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27.05.2015

13:34 Uhr

Hauptversammlung

Die Post trotzt dem Gegenwind

VonChristoph Schlautmann

Die lähmenden Streiks sind nicht das einzige Problem, mit dem die Deutsche Post gerade kämpft. Trotzdem lässt sich Vorstandschef Frank Appel nicht beirren und hält an seinen Gewinnprognosen fest.

Vorstandschef Frank Appel, hier im März in Bonn, rechnet weiter damit, dass der Konzern seine Gewinnziele erreicht. dpa

Deutsche Post

Vorstandschef Frank Appel, hier im März in Bonn, rechnet weiter damit, dass der Konzern seine Gewinnziele erreicht.

FrankfurtVon den aktuellen Querelen im Konzern lässt sich Post-Chef Frank Appel nicht beirren. Für das laufende Jahr, erklärte der 53-Jährige heute auf der Hauptversammlung in Frankfurt, bleibe es bei den bisherigen Ertragsprognosen. Zwischen 3,05 und 3,2 Milliarden Euro werde der gelbe Riese 2015 vor Steuern und Zinsen verdienen, im Jahr danach sogar 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro.

Zuletzt waren Zweifel gewachsen, ob der Bonner Dax-Konzern seine vorgegebenen Ziele einhalten kann. Gleich mehrere Streiks im deutschen Zustellgeschäft lähmen seit Dezember das Geschäft, ein Ende ist bislang kaum absehbar. Zudem musste Appel vor einem Monat die Leitung der angeschlagenen Speditionssparte übernehmen, nachdem die fehlgeschlagene IT-Umstellung den Ertrag massiv geschmälert hatte.

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Auch in der Sparte Lagerdienstleistung, die beispielsweise die Zusammenstellung von Auslieferungen übernimmt, soll im laufenden Jahr kostenträchtig umgebaut werden. Schon im ersten Quartal 2015 ging der operative Ertrag im Konzern um ein Prozent zurück. „Der leichte Rückgang war eingeplant“, sagte Appel nun in Frankfurt.

Doch nicht alle Aktionäre zeigten sich auf der Hauptversammlung von den optimistischen Perspektiven des Vorstandschefs überzeugt. „Ich hätte mir mehr konkretere Informationen gewünscht, wie die Restrukturierung aussehen soll“, monierte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK). Für die Vereinigung Institutioneller Privatanleger (VIP) stellte Hans-Hermann Mindermann fest, dass bereits das abgelaufene Geschäftsjahr - trotz der Erfolgsmeldung des Vorstands – lediglich ein „durchwachsenes Ergebnis“ gebracht habe. Der freie Cashflow sei um 19,4 Prozent zurückgegangen, das Konzernjahresergebnis um ein Prozent und das Ergebnis pro Aktie um 1,2 Prozent.

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Lob gab es immerhin für die klaren Ergebnisprognosen des Konzerns. „Die konkreten Zahlen begrüßen wir“, sagte Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die ehrgeizigen Zielsetzungen seien allerdings „sportlich“.

Die aktuellen Streiks führen inzwischen zu massiven Spannungen im Aufsichtsrat. Auf Kritik stößt dort das Verhalten von Vizechefin Andrea Kocsis, die als Verdi-Vertreterin für die Arbeitskampfmaßnahmen verantwortlich ist. „Nach den Anforderungen des Corporate Governance ist ein Aufsichtsrat dem Wohl der Gesellschaft verpflichtet“, sagte Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann in Frankfurt. Die Rolle von Kocsis sehe er in diesem Zusammenhang „problematisch“. Auch DSW-Aktionärsschützer Klose legte der Verdi-Vertreterin nahe, ihren Posten im Aussichtsrat während der Arbeitskämpfe temporär niederzulegen.

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