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03.01.2007

12:49 Uhr

Hoher Beratungsbedarf

Wirtschaftskanzleien setzen auf Restrukturierungsgeschäft

VonMarcus Creutz

Fragt man Vertreter deutscher Großkanzleien nach den Hauptgeschäftsfeldern im Jahr 2007, fällt ihnen die Antwort nicht schwer: das Restrukturierungsgeschäft. Darunter verstehen sie in erster Linie die juristische Begleitung der milliardenschweren Private-Equity-Investoren bei M&A- Transaktionen in Deutschland. Doch das ist oft nur der erste Schritt.

Anwälte sind bei M&A-Transaktionen unverzichtbar.

Anwälte sind bei M&A-Transaktionen unverzichtbar.

GARMISCH. "Nach erfolgreicher Akquisition geht es dem Private-Equity-Investor typischerweise darum, die erworbene Gesellschaft unternehmerisch weiterzuentwickeln, das heißt diese durch weitere Investitionen und Akquisitionen zu stärken", sagt Harald Selzner, Partner bei Shearman & Sterling, Düsseldorf

Damit nicht genug. Es gibt für die Großkanzleien noch einen anderen interessanten Grund. "Restrukturierungen bieten, insbesondere in gesellschaftsrechtlicher, steuerrechtlicher und arbeitsrechtlicher Hinsicht Potenzial zur Wertsteigerung", sagt Selzner. In vielen Fällen sei das erworbene Unternehmen zudem mit bereits bestehenden Portfolio-Unternehmen des Finanzinvestors zusammenzuführen, zählt der Private-Equity-Spezialist weiter auf. Die erfolgreiche Post-Merger-Integration steht dann auf der Agenda der beratenden Rechtsanwälte ganz oben.

Doch die eigentliche Arbeit beginnt für die Wirtschaftsanwälte bereits vor dem Auktionsverfahren, wenn es gilt, das Restrukturierungspotenzial des angebotenen Unternehmens zu analysieren. Denn das hat unmittelbar Auswirkungen auf die Kaufpreisgestaltung. Allerdings hat sich das Transaktionsgeschäft 2006 nach Einschätzung der Anwälte mehr und mehr zu einem Verkäufermarkt entwickelt. Die Folge: Die Investoren müssen teurer einkaufen. "Außerdem werden bei den Transaktionen vermehrt Festpreisklauseln vereinbart, so dass im Fall von später festgestellten Mängeln kaum Spielraum für Nachverhandlungen besteht", erläutert der Münchener Rechtsanwalt Thomas Schulz von Nörr Stiefenhofer Lutz.

Sollten die Zinsen steigen und parallel die Konjunktur schwächeln, könnten sich noch einige Deals als Fehlinvestitionen erweisen. Doch auch das sorgt bei den Anwälten noch nicht für Unruhe. Denn auch selbst für diesen Fall zählen die Juristen zu den Gewinnern, weil dann ihre Sanierungs- und Insolvenzexperten vermehrt gefragt sein werden. Und die stellen derzeit fest, dass das Risiko für Rückschläge steigt.

Das liegt ihrer Einschätzung nach auch daran, dass die Investoren den größten Teil der Kaufpreise mit zinsgünstigen Bankkrediten bezahlen und so Eigen- durch Fremdkapital ersetzen. Außerdem entziehen sie den erworbenen Gesellschaften vereinzelt weiteres Eigenkapital, indem sie sich Sonderdividenden auszahlen lassen.

"Einige machen das aggressiver, andere weniger. Zwar geht den Unternehmen zunächst einmal nur ein Puffer verloren. Das funktioniert aber nur so lange, wie genügend Cash bei den Firmen reinkommt. Wir rechnen damit, dass das eine Welle auslösen wird", warnt ein Rechtsanwalt, der mit dieser Äußerung aber lieber nicht namentlich zitiert werden möchte. Wie schnell eine zu hohe Zinslast zum finanziellen Bumerang wird, zeigt das Beispiel des Autozulieferers Kiekert, dem die europäische Beteiligungsgesellschaft Permira den größten Teil des Schuldendienstes für den gezahlten Kaufpreis von rund 530 Mill. Euro aufbürdete. Als Kiekert konjunkturbedingt ins Strudeln geriet, musste Permira einem Eigentümerwechsel zustimmen und die Beteiligung abschreiben, weil anderenfalls die Insolvenz gedroht hätte.

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