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14.07.2015

06:45 Uhr

Home Office

Wie sich die Autoindustrie auf die Heimarbeit vorbereitet

Der Trend zur Heimarbeit hält an – davon bleiben auch klassische Industriezweige wie die Autobranche nicht unberührt. Doch Arbeitgeber und Gewerkschaftler meinen: Das Thema „Home Office“ birgt durchaus Gefahren.

„Wir schicken niemanden mit einem Kotflügel unter dem Arm nach Hause.“ dpa

Home Office

„Wir schicken niemanden mit einem Kotflügel unter dem Arm nach Hause.“

StuttgartAls Angestellter am heimischen Schreibtisch arbeiten – dank Laptop und schnellen Internets ist das technisch kein Problem. Kein Wunder also, dass die Arbeit von Zuhause aus - im „Home Office“ - in Branchen wie der IT relativ normal ist. Doch auch die deutschen Autobauer haben das Thema auf dem Schirm.

Daumen rauf für das „Home Office“, signalisieren sie mal mehr, mal weniger. Zugleich werden aber auch Bedenken laut - etwa dass die Produktivität eines Mitarbeiters ohne direkten Kontakt zu Kollegen nachlassen könnte.

Homeoffice: Heimarbeiter bleiben auf ihren Kosten sitzen

Homeoffice

Heimarbeiter bleiben auf ihren Kosten sitzen

Homeoffice ist bei den Deutschen beliebt und gehört in vielen Firmen zum guten Ton. Doch für die Ausstattung sind die Mitarbeiter selbst zuständig. Das kann teuer werden.

Klar ist: Wenn Branchenvertreter über die Möglichkeit von „Home Office“ sprechen, meinen sie den Bürobereich - die Produktion selbst ist nicht gemeint. „Wir schicken niemanden mit einem Kotflügel unter dem Arm nach Hause, damit er da weiterarbeitet“, meint ein Porsche-Sprecher augenzwinkernd.

Mit vollem Ernst hingegen ließ der Autokonzern Daimler kürzlich seine Mitarbeiter nach ihren Wünschen zur „Arbeitswelt der Zukunft“ befragen. Mehr als 30.000 Rückmeldungen gab es, die noch in der Auswertung sind. Die Ergebnisse und Rückschlüsse daraus sollen im Herbst vorgestellt werden.

Für Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth ist schon jetzt klar: Es muss etwas getan werden. Die geltende Betriebsvereinbarung sei bezüglich der Heimarbeit „renovierungsbedürftig, weil sich die (technischen) Möglichkeiten total verändert haben“, sagt er. Gemeinsam mit dem Betriebsrat sollen neue Regeln erarbeitet werden.

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Nach Feierabend abschalten

Feierabend, Wochenende, Urlaube und Krankschreibungen gelten auch bei flexiblen Arbeitsplätzen und sollten respektiert werden. Wer keine klaren Grenzen setzt, darf sich nicht wundern, wenn die Kollegen darauf keine Rücksicht nehmen. Mitarbeiter müssen Eigenverantwortung für ihre Zeiteinteilung übernehmen und Überlastung frühzeitig signalisieren.

Eignung prüfen

Nicht jeder eignet sich für flexible Arbeitsmodelle. Mitarbeiter, die diese Möglichkeiten austesten, müssen ehrlich zu sich selbst und ihrem Arbeitgeber sein. Wer sich zu Hause schnell ablenken lässt oder den regelmäßigen Austausch mit Kollegen benötigt, wird sich damit eher schwer tun. Ebenso können beispielsweise persönliche Rahmenbedingungen wie ein lautes Umfeld für unliebsame Störungen sorgen. Dies wirkt sich nicht nur negativ auf die Arbeit, sondern auch auf das eigene Wohlbefinden und die Motivation aus.

Selbstbewusstsein entwickeln

Eine ständige Rufbereitschaft ist nicht nötig und sogar kontraproduktiv. Auch im Home-Office müssen ungestörte Phasen für konzentriertes Arbeiten eingeplant werden, um effektiv Aufgaben zu erledigen. Eine permanente Erreichbarkeit erzeugt nicht nur zusätzlichen Stress, sondern führt durch Ablenkungen auch zu schlechten Ergebnissen. Mitarbeiter im Home-Office müssen deshalb ihre Bedürfnisse klar und offen äußern können.

Verantwortung übernehmen

Jeder Arbeitnehmer im virtuellen Office ist dem Arbeitgeber und seinen Kollegen gegenüber verantwortlich. Flexible Arbeitszeitmodelle entbinden den Mitarbeiter nicht von seinen Aufgaben. Durch eindeutige Zielvorgaben werden Aufgaben klar definiert und für alle Beteiligten messbar.

