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17.03.2006

07:03 Uhr

Heinz Hermann Thiele sucht einen Nachfolger

Kantiger Patriarch

VonMarkus Fasse und Eberhard Krummheuer

Einfach mal zurückschalten. So wie andere Menschen, die kurz vor ihrem 65. Geburtstag stehen und schon immer von einem Leben nach der Arbeit geträumt haben. Heinz Hermann Thiele hat Knorr-Bremse zu einem Weltkonzern geformt. Jetzt sucht er einen Nachfolger.

Heinz Hermann Thiele. Foto: dpa

Heinz Hermann Thiele. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Er kann sich jetzt auch etwas anderes vorstellen. Bergwandern zum Beispiel in den nahen Alpen. Oder Avocados und Mangos in Südafrika züchten, die eigene Plantage hat er ja schon. Heinz Hermann Thiele, Vorstandsvorsitzender und Haupteigentümer der Knorr-Bremse hat solche Pläne. Vor 37 Jahren trat er in das Münchener Traditionsunternehmen ein, seit 20 Jahren gehört es ihm. Aus einem siechenden Mittelständler formte er den global führenden Anbieter von Bremssystemen für LKWs und Eisenbahnen. 12 000 Mitarbeiter mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro, das ist Thieles Lebenswerk. Jetzt sucht er einen Nachfolger.

Der würde ein gemachtes Nest vorfinden – wenn er denn kommt. „Das Suchfeld war der größere Mittelstand, weniger die Großindustrie“, sagt Thiele, ohne verraten zu wollen, ob er tatsächlich einen Kandidaten gefunden hat. Im April, auf der Bilanzpressekonfernz, will Thiele mehr dazu sagen.

Die Knorr-Bremse ist sein Unternehmen, und Thiele verkörpert die Firma. Besucher empfängt er gerne unter dem Ölgemälde des Firmengründers Georg Knorr. Den Platz unter dem Bild füllt der stattliche, beinahe barock wirkende Thiele aus, als sei er in direkter Nachfolge ein Ahn des alten Knorr. Er ist kein glatt gebügelter, funktionierender Manager, sondern ein eher kantiger Patriarch. Ihn knorrig zu nennen, wäre ein nahe liegendes Wortspiel. Er ist eine von den selten gewordenen Unternehmerpersönlichkeiten, die sich aus den Gründertagen der Deutschland AG erfolgreich in die Gegenwart vorgearbeitet haben. Seinen eigenen Stil hat er sich bewahrt. Sein Firmensitz im Münchener Norden ist denkmalgeschützt.

Thieles Karriere beginnt Ende der Sechziger als Sachbearbeiter in der Patentabteilung der Knorr-Bremse. Rasch arbeitet sich der gelernte Jurist in die Geschäftsführung hoch.

Dort kommt es 1985 zum filmreifen Familienstreit: Der Enkel des Firmengründers will seine Anteile verkaufen und sein Vermögen in eine christliche Sekte einbringen. Die Boulevardzeitungen berichten über das skurrile Geschehen. Thiele wird beauftragt, einen Käufer für das Unternehmen zu finden. Ein aussichtsloses Unterfangen. Die Knorr-Bremse gilt zu dieser Zeit als marode. „Die Schlagzeilen und die wirtschaftliche Verfassung des Unternehmens haben die Verhandlungen mit den Kunden zur Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehungen nicht erleichtert“, sagt er heute.

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