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16.02.2016

18:27 Uhr

Hotel „Imperial“

Eine Wiener Legende wird arabisch

VonHans-Peter Siebenhaar

Filmstars und das Kaiserhaus feierten hier einst, noch heute ist das „Imperial“ eine Wiener Institution. Einem arabischen Unternehmer gefiel es in der Luxusherberge so gut, dass er das Haus gleich kaufte.

Auch Adolf Hitler logierte bei seinen Wien-Besuchen hier. Imago

Hotel „Imperial“

Auch Adolf Hitler logierte bei seinen Wien-Besuchen hier.

WienSeine Anziehungskraft für die Reichen, Mächtigen und Schönen hat das Hotel „Imperial“ an der berühmten Wiener Ringstraße seit seiner Eröffnung nie verloren. Heutzutage frühstückt hier gerne die Formel-1-Legende Niki Lauda mit einem Schnittlauchbrot. Die Räume beherbergten zuletzt die Syrien-Friedensgespräche. US-Außenminister John Kerry hat das ehrwürdige Haus ohnehin seit langem ins Herz geschlossen.

Bislang war das „Imperial“ fest in amerikanischer Hand. Das ist nun passé. Der US-Hotelkonzern Starwood Hotels & Resorts verkauft das Fünf-Sterne-Hotel an den in Dubai ansässigen Familienkonzern Al Habtoor Group für 78,8 Millionen US-Dollar. Das elegante Hotel, einst Lieblingsdomizil von Adolf Hitler, soll nun behutsam renoviert werden, teilte der neue Eigentümer mit. „Das Hotel ist wie ein königlicher Palast in der schönsten Stadt der Welt", sagte Chairman Chalaf Ahmad al-Habtur der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Er habe sich bei seinen Besuchen in der Stadt in das Traditionshaus verliebt.

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Das Geschäft mit dem Luxus ist in der österreichischen Hauptstadt beinhart. Denn in den vergangenen Jahren sind immer mehr Fünf-Sterne-Hotels entstanden. Erst im vergangenen Jahr eröffnete schräg gegenüber vom „Imperial“ die hippe Herberge „Grand Ferdinand“, die sich im Besitz einer Grazer Hoteliersfamilie befindet.

Die Investoren in Hotelgewerbe setzen auf weiter steigende Übernachtungsgäste. Die Zahlen sind ermutigend. Die österreichische Hauptstadt schaffte den sechsten Nächtigungsrekord in Folge. Die Zahl der Übernachtungsgäste stieg im vergangenen Jahr um knapp sechs Prozent auf die Rekordzahl von 14,3 Millionen. Das Problem ist: Die Bettenauslastung liegt nur bei 57 Prozent durch das wachsende Überangebot von Zimmern.

Das spürt insbesondere das Luxussegment. Dort ist der Preisdruck besonders groß. „Von Preisen wie in London oder Paris sind wir in Wien weit entfernt“, sagte der Direktor eines örtlichen Fünf-Sterne-Hotels. Deshalb sind hohe Renditeerwartung fehl am Platz. „Ich erwarte nicht, dass es mich reich machen wird“, sagte der neue Besitzer vom Golf bereits präventiv.

Das „Imperial“ hat noch mit besonderen Problemen zu kämpfen. Das erst 2014 fertig renovierte Café hat seine einstige Atmosphäre verloren. Das früher gut frequentierte Kaffeehaus, in der noch immer die berühmte Imperial-Torte aus Marzipan und Milchschokolade serviert wird, ist heutzutage nur selten gut besetzt. Als Treffpunkt der Wiener Geschäftswelt hat es an Bedeutung eingebüßt.

Es ist daher wenig überraschend, dass der neue Eigentümer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten eine vorsichtigen Rückbau betrieben will, um so das verloren gegangene Ambiente wieder herzustellen. Alle der 138 Zimmer und Suiten sollen in den nächsten vier Jahren auf den neuesten Stand gebracht werden. Als Betreiber fungiert weiter die amerikanische Hotelkette Starwood.

Womöglich wird der Familienkonzern Al Habtoor weitere Investments in Wien tätigen. In Visier der Araber sind Hotels und Gewerbeimmobilien in der Donaumetropole. „Wir haben die Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate vor dem Hotel gehisst, auch das ist ein Zeichen, dass ich die Menschen aus meinem Land einlade, Österreich zu besuchen“, sagte Chairman al-Habtur enthusiastisch. Sein Konzern investiert vor allem in die Bau- und Automobilbranche sowie den Bildungssektor.

Ursprünglich wurde das „Imperial“ als Privatresidenz von Herzog Philipp von Württemberg im Stil der italienischen Neo-Renaissance errichtet. 1873 wurde das pompöse Gebäude in ein Hotel umgebaut. Es liegt in unmittelbarer Nähe zu Musikverein und der Staatsoper. Al Habtoor besitzt weltweit bereits eine Reihe von Luxusherbergen. Darunter sind das Intercontinental und das Ritz-Carlton in Budapest und das Hilton London Wembley. Zuletzt eröffnet der Konzern das St. Regis Dubai.

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