Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.12.2011

11:41 Uhr

Herbert Henzler

Erinnerungen von Deutschlands mächtigstem Berater

VonThorsten Giersch

Herbert Henzler ist der mächtigste Unternehmensberater, den Deutschland je hatte. Jetzt hat der Ex-Spitzenmanager von McKinsey seine Autobiografie geschrieben - mit spannenden Erinnerungen an berühmte Weggefährten.

Legende in der Beraterwelt: Urgestein Herbert Henzler. Bernhard Huber für Handelsblatt

Legende in der Beraterwelt: Urgestein Herbert Henzler.

DüsseldorfDorffest in Neckarhausen: Zwei US-Soldaten besuchen das Örtchen in der schwäbischen Prärie, um ein wenig Ablenkung zu suchen. Da spricht sie plötzlich ein kleiner Junge an: „How do you do?“

Die beiden Soldaten staunen nicht schlecht und plaudern mit dem Burschen. Kinder, die englisch sprechen konnten – das war hier ein Novum. Die in der Nähe stehenden Einheimischen staunen ebenfalls nicht schlecht: „Guck mal, der kann Englisch schwätze!“

Der talentierte Junge heißt Herbert Henzler. Er wurde zu einem der besten Unternehmensberater, die es in Deutschland jemals gab. Er kannte die Mächtigsten Menschen Deutschlands. Jahrzehntelang galt unter Deutschlands wichtigsten Menschen die Regel, dass man es sich mit dem Henzler nicht verderben sollte, da er Gott und die Welt kenne.

Henzlers bekannteste Wegbegleiter

Ein Who is Who

Das Adressbuch von Herbert Henzler liest sich wie ein Who is Who der bedeutendsten deutschen Manager und Politiker der vergangenen Jahrzehnte. Dabei waren die Verbindungen oft nicht nur geschäftlich, sondern auch privat und stecken voller Anekdoten. Es folgt eine Auswahl.

Alexander Dibelius

Heute ist Alexander Dibelius Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, früher war auch er bei McKinsey. Henzler bezeichnet sich als „Mentor“ von Dibelius. Gemeinsam haben die beiden, dass sie beim Slalomrennen des Weißfluhjoch-Skiclubs teilnehmen am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Früher war Henzler Seriensieger, heute siegt Dibelius regelmäßig.

Franz Beckenbauer

Egal wo Henzler hinkam, immer wieder wurde der Name Franz Beckenbauer genannt, wenn es seine Herkunft ging. Der „Kaiser“ hat den Fußballliebhaber stets fasziniert und er war es auch, der Henzler zum FC Bayern lotste, wo er im Aufsichtsrat saß und nun im Verwaltungsbeirat. Henzler und Beckenbauer tauschen sich auch in privaten Dingen regelmäßig aus.

Heinrich von Pierer

In München gehörte Siemens zu den ersten Klienten. Zum Vorstandschef und späterem Aufsichtsratsvorsitzenden hatte Henzler ein intensives Verhältnis. In der Anfangszeit 1992 half ihm der Berater derart, dass von Pierer später sagte, dass er ihm den Job zu verdanken habe.

Herbert Quandt

Herbert Quandt war den „amerikanischen Unternehmensberatern“ recht skeptisch eingestellt. Doch als Henzler ihn beim ersten Zusammentreffen mit „Grüß Gott“ begrüßte, war das Eis gebrochen. Am Ende wurden die Vorschläge von McKinsey eins zu eins umgesetzt.

Berthold Beitz

Beitz und Henzler sahen sich regelmäßig. Der heutige Vorsitzender der Krupp-Stiftung hatte Henzler vor allem in den schwierigen Zeiten häufig im Rat gefragt. Besonders eng arbeiteten sie bei dem Abwehrkampf gegen eine Übernahme durch Thyssen zusammen. Erst Jahre später, als „die Zeit reif war“, fusionierten die beiden Konzerne als Partner auf Augenhöhe.

Werner Bahlsen

Als McKinsey die Bilanzen des Keksherstellers analysierte und dies in eine Präsentation mit sehr offenen Worten münden ließ, sagte Werner Bahlsen, er habe erbrechen müssen. In einer Stunde hätte McKinsey sein Lebenswerk zunichte gemacht. Henzler hat „viel daraus gelernt“.

