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17.01.2011

22:28 Uhr

Håkan Samuelsson

Teures Nachspiel für Ex-MAN-Chef

VonAxel Höpner, Mark C. Schneider

Der MAN-Aufsichtsrat um Ferdinand Piëch fordert in der Korruptionsaffäre 237 Millionen Euro von Ex-Chef Håkan Samuelsson. Dabei suchen beide Seiten nach Informationen des Handelsblatts eine gesichtswahrende Lösung.

Håkan Samuelsson dpa

Håkan Samuelsson

MÜNCHEN, HAMBURG. Das Timing stimmte: Gigantische 237 Millionen Euro fordere der Chefaufseher des Nutzfahrzeug- und Motorenherstellers MAN, Ferdinand Piëch, wegen des Schmiergeldskandals vom ehemaligen Vorstandschef Håkan Samuelsson, vermeldete die "Süddeutsche Zeitung" gestern unter der Überschrift "Piëch gnadenlos". Heinrich von Pierer, der frühere Siemens-Chef, kam bei einem vielfach höheren Schaden durch die Korruptionsaffäre in seinem Konzern mit dagegen läppischen fünf Millionen Euro davon. Am Tag, als von Pierer seine Sicht der Dinge vorstellte (siehe gegenüberliegende Seite), verunsicherte Piëch mit der bereits im Sommer 2010 erfolgten, aber erst jetzt bekannt gewordenen Forderung die Vorstandsetagen.

Dabei sind bei MAN beide Seiten längst weiter, suchen nach Informationen des Handelsblatts eine gesichtswahrende Lösung. "Der Aufsichtsrat muss schon deshalb Ansprüche stellen, um Rechtssicherheit zu wahren und sich nicht selbst angreifbar zu machen", sagt Robert Heym, Spezialist für Gesellschaftsrecht bei der Kanzlei Graf von Westphalen. Mit den Briefen an Samuelsson und weitere Ex-Topmanager hat MAN juristische Pflöcke eingeschlagen und den Gesamtschaden beziffert. Allen Beteiligten ist jedoch klar, dass im Falle einer Schadensersatzklage - oder eines Vergleichs - eine weit niedrigere Summe stehen wird. Diese dürfte sich zum einem an der Höhe des Schadens von laut MAN ebenjenen 237 Millionen Euro, zum anderen an Samuelssons Vermögensverhältnissen orientieren. Dazu kommt: MAN hat bei zwei Versicherungen eine Haftpflicht-Police für Vorstände abgeschlossen. Die will der Dax-Konzern offenbar heranziehen. Anwalt Heym: "Es geht ja nicht um individuelle Straftaten der Ex-Vorstände, sondern um ein mögliches Organisationsverschulden."

Die Blaupause für das Vorgehen von MAN stellt der Fall Siemens dar. Im bisher größten deutschen Schmiergeldskandal hatte der Konzern ebenfalls zunächst mit immens hohen Forderungen gedroht - immerhin lag der Schaden bei weit über zwei Milliarden Euro. Dann einigte sich der Konzern mit dem Großteil der alten Führung auf einen Vergleich. Die Summe, die die Betroffenen als Schadensersatz für die Verletzung ihrer Aufsichtspflichten zahlen, liegt in der Regel zwischen 500 000 und den fünf Millionen Euro in von Pierers Fall.

"Natürlich wird MAN sich an Siemens orientieren", heißt es in Branchenkreisen. Zivilrechtliche Schadensersatzklagen sind in der Regel eine langwierige Angelegenheit, der Ausgang ist ungewiss. So muss ein Schaden erst einmal konkret nachgewiesen werden.

Der Konzern gab sich gestern zurückhaltend. "Soweit es Schadensersatzforderungen gegen ehemalige Vorstände gibt, wird das Unternehmen diese auch umfassend geltend machen", sagte ein Sprecher, ohne Details zu nennen. Ein Vergleich ist rechtlich frühestens drei Jahre nach Bekanntwerden der Affäre möglich - absegnen müsste ihn die MAN-Hauptversammlung 2012.

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