Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2016

07:25 Uhr

Headhunter

Wenn Roboter um Talente buhlen

VonBert Fröndhoff

Die Branche der Personalberater wird von der Digitaltechnik aufgemischt. Ausgefeilte Suchsoftware, automatische Ansprache und Persönlichkeitsanalyse halten Einzug. Wird der klassische Headhunter bald überflüssig?

Im vergangenen Jahr haben die Experten vor allem Vertriebs- und Marketingmanager vermittelt. dpa

Wenn der Headhunter anklopft

Im vergangenen Jahr haben die Experten vor allem Vertriebs- und Marketingmanager vermittelt.

BonnPersonalberater sind kommunikationsfreudige Menschen. Sie können sich in Firmenkulturen und Menschen einfühlen, sind gute Zuhörer und verfügen über ein großes Netzwerk, aus dem sie Manager in neue Positionen vermitteln können. Eine Job, den nur ein Mensch machen kann. Meint man.

Doch auch in der Personalsuche sind Roboter auf dem Vormarsch. Etwa beim Heidelberger Start-up Instaffo. Die junge Firma entwickelt einen, wie sie es nennt, „vollautomatischen Headhunter für anspruchsvolle Jobs“. Kandidaten können dort ihr anonymisiertes und detailliertes Profil hinterlegen, Firmen geben ihre Jobangebote ein. Dann startet die von Instaffo entwickelte Software. „Unser Matching-Algorithmus gleicht Karrierewünsche und Stellenbeschreibung anonymisiert ab“, sagt Daniel Schäfer.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

Angebotsstrategie

Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

Die Kettenbrief-Strategie

Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

Die Terminstrategie

Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

Die Anti-Aging-Strategie

Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.

Die Projektstrategie

Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

Die Baumeister-Strategie

Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

Die Power-Mail-Strategie

Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

Die Expertenstrategie

Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Der 29-Jährige hat das Unternehmen gemeinsam mit Christoph Zöller gegründet. Rund 850.000 Euro sammelten sie Ende Oktober in einer ersten Runde von Investoren ein. Mit Hilfe ihrer Software sollen Firmen die erste Auswahlrunde von Kandidaten bis hin zum Interview per Algorithmus erledigen können. Ein herkömmlicher Headhunter, so verspricht Schäfer, sei dazu nicht mehr nötig.

Lange Zeit war das Headhunting ein reines Kopfgeschäft – Menschen suchen Menschen. Doch die Branche ist voll von der Digitalisierung erfasst: Die riesigen Datenmengen aus den sozialen Netzen, die detaillierten Profile auf Xing und Linkedin, die Spuren der Persönlichkeit im Internet – all das ist ein Goldschatz für die Personalsuche. Roboter mit lernender Software analysieren die Daten und spucken die ihrer Analyse nach besten Talente aus.

Anonyme Bewerbung: Bitte ohne Bild zum neuen Job

Anonyme Bewerbung

Bitte ohne Bild zum neuen Job

Egal ob übergewichtig, tätowiert oder schon älter – Personaler sind nicht gefeit vor Vorurteilen. Warum auch anonymisierte Verfahren dagegen machtlos sind und wieso viele Unternehmen nicht einmal Absagen schicken.

Dass die neue Technologie die Branche der Headhunter grundlegend aufmischen wird, davon sind auch die etablierten Anbieter überzeugt. „Aber sie wird nicht das persönliche Gespräch ersetzen. Kern unserer Dienstleistung ist Arbeit von Mensch zu Mensch“, sagt Wolfram Tröger, Gründer von Tröger & Cie sowie Chef des Personalberaterverbands im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Tatsächlich hat Konkurrent Roboter dem Geschäft der Personalberater noch nicht erkennbar zusetzen können. Die Branche ist im vergangenen Jahr um annähernd sieben Prozent auf einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro gewachsen, wie es in einer am Mittwoch vorgestellten Branchenstudie des BDU heißt. Vor allem Vertriebs- und Marketingexperten wurden vermittelt. Und auch für dieses Jahr strotzen die Anbieter vor Optimismus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×