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23.03.2004

07:01 Uhr

„Hierarchie als Basis von Respekt ist aus der Mode“

Der fliegende Holländer

VonOliver Stock

Swiss-Chef Pieter Bouw hat vor allem einen Job: Er muss einen Nachfolger für sich selbst finden.

Pieter Bouw sucht einen Nachfolger für sich selbst. Foto: dpa

Pieter Bouw sucht einen Nachfolger für sich selbst. Foto: dpa

Pieter Bouw ist auf seine älteren Tage ein wenig sentimentaler geworden. Der Übergangschef der Swiss, der am Dienstag erklären muss, wie es mit dem angekratzten Nationalheiligtum der Schweizer weitergehen soll, fühlt sich unwohl, wenn in der Direktionsetage des schmucklosen Swiss-Hauptsitzes in Basel Zugluft herrscht. „Wir gehen nicht im Streit auseinander. Wir werden Freunde bleiben“, ließ Bouw die Belegschaft einen Tag nach dem plötzlichen Abgang des bisherigen Konzernchefs André Dosé vor knapp zwei Wochen wissen.

Viel Zeit für Gefühle kann sich der gebürtige Holländer allerdings nicht leisten. Weil bei der Swiss die Manager das Haus verlassen wie eine Herde die ausgetrocknete Wasserstelle, hat der 63-Jährige alle Hände voll zu tun: Er bleibt Verwaltungsratspräsident und ist neuer Konzernchef der Swiss geworden. Nebenbei muss er auch den Posten des kaufmännischen Direktors und des Marketingleiters erledigen. Ein bisschen viel für einen, dem noch im vergangenen Monat Amtsmüdigkeit nachgesagt wurde? Über Bouws hohe Stirn furcht noch eine Falte mehr als sonst: „Ich fühle mich dem Unternehmen, den Mitarbeitern und auch der Schweiz verpflichtet“, sagt er, und es klingt weniger sentimental, mehr staatstragend, und vor allem: bitter ernst.

Das Unternehmen kommt nicht richtig in die Lüfte, seitdem die Pleite der Swissair mit der Krise der Luftfahrt zusammenfiel und die neu gegründete Swiss mit zu ehrgeizigen Zielen an den Start gegangen war. Die Mitarbeiter werden immer weniger, von den mehr als 9 000 musste jeder Dritte gehen. Das befördert nicht gerade das Ansehen des Managements. Und die Schweiz? Bei den Eidgenossen löst der Blick zum weißen Kreuz auf roter Heckflosse zwar noch immer das beruhigende Gefühl aus, ein Stück Heimat auch im Himmel zu besitzen.

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