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03.11.2014

11:59 Uhr

Honorarberatungsgesetz

Anleger sind bei Beratungshonorar knauserig

VonKerstin Leitel

Seit August gelten neue Honorar-Regeln für Finanzprodukte. Verbraucher sollen leichter erkennen, wie und von wem die Beratung vergütet wird. Wieviel die Deutschen dafür bezahlen wollen und was ein Experte Anlegern rät.

Auch wenn viele Bank- und Versicherungskunden sich über eine ausführliche Beratung freuen: Die gibt es nicht umsonst. dpa

Auch wenn viele Bank- und Versicherungskunden sich über eine ausführliche Beratung freuen: Die gibt es nicht umsonst.

MünchenEs wird einem nichts geschenkt, haben wohl so manche Eltern ihrem Kind als guten Ratschlag auf den Weg gegeben, wenn es mal wieder über seine Hausaufgaben maulte. Und auch heute noch hat dieser Spruch einen wahren Kern. Denn auch wenn viele Bank- und Versicherungskunden sich über eine ausführliche - und vermeintlich kostenlose - Beratung freuen: Die gibt es nicht umsonst. Egal, ob man es sieht oder nicht: Als Kunde bezahlt man. Stichwort: Provision.

Vom Kaufbetrag einer Anlage, den Einzahlungen für eine Versicherung und aus dem Depotvermögen ziehen Provisionsberater den Lohn für ihre Arbeit ab. Und das nicht zu knapp. Für eine Lebensversicherung können durchaus mehr als 1000 Euro in die Taschen des Vermittlers abgehen. Fonds oder andere Finanzprodukte gibt es ebenfalls nicht umsonst.

Eine Tatsache, die vielen Verbrauchern nicht bewusst ist und unter Verbraucherschützern immer wieder für Kritik sorgt. Anlegern würden Produkte aufgedrängt, die nicht zu ihnen passen, aber lukrativ für den Berater seien, lautet der Vorwurf.

Darauf hat die Bundesregierung nun reagiert: Zum 1. August wurde das Honorar-Anlageberatungsgesetz verabschiedet. Damit wollen die Bundespolitiker neben dem Anlageberater, der über Provisionen aus dem Verkauf von Produkten entlohnt wird, den Honorarberater etablieren.

So legen Vermögende ihr Geld an

Ab wann ist man „vermögend“?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gehört man bereits mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Das bedeutet, dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland vermögend sind. Durchschnittlich kommen sie auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsener.

Wie viel Vermögen hat der deutsche Durchschnittsbürger?

Das durchschnittliche Nettovermögen beträgt 115.000 Euro.

Wie viele Millionäre gibt es in Deutschland?

Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur ein Prozent der Erwachsenen, das sind rund 670.000 Menschen.

Wie wird man reich?

Ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden zeigt: Reichsein ist häufig das Ergebnis eines Lebenswerkes. Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sogar bereits in Rente. Und: Neben dem Alter ist vor allem der berufliche Status wichtig. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung.

Wie legen Vermögende ihr Geld an?

Durchschnittlich hat ein Vermögender in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro Fondsanteile sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien. Außerdem sind 199.000 Euro im Eigenheim angelegt und 202.000 Euro in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien.

Wie legt der Durchschnittsdeutsche sein Geld an?

Der durchschnittliche Erwachsene hat 12.000 Euro auf dem Sparkonto, 3.000 Euro Fondsanteile, 1.500 Euro Anleihen und 2.000 Euro Aktien sowie 54.000 Euro im Eigenheim und 27.000 in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien angelegt.

Der soll für seine Leistung direkt vom Anleger bezahlt werden - unabhängig vom Verkauf von Produkten. Allerdings regelt das neue Gesetz nur die Beratung für Wertpapiere und andere Depotanlagen. Versicherungen, Bauspar- und Sparverträge fehlen.

Das ist nur einer der Punkte, die Kritiker monieren. Aber trotz aller Mängel: Das Gesetz setzt ein Zeichen, dass es mehrere Formen der Beratung gibt, meinen Beobachter. Schon jetzt gibt es zwar sowohl Provisionsberatung als auch Honorarberatung - aber letztere nimmt einen verschwindend kleinen Anteil am Markt ein. Und das wird sich wohl so schnell nicht spürbar ändern, Gesetz hin oder her.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich die große Mehrheit der Deutschen nur schwer vorstellen kann, für eine gute Versicherungs- oder Finanzberatung ein Honorar zu bezahlen. Nur jeder fünfte Bundesbürger würde für diese Dienstleistung Geld auf den Tisch legen, ergab eine Studie im Auftrag der ServiceRating GmbH.

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