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03.05.2013

14:16 Uhr

Hauptversammlung

Warum Eon für Umweltfreundlichkeit bestraft wird

VonDana Heide

Beim Klimaschutz verhält sich der Energiekonzern Eon zumindest im Vergleich zum Konkurrenten RWE vorbildlich. Wirtschaftlich hat das fatale Folgen. Vorstandschef Teyssen drängt daher ins Ausland – und wird kritisiert.

Eigentlich unwirtschaftlich, dennoch am Netz: Eon-Gaskraftwerk in Bayern. dpa

Eigentlich unwirtschaftlich, dennoch am Netz: Eon-Gaskraftwerk in Bayern.

EssenDer Unterschied zum Konkurrenten RWE lässt sich schon an den Räumen erkennen, in denen die Hauptversammlung des Energieversorgers Eon stattfindet. Der Ort ist zwar derselbe, an dem vor ein paar Tagen sich die Aktionäre des blauen Wettbewerbers versammelten: die Gruga-Halle in Essen. Doch im Gegensatz zur RWE-Veranstaltung, als die Aktionäre von zahlreichen Umweltschützern empfangen wurden, die auf Transparenten den hohen Kohlestromanteil des Konzerns anprangerten, hält sich der Protest bei Eon in Grenzen. Auch das Polizei-Aufgebot ist längst nicht so groß.

Eon muss nicht fürchten, dass es so scharf angegriffen wird wie RWE. Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Stromgewinnung.

Während RWE 63 Prozent seines Stroms mit besonders klimaschädigender Kohle erzeugt, sind es bei EnBW 39 Prozent und bei Eon sogar nur 32 Prozent. 34 Prozent seines Strom erzeugt der Düsseldorfer Konzern mit Erdgas und Öl, 22 Prozent mit Atomkraft, nur 11 Prozent kommt aus den erneuerbaren Energien. Beim ärgsten Konkurrenten RWE fällt die Bilanz zur Energiewende noch nüchterner aus. Neben der überwältigenden Mehrheit von Kohlekraft in der Stromerzeugung gewinnen die Essener nur fünf Prozent ihres Stromes aus regenerativen Quellen.

Doch der hohe Gasanteil bei der Stromgewinnung macht Eon zu schaffen. Der Grund: Durch den gesetzlich vorgeschriebenen Vorrang von regenerativen Energien am Strommarkt und dem daher teilweise sehr hohen Überangebot an klassisch produziertem Strom sinken die Preise für Elektrizität. Sofern konventionelle Energie spontan benötigt wird, weil Wind- und Solarstrom schwächeln, ist den Energieversorgern also daran gelegen, die billigsten Kraftwerke anzuschalten - und das sind Kohlekraftwerke. Die sind zwar längst nicht so flexibel wie Gaskraftwerke, aber der Kostenfaktor spielt gerade für die ohnehin angeschlagenen Energiekonzerne eine wichtige Rolle.

Gaskraftwerke werden daher immer seltener angeschaltet - und schaffen es so nicht, rentabel zu werden. Dabei sind sie sowohl für die Anforderungen der Energiewende als auch aus Klimaschutzgründen wesentlich vernünftiger. Doch wirtschaftlich ist ihr Betrieb nicht. „Die Margen selbst hochmoderner und sauberer Gaskraftwerke liegen in vielen Märkten Europas nahezu bei null und manchmal unter null“, sagt Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen am Freitag auf der Hauptversammlung in Essen.

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Der Eon-Chef hatte erst Mitte März damit gedroht, Teile seines Gaskraftwerkes Irsching bei Ingolstadt ganz abzuschalten. In letzter Minute einigte sich der Konzern jedoch mit der Bundesnetzagentur und dem Netzbetreiber Tennet. „Es wäre ein Treppenwitz der Energiewende gewesen, wenn diese Neuanlagen stillgelegt worden wären“, sagt Teyssen auf der Hauptversammlung. Eon bekommt nun zusätzlich zu den Preisen, die das Unternehmen am Markt mit seinem Strom erzielen kann, einen Zuschuss zu den Fixkosten. Die Vereinbarung gilt für eine Kapazität von 1400 Megawatt und für drei Jahre. Teyssen verteidigt diese Extra-Vergütung: „Wir kriegen da keine Almosen. Für Almosen arbeiten wir auch nicht. Dann würden wir unsere Kraftwerke dahin bringen, wo sie auch fair bezahlt werden.“

Kommentare (4)

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dietaeg

03.05.2013, 14:46 Uhr

Die Energiewende ist der Treppenwitz der Geschichte schlechthin. Für eine ungesicherte These wonach ein erhöhter Anteil von CO2 in der Atmosphäre zu einer Erhöhung der mittkleren Temperatur führen soll werden Abermilliarden von Volksvermögen in die Verschandelung der Landschaft und in nutzlose Krähenspiegel gesteckt.
1. Die CO2 These wurde noch nie verifiziert.
2. Nach allen gängigen Atmosphären modellen kommt man mit dem IPCC Forcing von 3,7 W/mm2 bei CO2 Verdopplung gerade mal 1 °K mehr.
3. Diese Erwärmung würde unseren Breiten gut tun.
4. Alle Anpassungstrategien wären billiger als die CO2 Vermeidung.
5. Der CO2 Ausstoß Chinas steigt jedes Jahr um die Gesamtemission Deutschlands. Die lachen uns aus.

Fazit: Nicht mehr um die GrünInnen scheren sondern rationale Energieversorgung machen.

RalphFischer

03.05.2013, 14:51 Uhr

Tja, auch Thyssen dachte, das ihnen Brasilien viel Freude machen wird...
Weiss schon einer, was die jetzt für das Pleitewerk bekommen ?

Cash-for-Trash

03.05.2013, 15:06 Uhr

@RalphFischer

Bisher bekommen die noch gar nichts. Der Verkauf gestaltet sich schwieriger als ursprünglich angenommen.

EON hat bisher im Ausland auch kein erfolgreicher Händchen gehabt. Daher ist so viel positive Grundstimmung seitens EON in Brasilien mit äußerster Vorsicht zu genießen. Wer es richtig macht, hat gute Chancen schnell den Break-Even zu erreichen. Allerdings muss man sich mit sozialen und arbeitsrechtlichen Bedingungen sehr gut auskennen. Dies wird immer wieder unterschätzt. Außerdem sind Brasilianer wesentlich cleverer als Deutsche aus der Provinz -> Teyssen.

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