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17.01.2011

21:30 Uhr

Heinrich von Pierer

Neues Buch, alte Aussagen

VonNele Hansen

Heinrich von Pierer hat in Berlin seine Biographie „Gipfel-Stürme“ vorgestellt. Neue Details aus dem größten deutschen Schmiergeldskandal bei Siemens oder ein klares Wort des Bedauerns über seine eigene Rolle in der Affäre fehlen allerdings.

Heinrich von Pierer dpa

Heinrich von Pierer

BERLIN. Nein, auf das Thema, für das sich alle interessieren, kommt Heinrich von Pierer lange nicht zu sprechen. In seinem schwarzen Anzug, mit roter Krawatte und blauen Hemd, das er auch auf dem Cover seines neuen Buches trägt, sitzt der so tief gestürzte frühere Siemens-Chef ganz ruhig vor der Presseschar in Berlin. Nur seine rechte Hand gestikuliert leicht, während er mit abgeklärter Stimme spricht, er nimmt sie hoch und lässt sie zwischendurch an sein Kinn wandern, blickt etwas nachdenklich in die Runde.

Natürlich weiß der alte Medienprofi, was alle hören wollen. Neue Details aus dem größten deutschen Schmiergeldskandal zum Beispiel oder ein klares Wort des Bedauerns über seine eigene Rolle in der Affäre. Doch davon ist in seiner Biografie "Gipfel-Stürme" wenig zu lesen. Darin beklagt sich von Pierer vor allem über die Treibjagd, die die Medien auf ihn veranstaltet hätten.

Bei der Buchvorstellung bewegt sich der frühere Topmanager denn auch lieber erst einmal auf sicherem Terrain. Er erzählt über erfolgreiche Geschäfte in Asien, Anekdoten über die Beraterbranche und beschreibt sich als Familienmenschen. "Ich habe meine Familie in der aktiven Zeit ein bisschen vernachlässigt", räumt der 69-Jährige jedoch ein.

Und die Schmiergeldaffäre, die alles überschattet? Hat er der in seinem Buch nicht zu wenig Raum gewidmet? "Ich hätte zu dem Thema keinen neuen Beitrag leisten können", meint er, "meine Kenntnisse gehen nicht über Urteile und Zeitungsberichte hinaus." Er werde sich mit dem Vorwurf abfinden müssen, dem einen oder anderen auszuweichen.

Wo er seine Verantwortung bei der Schmiergeldaffäre sehe? "Ich bin ja auch als Aufsichtsrat zurückgetreten und habe damit politische Verantwortung übernommen", sagt von Pierer. In seiner Zeit als Vorstandschef war das System schwarzer Kassen größtenteils aufgebaut worden. Pierer hat stets betont, davon nichts mitbekommen zu haben, und sich lange geziert, Konsequenzen zu ziehen.

Auch an diesem Tag wagt er sich nicht weiter aus der Deckung. Schnell wendet er sich anderen Themen zu. Mit seiner Siemens-Zeit verbinde er immer noch gute Gefühle. "Für mich ist das eine große Freude, wie Siemens heute wirtschaftlich dasteht." Nur seinen Abschied, den habe er sich anders vorgestellt.

"Ich würde mich in vielen Dingen nicht mehr so verhalten", sagt er dann zum Schluss. Doch in welchen, das lässt er offen.

Kommentare (1)

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peter

18.01.2011, 07:11 Uhr

Peter meint:
WennHerr von Pierer von so Schwarzen Kassen diesn Ausmasses nichts gewusst hat war er nicht so gut wie er glaubt. Wenn er davon gewusst hat, ist er ein Lügner.

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