Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.06.2013

20:11 Uhr

Hester geht Ende des Jahres

Royal Bank of Scotland braucht neuen Chef

Der Chef von Großbritanniens umstrittenster Bank nimmt seinen Hut. Stephen Hester macht Platz bei der Royal Bank of Scotland. Sie war 2008 nur mit staatlichen Milliarden zu retten und sitzt auf einem Schuldenberg.

Stephan Hester hatte 2008 das Ruder übernommen. Seitdem sei die Bilanzsumme um fast eine Billion Pfund reduziert worden, sagte er. Reuters

Stephan Hester hatte 2008 das Ruder übernommen. Seitdem sei die Bilanzsumme um fast eine Billion Pfund reduziert worden, sagte er.

LondonDer Vorstandschef der staatlich kontrollierten britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) tritt ab. Stephen Hester werde seinen Posten zum Ende des Jahres räumen, teilte die Bank am Mittwoch mit. „Der Verwaltungsrat ist der Meinung, dass ein ordentlicher Nachfolge-Prozess einem neuen Vorstandschef Zeit geben wird, den Privatisierungsprozess vorzubereiten und die Bank in die kommenden Jahre zu führen“, hieß es in einem Statement der RBS.

Hester sei es nicht möglich gewesen, ein solches zeitlich unbegrenztes Bekenntnis abzugeben. „Der Privatisierungsprozess sollte der Startpunkt für jemanden an der Spitze sein, für mich wäre es das Ende gewesen“, sagte Hester in der BBC. Die Royal Bank of Scotland gehört zu rund 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Ihre Reprivatisierung gilt als eines der heißesten Eisen in der britischen Regierungspolitik. Hester persönlich war unter anderem wegen der Bonuspolitik der Bank unter Beschuss.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Der britische Finanzminister George Osborne will in der nächsten Woche neue Pläne für die Bank bekanntgeben. Am Mittwoch sprach er von einem „neuen Gesicht“, das der Bank gut tun werde. Ein Parlamentsausschuss hatte kürzlich einen ersten Entwurf für Vorschläge zur Zukunft der Bank gemacht. Darin war auch enthalten, dass die RBS in eine Good Bank und eine Bad Bank aufgespalten werden könnte.

Die Royal Bank of Scotland war in der Finanzkrise 2008 haarscharf an der Pleite vorbeigeschrammt und musste mit 45 Milliarden Pfund (heute 53 Mrd Euro) staatlicher Hilfe gerettet werden. Seitdem ist sie aus den Negativschlagzeilen nicht herausgekommen. Sie war in den Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes ebenso verwickelt wie in die Affäre um Falschberatung von Kunden bei Kreditausfallversicherungen. Hester hatte 2008 das Ruder übernommen. Seitdem sei die Bilanzsumme um fast eine Billion Pfund reduziert worden, sagte er. Die Bank baute zudem weit über 35 000 Stellen ab.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×