Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.06.2014

16:13 Uhr

Hochstapler beim BER?

Flughafen-Planer war wohl gar kein Ingenieur

Am BER gibt es nichts, was es nicht gibt: Erst wichtige Planungsakten im Müll, jetzt auch noch ein Ingenieur, der offenbar gar keiner ist. Und dieser hat ausgerechnet die wichtige Entrauchungsanlage mitgeplant.

Bauarbeiter am neuen Hauptstadtflughafen: Der Planer des größten Bauabschnitts der Entrauchungsanlage ist offenbar kein Ingenieur. AFP

Bauarbeiter am neuen Hauptstadtflughafen: Der Planer des größten Bauabschnitts der Entrauchungsanlage ist offenbar kein Ingenieur.

Berlin/HamburgDie Entrauchungsanlage gilt als zentrales Problem des neuen Hauptstadtflughafens BER. Der Planer der sogenannten Anlage 14, die den größten Abschnitt des Brandschutzsystems ausmacht, ist möglicherweise ein Hochstapler. Wie der „Stern“ laut Vorabmeldung berichtet, ist Alfredo di Mauro kein Ingenieur, wie bisher angenommen. Sein Anwalt bestätigte dem Magazin, dass di Mauro lediglich über einen Gesellenbrief als technischer Zeichner verfüge.

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hatte di Mauro Anfang Mai öffentlichkeitswirksam gefeuert. Der 52-Jährige habe „die Anlage 14 in ihrer vorliegenden, nicht funktionsfähigen Form geplant“, sagte Mehdorn damals. Fragen des „Stern“, ob sich di Mauro bei der Flughafengesellschaft als Ingenieur vorgestellt habe und wie er dies belegt habe, ließ diese bisher unbeantwortet.

Das sind die größten Probleme des BER

Dauerbaustelle

Bis zu 400 Bauarbeiter sind derzeit im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens im Einsatz. Woran sie nach Angaben der Betreiber arbeiten und was darüber hinaus zu tun ist.

Brandschutz

Weil die Anlage nicht funktionierte, platzte die Eröffnung 2012. Zwei Jahre später glauben die Betreiber, die Lösung zu kennen. Sie teilen die Anlage im kritischen Bereich in drei Abschnitte, das soll die Steuerung einfacher machen.

Kabeltrassen

Weil die Firmen zeitweise bauen konnten wie sie wollten, sind viele Kabelbrücken über- oder fehlbelegt. Nun werden Kabel kilometerweise neu gezogen. Zudem ist ein Teil der 4000 Räume im Flughafen falsch nummeriert, was zu Chaos führen könnte, weil die Lüftungsklappen den Nummern folgen. Auch hier wird nachgearbeitet.

Restarbeiten

Von der gerissenen Kachel bis zu handfestem Baupfusch haben die Betreiber 150.000 Mängel gefunden. Hier arbeiten Firmen nach.

Schallschutz

Die Großbaustelle jenseits der Baustelle: Lange bekamen die Anwohner zu schwachen Schallschutz. Ein Gericht schritt 2013 ein, die Arbeit begann weitgehend von vorn. Es geht um Fenster, Dämmungen und Lüfter für bis zu 25.500 Wohnungen.

Sanierung Nordbahn

Der Neubau übernimmt die Piste vom benachbarten Altflughafen Schönefeld. Sie muss saniert werden, doch die Behörden verlangen zunächst den Schallschutz für die Anwohner. Geplanter Baubeginn: März 2015.

Korruptionsaffäre

Wegen des Bestechlichkeitsvorwurfs gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann werden nun alle Vergabeverfahren überprüft, mit denen dieser zu tun hatte. Unterlegene Bewerber könnten auf Schadenersatz klagen.

Finanzierung

4,3 Milliarden Euro sind bislang bewilligt, doch das Geld geht im Frühjahr aus. Mehdorn fordert mehr als 1,1 Milliarde Euro zusätzlich. Die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund dürfen aber nur Geld nachschießen, wenn die EU-Kommission das genehmigt. Dafür wird die Zeit langsam knapp.

Gegen di Mauro sollen bereits im Jahr 2002 in seiner Heimatstadt Offenbar Vorwürfe öffentlich geworden sein, schreibt das Magazin weiter. Damals hätten ihm die Gründer eines dortigen Ärztezentrums den Vertrag gekündigt – in der Tiefgarage des Sieben-Millionen-Euro-Projekts habe sich ein regelrechter See gebildet. „Er hat sich bei uns als Architekt vorgestellt“, sagte die Ärztin Ileana Mitrenca dem „Stern“. Di Mauro bestritt die Fehlplanung und auch, dass er sich als Architekt vorgestellt habe.

Dabei habe er laut dem Magazin den Vorwurf der Hochstapelei zunächst als „völlig absurd“ zurückgewiesen und erklärt, über einen Ingenieursabschluss zu verfügen.

Der BER kommt derzeit nicht zur Ruhe. Neben den Vorwürfen gegen di Mauro bewegt eine Affäre um Planungsakten in Müllcontainern die Gemüter. Die Flughafengesellschaft erstattete am Dienstag Anzeige gegen Unbekannt. Die Akten sollen sicherheitsrelevante Pläne enthalten und daher die Sicherheitsbehörden alarmiert haben.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

24.06.2014, 16:38 Uhr

Das Offenbacher Kellerschwimmbad war wohl die Referenzarbeit mit der er sich bei BER vorgestellt hat. Dem Hochstapler kann man wohl keinen Vorwurd machen, er hat einen Dummen gesucht und gefunden. Das Erschreckende ist, dass der Dumme, der ihn eingestellt hat, wohl mit allen erforderlichen echten Diplomen ausgestattet war, und weiterhin unbehelligt seiner Tätigkeit nachgehen kann

Account gelöscht!

24.06.2014, 17:18 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

24.06.2014, 17:32 Uhr

Da fällt einem echt nichts mehr zu ein.

Wenn Papa Staat sich mal wieder als Unternehmer versucht und anfängt, die bürokratischen Mühlsteine für irgendwelche Projekte im Namen von Volkes Wohl in Bewegung zu setzen (und anschließend daran festgebunden Steuerzahlers Geld zu versenken) ist ja vorher schon klar, was hinterher dabei rauskommt (aber GRÜNDLICH…).

Wundert das bei der Haftungslage irgendwen?!
Für den ganzen Murks zahlen ja sowieso alle („gefühlt“ also keiner?).
Die Verantwortlichen jedenfalls nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×