Reinhard Mohn

Der inzwischen verstorbene Bertelsmann-Patriarch war ein guter Freund Henzlers. Die Reisen mit ihm seinen „immer ein hoher Gewinn“ gewesen.

Thomas Middelhoff

Als sich Reinhard Mohn von der operativen Führung bei Bertelsmann zurückzog, arbeitete Henzler auch mit den Nachfolgern Mark Wössner und Thomas Middelhoff eng zusammen. Letzterer sei „sehr umtriebig“ und vertraute Henzler in höchstem Maße.

Rüdiger Grube

Henzler hält den Posten an der Spitze der Deutschen Bahn für die „wohl größte Aufgabe, die ein Manager in Deutschland haben kann“. Die Arbeit für den Konzern sehr „sehr schwierig“ und eine „immense Herausforderung“ gewesen. Jetzt ist Grube Bahn-Chef, ein langjähriger Freund Henzlers.

Ferdinand Piech

Mit Piech verbindet Henzler eine beinahe dramatische Erfahrung: McKinsey und VW kamen bei einem Projekt nicht weiter. Henzler rief den damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens an, Gerhard Schröder. Der bestellte Piech und andere VW-Manager zum Gespräch. Doch als die kamen, war niemand da und sogar die Stühle standen noch auf den Tischen. Piech sagte zu Henzler: „So etwas machen Sie mit mir nur einmal!“

Lothar Späth

Lothar Späth und Herbert Henzler waren enge Freunde – und das setzten sie auch produktiv um. Sie schrieben gemeinsam fünf Bücher und legten ein Zehn-Punkte-Programm für den Wiederaufbau in den neuen Bundesländern auf. Henzler habe mit „Genugtuung“ verfolgt, wie Späth große Erfolg bei Jenoptik und Merill Lynch feierten.

Helmut Kohl

Die enge Freundschaft zu Späth belastete Henzlers Beziehung zu Helmut Kohl. Schließlich hatte dieser Späth abgekanzelt. Dennoch sei Henzler bei dem ersten Treffen mit Kohl „recht nervös“ gewesen. Es sei „aufregend“ gewesen, in einer solchen Runde mit dabei zu sein.

Alfred Herrhausen

Mit dem damaligen Chef der Deutschen Bank hatte Henzler insofern viel zu tun, weil Herrhausen auch im Aufsichtsrat von Konzernen wie Daimler und Siemens saß. Henzler berichtet von so manchem vertraulichen Telefonat zwischen ihnen, wodurch Entscheidungen von größter Wichtigkeit getroffen wurden.

Edzard Reuter

Und in Telefonaten zwischen Herrhauen und Henzler ging es auch um Edzard Reuter. Das damalige Daimler-Chef (seit 1987) fuhr eine aggressive Expansionsstrategie, die nicht jedem gefiel. Das galt zum Beispiel für die Übernahme von AEG.

Jürgen Schrempp

Zu Reuters Nachfolger Jürgen Schrempp (ab 1995 Daimler-Chef) hatte Henzler ein persönlicheres Verhältnis. Sie kannten sich von Bergtouren. Henzler hatte ihn schon vor dessen Zeit als Daimler-Chef zur Runden mit bergsteigenden Wirtschaftsgrößen eingeladen.

Dietmar Hopp

Die enge Zusammenarbeit zwischen McKinsey und SAP führten auch Henzler und den Firmengründer Dietmar Hopp eng zusammen. Henzler gefiel Hopps Bodenhaftung. Sie sehen sich noch heute, vor allem wenn der FC Bayern München gegen Hoffenheim in der Fußball-Bundesiga spielt.

Edmund Stoiber

Voll des Lobes ist Henzler über Edmund Stoiber. Jahrelang hat der den damaligen Ministerpräsidenten Bayerns beraten. Begegnet sind sie sich ursprünglich beim FC Bayern München. Henzler gefiel die „Laptop- und Lederhosenstrategie“ Stoibers. Er wäre auch „ein guter Kanzler“ gewesen.

Angela Merkel

Und auch das Zusammentreffen mit Angela Merkel hatte mit Edmund Stoiber zu tun. Sie trafen sich m Januar 2005 beim Weltwirtschaftsforum in Davos zu einem einstündigen Gespräch. An dessen Ende bat ihn Merkel, seinem „Herrn“ Edmund Stoiber auszurichten, dass dieser auf keinen Fall Kanzlerkandidat werden würde, auch wenn sie es nicht werde.

