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29.01.2010

08:34 Uhr

Hauptversammlung

Die neue Demut der Porsches und Piechs

VonMartin-W. Buchenau, Mark C. Schneider

Jahrzehntelang durfte niemand der Familie in die Unternehmungen hineinreden. Jetzt ist der eigensinnige Porsche-Clan zur Einigung mit anderen gezwungen und muss sich mit immer mehr Externen abstimmen - die Porsche-Hauptversammlung heute zeigt die neue Demut der Patriarchen Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch.

Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche: Die Patriarchen treffen sich heute auf der Hauptversammlung wieder. dpa

Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche: Die Patriarchen treffen sich heute auf der Hauptversammlung wieder.

STUTTGART/HAMBURG. Die Zeiten sind vorbei, in denen die Bühne den beiden ungleichen Cousins allein gehörte: Wolfgang Porsche, Waldorfschüler und Kaufmann mit Hang zum Feinsinnigen, und Ferdinand Piëch, der 72-jährige manische Autoingenieur, der Volkswagen, den zweitgrößten Autokonzern der Welt, führt.

Am Donnerstag die Generalprobe: Die Patriarchen trafen in Stuttgart zusammen. Das Branchenblatt "Auto, Motor und Sport" ehrte die Favoriten seiner Leser. In sechs von zehn Kategorien räumte Volkswagen mit Modellen der Konzernmarken VW und Audi ab. Porsche landete mit einem Sieg in der mit dem Viertürer Panamera frisch besetzten Luxusklasse einen Achtungserfolg. Die Cousins feierten in der alten Reithalle an getrennten Tischen, sie wahrten noch Distanz.

Am Freitag ab 10 Uhr sitzen die beiden auf dem Podium der Porsche-Arena in Bad Cannstatt und dürften sich verbunden fühlen. Abgehalten wird die Hauptversammlung der börsennotierten Familienholding Porsche SE. Formal gibt dort Wolfgang Porsche als Chefkontrolleur den Ton an. Hinter den Kulissen muss die Familie aber ihre jahrzehntelang unbestrittene Macht mit anderen teilen.

Da ist zum einen das Emirat Katar, das mehr als zehn Prozent der SE-Stammaktien hält und am Ende mehr als 17 Prozent am integrierten Autokonzern aus Porsche und VW bekommen soll. Wolfgang Porsches Bruder Hans-Peter macht deshalb heute Platz für einen Scheich im Kontrollgremium: Sheikh Jassim Bin Abdulaziz Bin Jassim Al-Thani.

Operativ geben VW-Chef Martin Winterkorn und sein Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch in Stuttgart die Richtung vor. Winterkorns Vorgänger Wendelin Wiedeking, ein Vertrauter Wolfgang Porsches, wird die Hauptversammlung aber ebenso wenig entlasten wie seinen Adlatus Holger Härter. Die Umstände der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche werden auch von der deutschen Staatsanwaltschaft untersucht. Die Finanzaufsicht BaFin hat zwar formal beim Vorwurf der Kursmanipulation Entlastung erteilt, heißt es in Finanzkreisen, sich aber durch erneute Ermittlungen eine Hintertür offen gelassen. Für Wolfgang Porsche wird es eine unangenehme Aufgabe. "Intensiv" habe er sich vorbereitet, sagte Porsche am Donnerstag dem Handelsblatt. Dabei vertraut der Porsche-Enkel vor allem seinen juristischen Beratern. "Ich hoffe, es wird zu den Themen geredet und nicht zu polemisch."

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