Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2007

12:00 Uhr

Horst Seehofer

Bayerischer Volksschauspieler

VonRüdiger Scheidges

Bis zum gestrigen Dienstag galt Bundesminister Horst Seehofer als CSU-Grande mit Zukunft. Nun hat die „Bild“-Zeitung eine Liebesaffäre öffentlich gemacht und so womöglich die politische Karriere des begabten Ironikers beendet.

Horst Seehofer Foto: dpa

Horst Seehofer Foto: dpa

BERLIN. Das politische Make-up sitzt porentief. Auf Fragen von Journalisten legt der hoch aufgeschossene Mann sofort sein verschmitztes Lächeln auf. Horst Seehofer – viel wissend grinsend – legt eine Kunstpause ein, damit sich sein Gegenüber in ein klammheimliches Einverständnis mit ihm versetzen kann. Die stille Komplizenschaft klappt bei dem Charmebolzen fast immer. Schnell hat er den Fragenden auf sein Terrain gezogen: das der ironischen Mehrdeutigkeit, dorthin, wo es keiner eindeutigen Antwort bedarf. Unverkennbar: Hinter seinem Lächeln verbirgt sich eine geballte Dosis Ironie. Und daran gebrach es dem Inszenierungstalent Seehofer Horst bisher nie.

Bis zum vergangenen Sonntag. Als er am Ruhe- und Gebetstag im ZDF, steif, die Hände stramm wie an die Hosennaht geschweißt, sein Hohes Lied auf Edmund Stoiber anstimmte und ihm ewige Treue schwor, da war Seehofer das Lachen längst vergangen. Von Ironie keine Spur. Da war er, das erklärte Enfant terrible der Christsozialen, plötzlich der brave Parteisoldat, bieder folgsam bis in den ordentlich gezogenen Scheitel.

Der CSU-Vize, frühere Gesundheitsminister und jetzige Landwirtschafts- und Agrarminister hat danach sämtliche Termine, etwa am heutigen Mittwoch die Diskussionsrunde „Altersvorsorge macht Schule“, abgesagt. Es gibt nichts mehr zu lächeln.

Irgendjemand in der CSU hat ihn zum Abschuss freigegeben

Einer der beliebtesten Politiker Deutschlands steht am Rand seiner öffentlichen Karriere. Irgendjemand in der CSU hat ihn zum Abschuss freigegeben. Denn er stört im schmutzigen Machtkampf um die Führung Bayerns.

Am Sonntag, da wusste Seehofer bereits, dass jenes lüsterne Massenblatt, das sich darauf versteift, Privates in Politik zu münzen, am nächsten Tag erbarmungslos zuschlagen würde: Seehofer habe in Berlin eine Geliebte, eine Bürofrau im Sold eines Unionskollegen. Und: Ein Baby ist auch schon unterwegs. Kaum besser wird die Geschichte dadurch, dass es sich bei der 32-jährigen gelernten Juristin um die Tochter eines Bürgermeisters aus dem Wahlkreis von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) handeln soll. Auch Glos soll in Verbundenheit zum Vater die Dame in ihrer Berliner Karriere schon nach Kräften gefördert haben, heißt es in der CSU-Landesgruppe.

Dass die „Enthüllung“ , bigott garniert mit trauten Wohnzimmerbildern der Seehofers in Ingolstadt, just zur Endphase im Machtkampf um die Trutzburg des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoibers lanciert wurde, ist kein Zufall. In der Politik wird Privates in die Öffentlichkeit gezerrt, wenn es den Betroffenen nachhaltig denunziert. Dann schlägt die Stunde der Heuchler.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×