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16.05.2015

17:33 Uhr

Hotelgeschäft mit Backpacking

„Flashpacker“ locken weltweit Investoren

Mit Rucksack im schicken Ambiente hausen: Das Phänomen „Flashpacking“ lockt Immobilien-Investoren an – weil die Hostel-Betreiber das Gebäude oft selbst pflegen. Nicht nur deshalb wittern die Geldgeber Millionengeschäfte.

Ein Rucksacktourist auf der Khao San Road in Bangkok. Weil viele Backpacker komfortabel reisen wollen, werden Hostels qualitativ immer besser. dpa

Backpacking versus Flashpacking

Ein Rucksacktourist auf der Khao San Road in Bangkok. Weil viele Backpacker komfortabel reisen wollen, werden Hostels qualitativ immer besser.

Bei Bier und Wein zusammen kommen, sich kennenlernen, das reisen genießen – Backpacker machen keinen All Inclusive-Urlaub, Backpacker wollen Abenteuer. Als Jacques Du Plessis in diesem Jahr einen Monat in Dublin verbrachte, entschied er sich deshalb für ein Hostel als Unterkunft. Das Hostel, in diesem Fall Generator, bietet einen eigenen Kinosaal, einen Whirlpool und eine Bar mit einem Kronleuchter aus Whiskey-Flaschen. „In einem billigen Hotel bleibt man anonym“, erklärt der 36-jährige. Bei einem Hostel gehe es eben mehr darum, die Atmosphäre zu spüren.

Du Plessis gehört zu den sogenannten „Flashpackern“. Das Akronym aus den Worten „flash“ (schick) und „backpacker“ (Rucksacktourist) steht für Reisende, die länger unterwegs sind, günstige Unterkünfte schätzen, aber auch Komfort wollen. Altersmäßig sind sie meist den „Millennials“ zuzuordnen, die zwischen 20 und Anfang 30 Jahre alt sind. Sie übernachten eher in gehobenen Hostels als traditionellen Hotels und tauschen in trendigen Bars Reisetips bevor sie in ihr blitzsauberes Mehrbettzimmer zurückkehren.

Unglaubliche Dinge, die in Hotels vergessen werden

Geld

Er hat sich so viel Mühe gegeben und sich gleich mehrere Verstecke überlegt. Doch dann reiste der Gast eines Hotels in Washington ohne die 10.000 Dollar wieder ab, die er an mehreren Orten in seinem Hotelzimmer platziert hatte. Damit ist er aber nicht alleine. Bei einer Umfrage auf „lastminute.de“ kam heraus, dass Hotelgäste immer wieder Bares liegen lassen.

Besonders oft berichten davon Hotels in Las Vegas. Aber auch in einem Hotel in Hamburg ließ jemand einen großen vierstelligen Betrag zurück. In einer Parkgarage in Barcelona fanden die Hotelangestellten sogar eine Tasche mit über 200.000 Euro - allerdings waren es alles gefälschte 500-Euro-Scheine.

Schmuck

Auch teuren Schmuck vergessen Hotelgäste in der Eile. In Athen ein Diamantcollier, ein Diamantring in Edinburgh und sogar ein Hochzeitskleid in einem Hotel in New York. Ein Mann hätte sogar fast die eigene Hochzeit vermasselt, als er den Verlobungsring in einem Hotel in Mailand liegenließ. Rechtzeitig zur Feier konnten die Hotelmitarbeiter das Schmuckstück jedoch zuschicken.

Waffen

Immer wieder finden Hotelmitarbeiter auch weniger Romantisches in Hotelzimmern. In einem Hotel in Las Vegas vergaß ein Polizist seine Waffe mitsamt seiner Polizeimarke. Angestellte in Mailand und New York wussten von liegengelassener Munition und Pistolen zu berichten - und auch aus Barcelona reiste ein Polizist ohne seine Marke ab.

Schwert

Es bleibt gefährlich. In einem Hotel in Istanbul hat ein Gast aus Japan ein altes, traditionelles Yakuza-Schwert vergessen.

Schnecken

Nicht schlecht staunten auch die Mitarbeiter eines Budapester Hotels, als sie eine Tasche voll mit Schnecken fanden. Erst hielten sie die für Müll, bis sich herausstellte, dass die abgereisten Gäste bereits nach den kleinen Tierchen suchten.

Kumpel

Blitzartig verließ ein Gast das 4-Sterne-Hotel auf Mallorca, um noch rechtzeitig zum Flughafen zu kommen. Erst dort fiel ihm auf, dass er seinen besten Freund selig schlafend im Zimmer vergessen hatte.

Hund

Auch des Menschen bester Freund ist nicht davor gefeit, im Hotel zurückgelassen zu werden. In einem Vier-Sterne-Hotel in Mailand saß ein Hund noch im Hotelzimmer, als sein Herrchen bereits sogar das Land verlassen hatte.

Mutter

Schon fast tragisch ist der Fall, von dem Hotelmitarbeiter aus Dublin berichteten. Hier hat ein Gast seine Mutter vergessen. Es fiel ihm erst auf, nachdem ein Anruf aus dem Hotel kam. Am Flughafen machte er Kehrt und nahm die Frau Mama doch noch mit.

Schlange

Nicht schlecht staunte ein Gast, als er in seinem Hotelzimmer in Washington eine Schlage fand. Sein Vorgänger hatte sie dort vergessen.

Ehefrau

Am letzten Tag seiner Dienstreise in Prag fuhr ein Mann direkt vom Geschäftstermin zum Flughafen. Dumm nur, dass seine Gattin im Hotel auf ihn wartete. Vielleicht ein kleiner Trost: Sie ist mit diesem Schicksal nicht allein. Ein Vier-Sterne-Hotel in Brüssel wusste ebenfalls von einer vergessenen Ehefrau zu berichten.

Die Ausgabefreude der Flashpacker macht Hostels auch für Investoren attraktiv. So interessieren sich gleich drei namenhafte Geldgeber: der französische Immobilien-Investmenttrust Foncière des Régions, der Private-Equity-Immobilienfonds Patron Capital Partners und der Vermögensverwalter Invesco für Investments. Die Hostels, die Unterkünfte auf einem höheren Niveau als die normalerweise von studentischen Rucksacktouristen bevorzugten Billigherbergen anbieten, sind profitabler als Billig-Hotels. Foncière des Régions hat bis zu 400 Millionen Euro für Investments in europäische Hostels bis 2018 vorgesehen.

Hostels seien „super-attraktiv“ für Anleger, weil die Unternehmen, die die Immobilien bewirtschaften, sich um die Gebäude kümmern, erläutert Philippe Le Trung, Leiter Unternehmensentwicklung bei Foncière des Régions. Nachdem das weltweit, für Immobilien-Investments verfügbare, Kapital auf ein Rekordhoch gestiegen und die Rentabilität aus Vermietungen gesunken ist, suchen Investoren nach Erträgen aus Immobilien abseits des traditionellen Marktes.

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Noch müssen Hoteliers in Frankreich ihre besten Angebote auch auf Booking.com anbieten. Künftig verzichtet die Reservierungsseite aber auf diese Klausel. Der deutsche Hotelverband ist trotzdem sauer auf das Kartellamt.

Flashpacker geben auf einer Reise im Schnitt über 800 Euro für Unterkünfte aus, während normale Touristen nur auf 500 Euro kommen, berichtet ein Sprecher von Stay Wyse. Wyse ist ein Verband von Anbietern von Jugend-Reiseunterkünften. Der Grund: Flashpacker sind normalerweise länger unterwegs als gewöhnliche Touristen.

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