sie grundsätzlich Anspruch darauf, die Patientendokumentation einzusehen und Kopien zu erhalten.

Kontaktieren Sie damit Ihre Krankenversicherung. Oft hat die ein kapitales Eigeninteresse, sich Kosten von der Klinik erstatten zu lassen, die durch eine weitere durch den Fehler verursachte Behandlung anfallen. Gesetzlich Krankenversicherten steht auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bei der Fehlersuche zur Verfügung. Ob der sich aber am Ende für Sie einsetzt, liegt im Ermessen des Sachbearbeiters.

Hier finden Sie ersten Rat

Sinnvoll ist die kostenlose Nachfrage bei einer Selbsthilfegruppe. Sie sind praxiserfahren und können die Aussichten eines Verfahrens gegen eine Klinik einschätzen. Vorsicht vor dem Internet: Häufig finden sich dort Hilfsangebote von Menschen mit traurigen Einzelschicksalen. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie auch in Ihrem Fall weiterhelfen können.

Das Aktionsbündnis für Patientensicherheit empfiehlt für Rat den Deutschen Patientenschutzbund in Dormagen (E-Mail: info@ dpsb.de) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe in Düsseldorf (E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de). Informieren können auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (Tel. 08 00/0 11 77 22) und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (Tel. 0 30/25 80 00).

Rückendeckung durch einen Gutachter

Sie brauchen die Bestätigung Ihres Verdachts durch einen unabhängigen Sachverständigen. Der kann kostenlos vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung kommen.

Externe Ärzte als Sachverständige kosten oft mehr als 1000 Euro. Manche Anwaltskanzleien kooperieren mit Gutachtern, die es dann etwas billiger machen. Am besten ist ein externer Chefarzt, weil sein Gutachten meist mehr Gewicht hat als das eines Hausarztes.

Zudem gibt es die Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler als unabhängige Einrichtung bei der Ärztekammern der einzelnen Bundesländer. Das Begutachtungsverfahren ist für die Beteiligten gebührenfrei, aber nicht rechtsverbindlich. Die Gutachten sind aber sehr häufig die Grundlage für eine außergerichtliche Einigung zwischen Patient oder Krankenversicherung und Klinik.

Anwaltlicher Rat

Wer privat eine Klage gegen eine Klinik oder eine außergerichtliche Einigung um Schadensersatz und Schmerzensgeld anstrebt, kommt nicht um einen Anwalt herum. Schließlich will kein Krankenhaus freiwillig Präzedenzfälle schaffen. Meiden Sie Wald-und-Wiesen-Anwälte, nötig ist ein ausgewiesener Fachanwalt für Medizinrecht. Empfehlungen geben die Selbsthilfegruppen, Auskunft darüber, wer als Fachanwalt firmiert, auch die Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin (E-Mail: zentrale@brak.de).

Restrisiko hohe Kosten

Kliniken geben oft erst auf, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Verfahren um Behandlungsfehler können sich deshalb über Jahre hinziehen und teuer werden. Ohne Rechtsschutzversicherung sollten Sie sich deshalb vorher mit einem Selbsthilfe-Mitglied oder Anwalt Chance und Risiko einer Klage ausrechnen.

Warten Sie nicht zu lange

Ist einem Patienten Unrecht geschehen, hat er drei Jahre Zeit sich zu entscheiden, ob er eine Klage in Angriff nehmen will und wie er die Erfolgsaussichten einschätzt. Die Zeit läuft erst ab dem Moment, da er selbst Kenntnis vom Fehler hat. Diese Frist gilt auch, wenn es um eine Spätfolge geht.

Die Erfolgsaussichten

Es lässt sich nicht schönreden: Weniger als ein Drittel aller Fälle in Deutschland wird zugunsten des Patienten entschieden. Um so wichtiger ist es, sich Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe oder einen Fachanwalt zu suchen.

Bei seiner Vorstellung als Kandidat für den Rhön-Aufsichtsrat erklärte Ludwig Georg Braun, er wolle durch den Einstieg bei den Franken die Entwicklung des deutschen Gesundheitssektors mitgestalten. Das Gesundheitssystem, „das einen großen Absatzmarkt für unsere Produkte darstellt“, müsse intakt und modern bleiben. Zudem seien sich B. Braun und Rhön in vielen Dingen ähnlich. Beide Firmen hätten den Mut zu Veränderungen und fühlten sich in besonderer Weise verantwortlich für ihre Mitarbeiter, sagte Braun. Als Aufsichtsrat bei Rhön-Klinikum wolle er zudem seine mehrjährigen Auslandserfahrungen einbringen.

Mehrere Aktionäre bezeichneten Brauns Vorstellung als unzureichend. „Er hat sich als der große Weltbürger dargestellt, der sich herablässt, in ein kleines provinzielle Unternehmen herabzusteigen“, sagte einer von ihnen. Besonders schlecht kam bei den Aktionären an, dass Braun nach seiner kurzen Ansprache den Veranstaltungsraum verließ.

Rhön-Vorstandschef Martin Siebert, der sich bei einigen Zwischenrufen das Lachen nicht verkneifen konnte, versuchte die Wogen zu glätten. Der Konzern werde sicherstellen, dass alle Lieferbeziehungen zu B. Braun marktgerecht seien und sich ausschließlich am medizinischen Bedarf orientierten. Außerdem entscheide über Lieferverträge nicht der Aufsichtsrat.

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