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22.07.2016

14:56 Uhr

Hinz & Co

Böse Folgen für Lebenslauf-Trickser

VonClaudia Obmann

Die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz hat ihren Lebenslauf geschönt. Ihr Mandat wird die Sozialdemokratin auf jeden Fall abgeben. Doch damit ist die Schummelaffäre nicht beendet. Was den Tricksern laut Arbeitsrecht droht.

Jahrelang hat die SPD-Bundestagabgeordnete Petra Hinz ihre Karriere auf falschen Angaben zu Schule und Studium aufgebaut. dpa

SPD-Abgeordnete Petra Hinz

Jahrelang hat die SPD-Bundestagabgeordnete Petra Hinz ihre Karriere auf falschen Angaben zu Schule und Studium aufgebaut.

Ihr Bundestagsmandat hat sie niedergelegt, auf ihrer Internet-Seite gibt Petra Hinz zu „dass sie keine allgemeine Hochschulreife erworben und darüber hinaus kein Studium der Rechtswissenschaften absolviert und auch keine Juristischen Staatsexamina abgelegt hat“.

Doch damit ist der Fall der SPD-Politikerin, die mit dieser erlogenen Vita mehr als 30 Jahre durchgekommen ist, noch nicht abgeschlossen. „Als nächstes dürfte ihre Immunität aufgehoben werden, um zu klären, wie es dazu kam“, vermutet Marc Repey von der Rechtsanwaltskanzlei Abeln. „Es ist erstaunlich, wie lang das gut gegangen ist. Wahrscheinlich hat sie den Zeitpunkt verpasst, an dem sie noch ehrlich und mit geringen persönlichen Folgen für Klärung hätte sorgen können.“

So entlarven Sie schummelnde Bewerber

Hintergrund

Immer wieder schummeln Bewerber kleine Lügen in ihre Bewerbungen. Für Personaler ist das ärgerlich. Wer Fehlerbesetzungen vermeiden will, sollte auf die kleinsten Unstimmigkeiten achten. Fünf Tipps.

Datumsangaben

Wenn ein Bewerber in seinem Lebenslauf teilweise Monats- und Jahresdaten, bei anderen hingegen nur ungenaue Angaben macht, ist Vorsicht geboten. Das kann ein Hinweis auf kaschierte Lücken in der Vita sein. Solche Glättungen lassen sich meist durch den akribischen Abgleich von tabellarischem Lebenslauf und Zeugnisdaten aufdecken.

Vollständigkeit

Sind Unterlagen unvollständig, fehlt zum Beispiel der tabellarische Lebenslauf oder ein wichtiges Zeugnis, sollten Personal dies unbedingt nachfordern. Auch so kann ein Bewerber versuchen, sich um Belege für seine bisherigen Tätigkeiten zu drücken.

Dokumentenverifizierung

Hinweise auf Schummeln können sich auch in Dokumenten finden – zum Beispiel, wenn Papier, Schriftart und -größte nicht einheitlich sind oder das anfänglich auftauchende Wasserzeichen auf einigen Zeugnisseiten plötzlich fehlt. Dann liegt möglicherweise eine Manipulation vor.

Titel

Am einfachsten funktioniert eine Überprüfung im Internet. Personen-Suchmaschinen wie Yasni – nicht unbedingt allgemeine Suchmaschinen wie Google – offenbaren, wenn sich ein Bewerber mit dem Titel eines Namensvetters schmückt. In der Online-Datenbank der Kultusministerkonferenz dagegen lässt sich recherchieren, welche Hochschulabschlüsse ausländischer Bildungsstätten in Deutschland anerkannt sind und hierzulande geführt werden dürfen. Stammen Doktor- oder Professorentitel von Institutionen, die nicht gelistet sind, ist Vorsicht angebracht.

Referenzen

Auffällig ist, wenn es in unterschiedlichen Referenzschreiben, die einer Bewerbung beiliegen, sehr ähnliche Formulierungen gibt. Wird der Bewerber um Kontaktdaten für eine mündliche Überprüfung der Referenzen gebeten, zieht ein Kandidat, der bei Verantwortung und Funktion an vorherigen Stellen zu dick aufgetragen hat, vermutlich seine Bewerbung zurück.

Denn ein Kavaliersdelikt ist das Tricksen in Sachen Lebenslauf und dass Frisieren von Bewerbungsunterlagen nicht, sondern es kann vielmehr böse Folgen haben: Wer im Lebenslauf zum Beispiel seine Qualifikationen fälscht und damit einen Arbeitgeber über seine Eignung und Qualifikation täuscht, kann, wenn der Betrug auffliegt, fristlos gekündigt werden. Liegt eine „arglistige Täuschung“ vor, durch die ein Stellenbewerber etwa aufgrund eines erschwindelten Uni-Abschlusses ein besonders hohes Gehalt erzielt, ist sogar eine „rückwirkende“ Auflösung des Arbeitsvertrages denkbar. „Theoretisch kann der Chef dann sogar eine teilweise Gehaltsrückzahlung fordern, wenn er nachweist, dass die erbrachte Arbeitsleistung tatsächlich minderwertig war“, sagt Repey.