Klare Ziele setzen

Mitarbeiter, die flexibel oder in Teilzeit arbeiten, werden häufig nicht als Leistungsträger gesehen. Hingegen gelten die ständig anwesenden Kollegen als Top-Performer, die „hart arbeiten“. Um dies zu ändern, muss der flexible Mitarbeiter mehr Durchsetzungswillen und Präsenz gegenüber seinen Vorgesetzen zeigen. Regelmäßige Feedbackgespräche verhindern eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Mitarbeiter, die flexibel arbeiten, sollten Maßnahmen zur Weiterbildung einfordern. Oftmals ist hier mehr Nachdruck nötig als bei jemandem, der vor Ort im Büro arbeitet.

Richtig kommunizieren

Eine enge Abstimmung mit Kollegen und Vorgesetzten erleichtert die Kommunikation und sorgt für Verständnis. Wenn für die Kollegen nachvollziehbar ist, wo sich der Kollege gerade aufhält und mit welchen Aufgaben er beschäftigt ist, wächst das Vertrauen. Stundensplittings (z.B. am Nachmittag drei freie Stunden für die Kinder), Mittagspausen und externe Termine sollten daher klar kommuniziert werden. So geht man Missverständnissen und Gerüchten aus dem Weg. Moderne IT kann dabei eine wichtige Hilfestellung sein. Unified Communication-Systeme zeigen an, wann und wie man erreichbar ist

Arbeitsrhythmus definieren

Der Arbeitsrhythmus sollte an die eigene Produktivität und die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden, ohne dabei die Prozesse im Team zu missachten. Studien zeigen, dass die Produktivität dann am höchsten ist, wenn zwischen zwei und zweieinhalb Tagen im Home-Office gearbeitet und der Rest der Woche für Tätigkeiten und Abstimmungen im Büro genutzt wird. Auch die eigenen Produktivitätszyklen können bei flexiblen Arbeitsmodellen stärker berücksichtigt werden. So arbeiten manche Menschen früh morgens am besten, andere eher am Abend. Aber das erfordert auch Abstimmung: Die Kollegen müssen wissen, wann man erreichbar ist.

Mit Kollegen austauschen

Networking ist Pflicht: Die virtuelle Präsenz entbindet den Mitarbeiter nicht von seinen Aufgaben als Teammitglied, dazu zählen nicht nur die reinen Jobkriterien, sondern auch die Sozialkompetenz. Der Austausch mit den Kollegen sollte sich nicht nur auf das fachliche beschränken. Freundlichkeit, Offenheit, Aufmerksamkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft dienen nicht nur dem eigenen Wohlbefinden, sondern unterstützen das ganze Team. Nur in einem Umfeld aus Miteinander und Vertrauen lassen sich virtuelle Teams erfolgreich umsetzen.

Sorgfältig arbeiten

Bei virtuellen Teams ist Wissensmanagement mit einem eindeutigen Ablagesystem Pflicht. Die systematische Speicherung und Aufbereitung von Wissen erleichtert die Arbeit und die Kommunikation in virtuellen Teams. Der aktuelle Stand von Unterlagen muss zentral – die Cloud macht es möglich – abgelegt werden. Alle relevanten Mitarbeiter brauchen Zugriff auf die Ordner. Diese Systeme sichern die Freizeit, denn nur Kollegen, die Zugriff auf alle Unterlagen haben, können auch bei Bedarf füreinander einspringen.

Sich selbst managen

Flexible Arbeitsmodelle verlangen ein hohes Maß an Selbstorganisation. Wer in flexiblen Arbeitsmodellen arbeitet, muss sich auch zuhause ein produktives Umfeld schaffen (Raum, Technik, Rahmenbedingungen) Um in flexiblen Arbeitsmodellen erfolgreich zu arbeiten, müssen sich Mitarbeiter mit ihren eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzen: Wer gut organisiert und diszipliniert ist, wird in solchen Strukturen bessere Leistungen erzielen.

Zugleich bremst Porth allerdings mögliche Euphorie: „Da sind schon noch Hürden, über die wir springen müssen.“ Er weist darauf hin, dass die bisherigen Vergütungsmodelle auf der Arbeitszeit basieren und nicht auf dem Ergebnis der Arbeit.

Aber ebenjene Arbeitszeit sei bei „Home Office“-Mitarbeitern schwer nachvollziehbar. Es könne nicht sein, „dass wir jetzt auch noch kontrollieren, (zum Mitarbeiter) nach Hause fahren und gucken, ob du jetzt am PC tatsächlich etwas fürs Büro oder etwas anderes machst“.

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