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20.01.2011

18:12 Uhr

Horst Neumann

Der kühle Personalstratege von VW

VonMark C. Schneider

Tarifrunden bei Volkswagen gleichen einer Partie Schach. Die Arbeitnehmer, Weiß, setzen früh den ersten Zug. Die Vertreter des Konzerns, Schwarz, warten bedächtig ab. Doch diesmal war alles anders. Ausgerechnet der sonst so zurückhaltende Personalvorstand Horst Neumann sorgte vor der am Mittwoch gestarteten Tarifrunde für Wirbel.

VW-Personalvorstand Horst Neumann: Das SPD-Mitglied meint es ernst mit dem sozialen Ausgleich. dpa

VW-Personalvorstand Horst Neumann: Das SPD-Mitglied meint es ernst mit dem sozialen Ausgleich.

HAMBURG. VW wolle zwar gute Tariflöhne zahlen - den überdurchschnittlichen Erfolg aber lieber als Sonderzahlungen an die Belegschaft weiterreichen, kündigte Neumann an.

Statt der von der IG Metall geforderten sechs Prozent mehr Gehalt setzt Neumann auf Zahlungen, die den Konzern nicht dauerhaft belasten. Sein Verhandlungsführer Jochen Schumm untermauerte die Position gestern. Hartmut Meine, für die IG Metall am Tisch, lehnt das ab. Er verweist auf die guten Zahlen. Am 28. Januar treffen sich beide Seiten das nächste Mal. VW will dann ein konkretes Angebot vorlegen.

Personalstratege Neumann hat in jedem Fall gewonnen - an öffentlichem Profil. Lange litt der 61-Jährige an dem Makel seiner Berufung durch das Kalkül des Patriarchen: Gegen den Willen des damaligen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder und weiter Teile der Kapitalseite im Aufsichtsrat hatte Chefaufseher Ferdinand Piëch zusammen mit den Arbeitnehmern den IG-Metall-Funktionär Neumann 2005als Personalvorstand durchgeboxt - und damit Pischetsrieders Ende eingeläutet. Dem bei Audi erfolgreichen Personalchef Neumann haftete beim Start gleich das Gewerkschafter-Ticket an.

Doch der neue Personalvorstand ließ sich vom Gegenwind nicht beirren. Kühl analysierte er die Situation in Wolfsburg: Volkswagens Produktivität war nicht wettbewerbsfähig, die Vier-Tage-Woche - vom über Lustreisen und Sonderboni für Betriebsräte gestürzten Vorgänger Peter Hartz erdacht - gefährdete das Unternehmen. Neumann sei das Gegenbild zum sprunghaften Visionär Hartz, sagen VW-Manager, die beide erlebt haben.

Gemeinsam mit der neuen Führung des Betriebsrats stellte Neumann einen Zukunftstarifvertrag auf die Beine, der die Konzernkosten um eine Milliarde Euro pro Jahr reduziert. "Ohne ihn wären die schwierigen Tarifverhandlungen 2006, die der Grundstein für sichere Arbeitsplätze und wettbewerbsfähige Kosten waren, niemals gelungen", sagt VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh heute anerkennend.

Auch wenn er der VW-Belegschaft einiges abverlangt und sich im Zweifel auch mal mit dem eigenen Lager anlegt - SPD-Mitglied Neumann meint es ernst mit dem sozialen Ausgleich. Arbeitsökonomie und Programme für eine alternde Belegschaft liegen ihm am Herzen. Der Politik wirft er vor, mit dem Abbau der Altersteilzeit die Bedürfnisse von Millionen Arbeitern zu ignorieren.

Konzernchef Martin Winterkorn verlässt sich auf den Weggefährten aus Audi-Zeiten, dessen Vertrag der Aufsichtsrat 2010 verlängert hat.

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