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22.06.2012

10:04 Uhr

Horst Amann

Neuer Bauleiter für Hauptstadtflughafen

VonJens Koenen

Der Manager Horst Amann gilt als ein durchsetzungsstarker Bauleiter, der nun vom Aufsichtsrat berufen wird: Der Chefplaner des Flughafenbetreibers Fraport soll den Berliner Chaos-Airport retten.

Horst Amann: Der erfahrene Projektleiter soll den Berliner Flughafen bis März fertigstellen. picture alliance/dpa

Horst Amann: Der erfahrene Projektleiter soll den Berliner Flughafen bis März fertigstellen.

FrankfurtSein Ruf eilt ihm voraus. Wenig schmeichelhaft beschreiben langjährige Wegbegleiter den 59-jährigen Chefplaner des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport: "Horst Amann ist ein kompromissloser, harter Knochen." Doch genau diese Eigenschaften sind es, die er bei seinem künftigen Job dringend brauchen wird: Amann soll den chaotischen Flughafenbau zu Berlin retten. Der Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft wird ihn heute zum neuen Geschäftsführer neben Flughafenchef Rainer Schwarz berufen, heißt es im Umfeld des Berliner Flughafens.

Amann soll den bisherigen Bauleiter Manfred Körtgen ersetzen. Der war für die peinliche Verschiebung der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens verantwortlich gemacht und gefeuert worden. Eigentlich sollte der neue Airport den Betrieb schon am 3. Juni aufnehmen. Doch Bauprobleme, vor allem beim Brandschutz, verhinderten das. Nun soll der Flughafen erst im März nächsten Jahres öffnen.

Wenn einer die steilen Vorgaben schaffen kann, dann ist es Amann. Er genießt in der Branche einen exzellenten Ruf. In Frankfurt hatte der Bauingenieur etwa dafür gesorgt, dass die vierte Landebahn im vergangenen Herbst pünktlich fertig wurde.

Derzeit ist er für die Planung des neuen Frankfurter Terminals zuständig, das ab 2025 zusätzliche 25 Millionen Passagiere pro Jahr aufnehmen soll. "Das ist für uns ein echter Verlust", räumt ein hochrangiger Fraport-Manager ein. Ersatz zu finden werde nicht einfach werden.

Floskeln wie diese sind die Regel, wenn ein Manager ausscheidet. Im Fall Amann wirken sie jedoch authentisch. Amann wird geschätzt, gerade wegen seiner manchmal ruppigen Art. "Auf einer Großbaustelle muss man auch mal eine falsch gemauerte Wand eintreten und schreien: Alles noch mal. Amann kann das", erzählt ein Vertrauter des Managers.

Amann ist aber auch hart im Nehmen. Als Bauleiter der heftig umstrittenen vierten Landebahn in Frankfurt hat sich der Bauingenieur viele Feinde gemacht. In der Nacht zum 11. März 2009 - er hatte gerade seinen 56. Geburtstag gefeiert - zündeten Unbekannte seinen Dienstwagen an. Amann griff selbst zum Feuerlöscher. Das Erlebnis war ein Schock für den Vater von vier Töchtern.

Schon in seinem vorherigen Job bei der Deutschen Bahn hat der Tiefbauspezialist bewiesen, dass er zupacken und Kritik aushalten kann. So leitete er als Verantwortlicher etwa den Bau der komplexen Hochgeschwindigkeitstrasse von Frankfurt nach Köln. Auch hier gab es zahlreiche Proteste, mussten Krisen bewältigt werden.

Bei Fraport hätte der Manager eigentlich gelassen auf seinen Ruhestand hinarbeiten können. Doch das ist nicht sein Ding. Schon mit 17 machte der gebürtige Darmstädter in seiner Heimatstadt das Abitur, dort folgte dann auch das Studium an der Technischen Hochschule. Noch bevor das Abschlusszeugnis im Briefkasten lag, hatte Amann schon bei der Bahn angeheuert. Der Hesse liebt es eben schnell. Wenn es die Zeit zulässt, fährt er schon mal mit seinem Porsche auf dem Hockenheimring.

Auch in Berlin muss der 59-Jährige Tempo machen. Die Uhr tickt unerbittlich. Die Zweifel wachsen, ob der neue Starttermin im kommenden März inklusive eines Testlaufs zu schaffen ist. "Amann muss sich ja erst richtig in das Projekt einarbeiten. Auch wenn er das wie üblich wahrscheinlich blitzschnell schafft, bleibt es eine gewaltige Herausforderung", sagt ein Wegbegleiter des Managers. Vor allem eines ist heikel: In Berlin trifft er auf Rainer Schwarz, der einen ähnlich explosiven Charakter hat wie sein Co-Chef Amann. Insider fragen sich längst: "Ob das gutgeht?"

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