In manchen Fällen drohen den Tricksern außerdem noch Schadenersatz-Forderungen: Wer wie ein angeblich ausgebildeter CNC-Fräser einen Job bekommt, dann aber die Maschine zerstört, muss dafür Schadenersatz leisten. Im Fall eines angestellten Arztes wiederum, der gar kein Medizin-Studium absolviert hat, kann nicht nur der Arbeitgeber Schadenersatz verlangen, sondern eventuell seine von Körperverletzung betroffenen Patienten auch. Wird eine solche Straftat nachgewiesen, wandert der Angestellte von der Klinik in den Knast.

Tipps für den ersten Satz im Bewerbungsanschreiben

Zuverlässigkeit

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(Quelle der Beispiele: Kienbaum)

Gute Eigenschaften

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mit Engagement, Kommunikationsstärke und unternehmerischem Denken möchte ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt für die weltweit führende Personal- und Managementberatung Kienbaum am Standort Düsseldorf arbeiten und Beratungsprojekte mit Branchen- und Beratungskompetenz verantworten.

Leidenschaft

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Gemeinsamer Fokus

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mit großem Interesse habe ich festgestellt, dass Sie Verstärkung im Bereich Business Technology benötigen. Somit teilen wir nicht nur diesen Fokus, sondern auch die große Leidenschaft den Kunden bei der digitalen Transformation kompetent zu beraten und zu unterstützen.

Herausforderungen meistern

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Herausforderungen bei Projekten verschiedenster Branchen zu meistern, Probleme erkennen und eine optimale Lösung zu finden – diese Aspekte reizen mich besonders an dem Beruf des Unternehmensberaters.

Lösungen umsetzen

Sehr geehrte Frau XX,
individuelle Bedürfnisse erkennen und gemeinsam maßgeschneiderte Strategien und Lösungen umsetzen – so stelle ich mir meinen Berufseinstieg als Junior-Berater vor.

Worthülsen vermeiden

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Oder ganz mutig

Sehr geehrter Herr XX,
von mir zu Hause bis zu Ihnen sind es zu Fuß genau 15 Minuten. Das bedeutet: Während meine Kollegen noch im Stau stehen, könnte ich morgens schon der erste Mitarbeiter in der Firma sein.

(eigenes Beispiel)

Auch eine Urkundenfälschung bleibt nicht ungeahndet: Wer, wie im Fall von Petra Hinz zu vermuten ist, einer Bewerbung gefälschte Zeugnisse einer Schule oder einer Hochschule beifügt oder auch die Abschlussnote in echten Dokumenten manipuliert, macht sich ebenfalls strafbar: Je nach Schwere des Vergehens drohen einkommensabhängige Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Schließlich schauen Richter auch in Sachen Titel-Missbrauch sehr genau hin: Ein italienischer „Dottore“ darf keineswegs automatisch auf der Visitenkarte den deutschen Doktor-Titel vor seinen Namen setzen.

Lebenslauf frisieren wie SPD-Politikerin Hinz: Immer öfter alles nur gelogen

Lebenslauf frisieren wie SPD-Politikerin Hinz

Immer öfter alles nur gelogen

Die Essener SPD-Politikerin Petra Hinz hat ihre Vita frei erfunden. Auch Unternehmen werden immer öfter mit frisierten Bewerbungen konfrontiert. Eine Altersgruppe schummelt besonders oft beim Lebenslauf.

Im Gegenteil, wer unbefugt inländische oder ausländische Titel führt, riskiert nach Paragraph 132a Strafgesetzbuch für dieses Vergehen ebenfalls eine Geldbuße oder Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr. Gerade macht Michele Puller, Chef der Steilmann AG, diesbezüglich von sich reden. Der hat es nicht nur geschafft, sein Unternehmen innerhalb von knapp fünf Monaten vom Börsenparkett ans Insolvenzgericht zu bringen. Nun stellt sich auch noch heraus: Der Italiener hat an der Universität Rom 1973 lediglich ein grundständiges Statistik- und Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Seit 43 Jahren schmückt er sich offenbar mit einem Doktortitel, ohne jemals eine Dissertation geschrieben zu haben.

Kommentare (14)

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Herr Franz Paul

22.07.2016, 15:12 Uhr

Das ist falsch. Da man keinerlei Qualifikation benötigt, um Bundestagsabgeordneter zu werden, ist auch ein solcher Betrug nicht strafbar. Da es auch keinerlei Leistungskontrolle/Überwachung für Abgeordnetet gibt, kann auch niemand beweisen, dass sie für ihre Tätigkeiten nicht die richtige Qualifikation besessen, bzw. diese nur vorgetäuscht hat. Ergo müssen wir alle diesem ...... auch noch eine fürstliche Rente bezahlen.

Herr Michael Müller

22.07.2016, 15:27 Uhr

Übergangsgelder und noch viel wichtiger: PENSION sind sicher!

Herr Fritz Yoski

22.07.2016, 15:42 Uhr

Wozu die Aufregung? Als Ungelernte Hochstaplerin ist sie im Bundestag doch in bester Gesellschft zwischen Steinewerfern, Paedophilen, Drogensuechtigen, Schwarzgeldempfaengern, Copy & Paste Doktoren und was da alles sonst noch sein Unwesen treibt.

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