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04.06.2016

13:10 Uhr

Heulsusen, Weicheier, frech & faul

Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y

VonCarina Kontio

Die Jugend von heute – ein missverstandener Begriff, findet Autorin Steffi Burkhart. Ihr Buch: ein pointiertes Plädoyer dafür, die vielgescholtene Generation Y ernst zu nehmen. Für Unternehmen eine große Herausforderung.

Die Generation Y: ein missverstandener Begriff, findet die Autorin Steffi Burkhart. Ein Buzz-Wort für die ungezogene Jugend. Getty Images

Das Y steht für Warum, weil vieles infrage gestellt wird

Die Generation Y: ein missverstandener Begriff, findet die Autorin Steffi Burkhart. Ein Buzz-Wort für die ungezogene Jugend.

KölnKnapp daneben. Ich bin X: Vertreterin einer geburtenschwachen Generation der Jahrgänge 1965 bis 1980, die nach der Baby-Boomer-Generation kam. Gedruckte Gebrauchsanleitungen über Menschen wie mich, Jahrgang 1979, gibt es keine und doch finde ich mich und meine Kohorte in dem Buch von Steffi Burkhart wieder, das im Gabal-Verlag erschienen ist. Dabei schreibt die Autorin in “Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y” über die Bedürfnisse derjenigen, die heute 20- bis Mitte 30 sind (P.S.: Eigentlich mein biologisches ein Alter, schließlich ist 37 doch das neue 27, oder?).

Zehn Thesen zur Generation Y

These 1

Bei der Diskussion um Generationenvielfalt in der Arbeitswelt geht es nicht um Jung oder Alt, sondern um eine moderne Geisteshaltung – abseits von Effizienzstreben und Massenproduktion. Eine Haltung, die zu einer neuen Realität passt, in der die Welt immer volatiler, unsicherer, komplexer und ambivalenter wird.

These 2

Die Basis moderner Denkmuster besteht in der Erkenntnis, dass die Arbeitswelt heute anders tickt als noch vor 20 oder 30 Jahren. Unser deutsches Erfolgsmodell trägt nicht ewig weiter.

These 3

Es sind die unterschiedlichen Wertesysteme zu Arbeit und Führung, die aufeinander prallen, nicht die Menschen unterschiedlicher Generationen.

These 4

Lebenszeit ist viel zu kostbar, um 40 Stunden pro Woche für Aufgaben zu vergeuden, auf die man keinen Bock hat.

These 5

Die Effizienzzitrone deutscher Unternehmen ist ausgepresst! Wir brauchen einen Musterwechsel. Die GenY sucht ihn im World Wide Web.

These 6

Wir wurden zu lange zu einseitig auf die linke Gehirnhälfte getrimmt: Verstand, Zahlen, Daten, Fakten. Nun gilt es, die rechte zu aktivieren und mit ihr Kreativität, Emotionalität und Intuition.

These 7

Das deutsche Uni-System krankt und produziert Versager der modernen Arbeitswelt.

These 8

Viele Chefs der alten Führungsschule haben nicht systematisch gelernt, Menschen zu führen. Das erklärt vieles…

These 9

Unternehmen sollten sich schleunigst auf die Machtverschiebung hin zum Bewerbermarkt einstellen. Fachkräftemangel lässt bald grüßen.

These 10

Multigrafen, on demand, digitale Transformation, Kulturwandel: Genau darum geht es heute.

Quelle

Steffi Burkhart, „Die spinnen, die Jungen. Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y”, Gabal, ISBN: 978-3-86936-691-3

Burkhart, die von vielen als „Gesicht der Generation Y“ gehypt wird, will mit ihrem Buch aufräumen mit Stereotypen, die Medien über die Generation Y kolportieren: Selbstverliebte Heulsusen die mehr on- als offline sind, Weicheier, die zwar einen guten Schulabschluss, aber vom wahren Leben keine Ahnung haben. Die frech, faul und fordernd sind, nur Spaß haben, aber keine Karriere machen wollen und dazu noch respektlos gegenüber Führungskräften sind.

Sie selbst ist Jahrgang 1985, hat Sportwissenschaften studiert, im Bereich Gesundheitspsychologie promoviert und parallel zur Promotion im Gesundheitsmanagement eines Großkonzerns gearbeitet. Das gängige Klischee der vielgescholtenen „Gen Y“ bedient Burkhart, die inzwischen auch Dax-Unternehmen, Verbände und Hochschulten berät, also nicht.

Stattdessen wirft die Kölnerin auf 264 kurzweiligen Seiten nicht nur einen kritischen Blick auf ihre Altersgenossen („Wir überschätzen unsere Fähigkeiten“ und „...was uns fehlt, ist eine realistische Einschätzung davon, was gut ist an dem, was schon da ist”), sondern versucht auch zu vermitteln, indem sie Personalern und Führungskräften eine Menge nützliche Anregungen, Tipps und Reflexionsfragen an die Hand gibt. Diese sollen helfen, die „Jungen“ und ihre Rolle in der künftigen Arbeitswelt besser zu verstehen. Etwa: „Begegnet man der Generation Y auf Augenhöhe, respektiert sie einen. Wenn nicht, wird sie zickig.“ Oder Fragen wie: „Wie freakig ist Ihre Mannschaft? Wie viele Generationen, Kulturen und Berufszweige sind in Ihrem Team vertreten? Wie viel Reibung lassen Sie zu?”

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