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29.08.2016

09:14 Uhr

Herr K.

Wann ist ein Mann ein Mann?

VonThomas Tuma

Schon seit zwei Jahren erscheinen im Handelsblatt wöchentlich die Kolumnen von Herrn K. – dem modernen Mann. Höchste Zeit, dass die Kunstfigur ihren Schöpfer befragt – zu Geldanlagen, Grill-Typen und jammernden Männern.

Mehr Haltung bitte! Herr K. interviewt seinen Schöpfer Thomas Tuma.

Männer unter sich

Mehr Haltung bitte! Herr K. interviewt seinen Schöpfer Thomas Tuma.

Was macht den modernen Mann aus? Braucht er einen Bart, eine Lebensmittel-Allergie, einen Twitter-Account? Seit zwei Jahren erscheinen im Handelsblatt regelmäßig Kolumnen rund um den „Modernen Mann“, Herrn K. Nun ist eine Auswahl der Texte erstmals als Buch erhältlich. Die Zeit ist reif, dass die Kunstfigur ihren Schöpfer interviewt, den Handelsblatt-Autor Thomas Tuma.

Herr Tuma, Ihre Handelsblatt-Kolumnen drehen sich rund um meine Person, Herrn K. Wie kamen Sie ausgerechnet auf mich?
Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder, leben in geordneten Verhältnissen und waren mir als gesellschaftlicher Durchschnitt auch menschlich nicht fremd.

Na danke!
Bitte! Und bitte nix gegen den Durchschnitt. Er liefert eine beruhigende Zuflucht in unübersichtlichen Zeiten wie heute, da man schon froh ist, morgens nichts über einen neuen Weltkrieg oder wenigstens Trump-Kracher lesen zu müssen.

Ihre wöchentliche Kolumne heißt „Der moderne Mann“. Wie geht’s dem Mann an sich?
Finanziell natürlich hervorragend angesichts einer weiterhin boomenden deutschen Volkswirtschaft. Auch gesundheitlich war er in anderen Jahrzehnten deutlich schlechter gestellt. Früher gab’s ja noch Cognac auf der Kurzstrecke, und man ging zum Rauchen nicht in stickige Glaswaben, sondern in die Kantine. Wer damals Sport trieb, galt schnell als gesellschaftlicher Außenseiter. Heute geht es ohne regelmäßige Triathlons kaum noch. Andererseits ist der „Moderne Mann“ chronisch irritiert.

Von all den Geschlechter-Debatten?
Um dieses heikelste Thema noch ein wenig zurückzustellen: Er ist heute mit vielerlei Fragen konfrontiert.

Thomas Tuma ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts.

Der Autor

Thomas Tuma ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts.

So in der Art: Wie ist Syrien zu befrieden? Oder: Welche Geldanlage hilft noch gegen die omnipräsente Nullzinspolitik?
Ach, das ist alles so weit weg. Es geht schon los bei: Bin ich der Weber-Grill-Typ, der „Beef“ auswendig lernt und seinen Freunden abends eine komplette Rinderhälfte kredenzt? Oder doch der Mann für den Gemüseauflauf an Veggie-Fleischwurstscheibchen nach eigenem Rezept? Brauche ich einen Bart, einen Twitter-Account, eine stylische Lebensmittel-Allergie? Was mache ich in der obligatorisch gewordenen Elternzeit wirklich? Vielleicht ein Buch über Elternzeit-Papis schreiben? Das ist ja ein eigenes literarisches Genre geworden. Aber auch: Wie entschleunige ich richtig? Und vor allem natürlich: Wann macht die erste App mich und meinen Job überflüssig?

Das meiste davon fragen sich doch nicht nur Männer?
Aber da ich selbst einer bin, weiß ich da wenigstens einigermaßen, wovon ich spreche. Die weitaus komplexeren Frauen-Fragen überlasse ich gern anderen.

Es geht also quasi existenziell zu?
Es sind revolutionäre Zeiten. Insofern gibt das Buch Antworten auf die drei Grundfragen im 21. Jahrhunderts: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viele Bonusmeilen kriege ich bei der Lufthansa dafür?

Sie scherzen.
Leider nein.

