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16.11.2012

13:14 Uhr

Hoffnung für den Krisenstaat

Die Multis setzen auf Griechenland

VonGerd Höhler

Während einheimische Unternehmer die Flucht ergreifen, stärken einige ausländische Konzerne ihre Präsenz in Griechenland. Ein Unternehmer legt gar ein Bekenntnis zum Krisenstaat ab. Ein Anzeichen für ein Ende der Misere?

Der Containerhafen in Piräus ist für den chinesischen Logistikkonzern Cosco ein wichtiger Standort. Dank eines Deals mit Hewlett-Packard dürfte der Umschlag weiter steigen. dpa

Der Containerhafen in Piräus ist für den chinesischen Logistikkonzern Cosco ein wichtiger Standort. Dank eines Deals mit Hewlett-Packard dürfte der Umschlag weiter steigen.

AthenIst es das sehnlichst erwartete Licht am Ende des Tunnels? Oder nur ein trügerischer Hoffnungsschimmer, der schnell wieder verglimmt?

Die Griechen sind skeptisch, mit guten Nachrichten über die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes werden sie nicht verwöhnt. Erst am Mittwoch meldete die Statistikbehörde Elstat: Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal 2012 um 7,2 Prozent geschrumpft. Das war der stärkste Einbruch in einem Dreimonatszeitraum seit Beginn der Krise. Von Januar bis Ende September ist die Wirtschaftsleistung damit bereits um 6,7 Prozent zurückgegangen.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Renten

Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

Arbeitnehmer

Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

Staatsbedienstete

Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

Gehaltskürzungen

Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

Kindergeld

Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

Rentenalter

Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Eine kam diese Woche von Unilever. Der niederländisch-britische Verbrauchsgüterkonzern stärkt sein Geschäft in Griechenland. Dort wird Unilever im kommenden Jahr rund 110 Waschmittel-, Pflege- und Hygieneprodukte fertigen, die bisher in Frankreich, Spanien und Deutschland hergestellt werden. Von der Verlagerung werden mehrere griechische Firmen profitieren, bei denen Unilever Hellas künftig fertigen lässt.

Unilevers Landes-Chef Spyros Desyllas legt ein Bekenntnis zum Standort Griechenland ab: „Für uns war es nie eine Frage, ob wir hier bleiben oder weggehen – Griechenland war, ist und bleibt eine Wachstumssäule für den Unilever-Konzern.“ Die Produktionsverlagerung begründet Desyllas damit, dass Griechenland in jüngster Zeit wettbewerbsfähiger geworden sei.

Damit scheinen die Strukturreformen und die Lohnsenkungen erste Früchte zu tragen. Die künftig in Griechenland gefertigten Produkte sollen auf dem heimischen Markt abgesetzt, aber auch exportiert werden. Bereits jetzt liefert Unilever Hellas in 19 Länder Europas, Asiens, Afrikas sowie Nord- und Südamerikas.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

16.11.2012, 13:59 Uhr

Da setz ich lieber auf Roland Kaiser der die ganze Welt rettet...ist wahrscheinlicher.

Account gelöscht!

16.11.2012, 14:23 Uhr

„Beginn einer griechischen Erfolgsgeschichte“, sagte Samaras

Das ist es auch. Denn welches Land hat in der kurzen Zeit soviele Mrd./Kopf erhalten und Geschenkt bekommen?

Aber er hätte mit seiner Aussage noch etwas warten und lieber weiter barmen sollen. Ein nächster Schuldenschnitt wäre gewiss gewesen.

Lilly

16.11.2012, 14:27 Uhr

Interessanter Kommentar zum Troika-Bericht, hier:

http://us2.campaign-archive2.com/?u=6fdd2c14557965c62a84fb671&id=ab8cdf661a&e=46a73dce4c

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