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12.03.2014

11:41 Uhr

Heinrich Maria Schulte

Verfahren gegen Ex-Wölbern-Chef kommt ins Rollen

ExklusivDer ehemalige Chef des Fondhauses Wölbern soll knapp 150 Millionen Euro veruntreut haben. Das geht aus der Anklageschrift hervor. Ob Heinrich Maria Schulte in U-Haft bleiben muss, wird noch geprüft.

Heinrich Maria Schulte: Dem ehemaligen Wölbern-Chef wird vorgeworfen, Geld aus geschlossenen Fonds abgezogen zu haben. Der Strafprozess beginnt am Montag vor dem Landgericht Hamburg. Wölbern Group KG

Heinrich Maria Schulte: Dem ehemaligen Wölbern-Chef wird vorgeworfen, Geld aus geschlossenen Fonds abgezogen zu haben. Der Strafprozess beginnt am Montag vor dem Landgericht Hamburg.

DüsseldorfDie Staatsanwaltschaft Hamburg hat eine 116 starke Anklageschrift gegen den früheren Geschäftsführer des Fondshauses Wölbern Invest, Heinrich Maria Schulte, beim zuständigen Amtsgericht Hamburg eingereicht. Darin wirft sie Schulte vor, in 360 Fällen gewerbsmäßig insgesamt 147 Millionen Euro veruntreut zu haben, berichtet das Handelsblatt (Mittwochausgabe).

Schulte wird vorgeworfen, aus den knapp 30 geschlossenen Fonds des Emissionshauses mehrfach Geld abgezogen und an die niederländische Wölbern Invest B.V. überwiesen zu haben. Die Gesellschaft habe dafür Anleihen ausgegeben, die nun möglicherweise wertlos sind.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Wölbern Invest B. V. befindet sich laut Bekanntmachung des Amtsgerichts Hamburg ebenso wie die Wölbern Verwaltungs GmbH in einem Insolvenzverfahren. Bei der Muttergesellschaft Wölbern Invest KG hat Insolvenzverwalter Tjark Thies bereits Ende Dezember angezeigt, dass hier für ein Insolvenzverfahren nicht genügend Masse vorhanden sei.

Nun prüft die Wirtschaftsstrafkammer des Amtsgericht Hamburg, ob genügend Verdachtsmomente bestehen, um ein Hauptverfahren gegen Schulte zu eröffnen (Az 630/Kls 1/14). Parallel prüft das Oberlandesgericht Hamburg, ob die Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft Schultes weiterbestehen. Seine Haft würde sonst automatisch am 23. März - sechs Monate nach seiner Festnahme - enden.

Das Fondshaus Wölbern hatte rund 1,4 Milliarden Euro überwiegend in Immobilienfonds investiert und dafür rund 40.000 Anleger geworben.

Von

hus

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