Das sind doch keine wirklich wichtigen Fragen.
Doch, weil zugleich das Tempo der Veränderung enorm zugenommen hat und uns chronisch verunsichert. Es ist ja noch nicht sooo lange her, dass es kein Internet, Navi oder Smartphone gab, dafür Stadtpläne, Wählscheiben-Telefone und die DDR. Patchwork kannte man nur von Omas Flickenteppich, und Burnout war noch nicht mal erfunden.

Aha, Sie wünschen sich die gute alte Zeit zurück!
Um Gottes Willen, keineswegs! In meiner Schulzeit waren die Informatik-Profis noch die Alukoffer-Außenseiter, die bei der Mannschafts-Aufstellung im Schulsport immer die Dreingaben waren. Heute regieren sie Hidden Champions im Bereich B-to-B-Solutions mit loft-ähnlichen Dependancen auf drei Kontinenten. Das ist doch toll.

IT ist nicht so Ihr Ding, was?
Zu meiner Schande muss ich gestehen: Ich könnte weder meine eigene Homepage programmieren noch im Darknet Anabolika kaufen. Mir fehlt es schon am nötigen Vokabular, um mich auch da zu verbessern, pardon: um meine Skills straight to the point zu leveragen. Früher hat man mit so einer IT-Ignoranz ja noch kokettiert. Heute ist sie nur noch peinlich. Und das meine ich völlig unironisch.

Aber Sie klingen leicht fortschrittsfeindlich…
… bin aber das totale Gegenteil: Ich finde all die skizzierten Entwicklungen spannend und beobachte mit großem Interesse, wie schnell alles geht… so schnell, dass wir mit unseren Verhaltensweisen nicht immer Schritt halten können.

Wir Männer bleiben Neandertaler?
Da hat sich meiner Ansicht nach doch nicht nur bei uns in Deutschland erfreulicherweise viel verändert. Ich kann nicht für jeden alleinreisenden Nachwuchs-Salafisten aus unsicheren Herkunftsländern sprechen. Aber schauen Sie sich nur mal die Männerfiguren in Film oder Literatur an! Wie Sean Connery als James Bond noch mit Frauen umsprang, und wie sein Nachfolger Daniel Craig heute agiert. Das ist ein Unterschied wie zwischen Steinkeule und Magnet-Resonanz-Tomograph. Und da sind nur ein paar Jahrzehnte vergangen…

… womit wir endlich beim Gender-Thema wären.
Für manche ein echtes Schlachtfeld, auf dem ich mich schon deshalb alles andere als zu Hause fühle. Aber natürlich finden sich alle Verhaltenstipps zu Geschlechterfragen im Buch…

… Sie mogeln sich mit billiger Reklame um eine Antwort!
Wenn ich Reklame machen wollte, würde ich ja sagen: „Der moderne Mann“ erscheint im Gabal Verlag, kostet 14,90 Euro und ist hier bestellbar mit einem Klick. Das ideale Geschenk nicht nur für Männer, sondern auch deren Frauen, Mütter, Affären, Sozialtherapeutinnen und Bewährungshelferinnen.

Hören Sie auf!
Und hatte ich erwähnt, dass das Buch nicht nur Lebenshilfe bietet, sondern auch eine wunderbare Geschenkidee ist? Quasi für die ganze Familie. Ich kann auch deshalb hier so hemmungslos dafür werben, weil ich an den Milliardenumsätzen, Hollywood-Verfilmungen und Streaming-Drittverwertungsrechten gar nicht beteiligt bin.

Da sind wir ja schon zwei.
Sehen Sie, Herr K. Und wir „modernen Männer“ werden immer mehr.

Beklagen Sie sich gerade?
Nichts liegt mir ferner. Es gibt ohnehin nichts Schlimmeres als jammernde Männer. Wenn ich hier überhaupt etwas empfehlen darf, dann: Mehr Haltung bitte! Wer rumheult, hat schon verloren.

Vielen Dank für das Interview, Herr Tuma.

Gesammelte Kolumnen

Das Buch „Der moderne Mann – 50 gesammelte Kolumnen“ ist im Gabal Verlag erschienen, hat 120 Seiten und kann ab sofort zum Copypreis von 14,90 Euro hier bestellt werden.

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