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10.12.2013

20:15 Uhr

Heinz-Joachim Neubürger

Ex-Siemens-Finanzchef soll Millionen zahlen

Die Siemens-Schmiergeldaffäre beschäftigt immer noch die Gerichte. Siemens geht weiterhin gegen Ex-Finanzvorstand Neubürger vor. Der soll nun 15 Millionen Euro zahlen – aber im Gegenzug eine Menge Aktien erhalten.

Heinz-Joachim Neubürger: Der ehemalige Finanzchef von Siemens soll 15 Millionen Euro Schadenersatz an den Konzern zahlen. PR

Heinz-Joachim Neubürger: Der ehemalige Finanzchef von Siemens soll 15 Millionen Euro Schadenersatz an den Konzern zahlen.

München/DüsseldorfVor gut zwei Jahren schien es so, als könne der ehemalige Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger einen Schlussstrich unter seine Vergangenheit bei Siemens ziehen. Gegen die Zahlung einer Geldauflage wurden alle strafrechtlichen Vorwürfe eingestellt, die im Zuge der Schmiergeldaffäre bei dem Konzern gegen ihn erhoben wurden.

Doch sein ehemaliger Arbeitgeber ruhte nicht – und Neubürger ließ sich nicht auf einen Vergleich ein. Deshalb verlangte Siemens von dem Manager, der heute unter anderem Aufsichtsrat bei der Deutschen Börse und dem Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer ist, in einem Zivilverfahren Schadenersatz. Am Dienstag hat das Landgericht München entschieden: Neubürger soll dem Münchener Konzern 15 Millionen Euro zahlen (Aktenzeichen: 5HKO1387/10). Darüber berichtete zuerst „Spiegel Online“.

Der Ex-Vorstand soll wiederum von seinem Ex-Arbeitgeber knapp 200.000 Euro als Ausgleich für entgangene Boni und 16.000 Aktien bekommen. Diese hätten nach heutigem Börsenkurs einen Marktwert von rund 1,5 Millionen Euro.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Siemens zeigte sich zufrieden: Der Konzern fühle sich durch das Urteil in vollem Umfang in seiner Rechtsauffassung bestätigt, so ein Unternehmenssprecher. Neubürger wolle die Entscheidung des Landgerichts erst einmal prüfen, erwäge aber Berufung beim Oberlandesgericht einzulegen, hieß es. Erst vor wenigen Wochen habe das Gericht einen Vergleichsvorschlag unterbreitet, den Siemens allerdings abgelehnt habe.

Neubürgers Vorstandskollegen hatten sich mit Siemens außergerichtlich geeinigt: Ex-Chef Heinrich von Pierer und weitere Manager bezahlten zwischen einer halben und fünf Millionen Euro. Der größte deutsche Schmiergeldskandal war 2006 durch eine Razzia bekannt geworden. Über Jahrzehnte gab es schwarze Kassen. Das Geld daraus wurde größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt.

Von

td

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