Martin Blessing

Der heute Chef der Commerzbank arbeitete in den 90er-Jahren bei McKinsey und musste mit Henzler mal eine schwierige Situation in Marrakesch überstehen. Der von Blessing „Zwergenaufstand“ genannte Fall hatte aber keine Folgen.

Nun weiß man etwas mehr über Herbert Henzler, denn er hat seine Autobiografie geschrieben. Sie heißt „Immer am Limit“. Das Buch bietet interessante Einblicke in die Unternehmenswelt: Es erlaubt den Blick hinter die Kulissen der mächtigsten Manager. Und es ist zugleich Charakterstudie eines Strippenziehers in den Zeiten der Deutschland AG.

Schon als Kind wollte Henzler eines nicht: nicht auffallen: „Nur schuften und keinen Erfolg haben, was ist das für ein Leben?“ Der Bub wollte hoch hinaus und lernte verbissen. Selbst eine schwere Tuberkulose-Erkrankung konnte ihn nicht aufhalten, im Gegenteil. Denn in der schwäbischen Heimat galt er nun als ungeeignet, körperlich anstrengende Tätigkeit auszuführen. Also meldeten ihn die Eltern für die Mittelschule an, anders als es in der Familie üblich war.

Sprachen, Reisen und Internationalität waren das, was Henzler stets begeisterte. Nach der Schule machte er eine Lehre bei der Deutschen Shell als Mineralölkaufmann. Die Prüfungen absolvierte er mit „sehr gut“, was ihm später ein Stipendium an der Universität einbrachte. So konnte er studieren, obwohl ihm die klassische Hochschulreife fehlte. Henzler ging zunächst an die höhere Wirtschaftsfachschule, dann zu einer „richtigen“ Universität in Saarbrücken.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Berner

13.12.2011, 13:28 Uhr

Wieviel Selbstmorde und Existenzen hat Henzler durch sein am Limit gehen verursacht? Berater erledigen doch die Drecksarbeit für die Unternehmer/Aufsichtsräte/Vorstände und gehen über Leichen. Nicht die Menschen zählen, nur der Profit ist das Maß aller Dinge.

Orchidee

13.12.2011, 13:42 Uhr

Ich empfehle dem Autor des Artikels ein paar Stunden Deutsch und Grammatik oder einen besseren Korrekturleser...

Lobby-statt-Leistung

13.12.2011, 14:04 Uhr

Erinnern Sie sich, wie die Allianz (beraten durch McKinsey) ihre
Problemtochter Dresdner Bank (beraten durch McKinsey) an die Commerzbank (beraten durch McKinsey) verkaufte ? Gegeleistungslose Millionenboni bei der Abwicklung sollten später die Gerichte verwundern - während die Commerzbank kollabierte. Wie praktisch bei dem Familientreffen: An der Spitze der taumelnden Commerzbank steht mit Martin Blessing ein Mann mit McKinsey-Vergangenheit.
(Kreativ war man in der Commerzbank eigentlich nur beim Erfinden neuer Tarnnamen für Bonuszahlungen, alles andere sehen Sie am Börsenabsturz)
Blessings Schwager Axel Wieandt (natürlich auch ein Alt-McKinseyaner) führte derweilen als CEO die gerade erst vom Staat gerettete HypoRealEstate von der Subprimekrise tief in die PIIGS-Krise.Axel Wieandt fühlte sich unterbezahlt und floh nach 18 Monaten aus der HRE - als Pensionsanspruch sicherte er sich für seine kurzen und fatalen Mühen den Betrag von 238.000 € jährlich. Der Steuerzahler rettet seither nicht nur die HRE direkt, sondern auch deren marode Investitions-Felder werden gleich mit durchsubventioniert. Schwager des Martin Blessing und Bruder des Axel Wieandt ist ein gewisser Carl Wieandt - und der ist, wie kann es anders sein, Stadthalter von McKinsey in Deutschland... Wenn Sie sich je fragen, wie das Flaggschiff der Marktwirtschaft USA an Patient an den Devisentropf Chinas geriet: US-Unternehmensberatungen sind wie geschaffen, Volkswirtschaften zu Grunde zu richten

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×