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28.11.2011

16:03 Uhr

Ich-Marketing

Der inszenierte Machtmensch

Wer in Politik und Wirtschaft erfolgreich sein will, muss vor allem eines können - sich selbst inszenieren. Doch ein Streifzug durch die Welt der Charakterköpfe zeigt: Ohne Leistung geht es nicht.

Er hat diesen Moment gut vorbereitet. Mit neuer Frisur und ohne Brille will Karl Theodor zu Guttenberg den Zuschauern nahelegen, dass er seriöser geworden ist. dpa

Er hat diesen Moment gut vorbereitet. Mit neuer Frisur und ohne Brille will Karl Theodor zu Guttenberg den Zuschauern nahelegen, dass er seriöser geworden ist.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat diesen Moment gut vorbereitet. Neuer Haarschnitt, kein Gel, und auch die Bücherwurm-Brille ist verschwunden. Der ehemalige Verteidigungsminister, aus Berlin verjagt, weil er bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat, ist ein anderer geworden. Zumindest will er das den Zuschauern nahelegen bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Monaten, auf einer Konferenz im kanadischen Halifax. Der neue Guttenberg, das werden die Zeitungen in der Heimat kurz darauf berichten, ist vor allem eines: seriöser.

Das Bild ist die Botschaft. Nicht nur junge Leute stellen ihr Selbstbild ins Netz, auch Manager, Politiker, Aufsteiger und solche, die es werden wollen, nutzen die modernen Methoden der Massenkommunikation, um sich zu stilisieren und zu idealisieren. Das Facebook der Manager ist die Firmenbroschüre. Sie twittern noch nicht alle, aber sie organisieren Events am laufenden Band – Reitturniere, Hauptversammlungen, Kaminabende, Preisverleihungen und auch das Firmensportfest kehrt zurück – mit dem einen großen Ziel: mehr zu sein als Masse, die Firma soll ein Gesicht bekommen, das Gesicht soll zur Firma werden.

Steve Ballmer, Chef des Softwaregiganten Microsoft, setzt auf Ich-Marketing, wenn er seinen Konkurrenten öffentlich die Zunge herausstreckt. Der Automanager Wolfgang Bernhard, der in Lederkluft auf einem Motorrad über die Bühne fährt, beherrscht ebenfalls die Kunst der Inszenierung. So wie Richard Branson, Virgin-Chef und Abenteurer, Josef Ackermann, Banker und Weltfinanzpolitiker, Wolfgang Reitzle, Gasverkäufer und Celebrity, Maria-Elisabeth Schaeffler, Reifenverkäuferin und Mutter Courage, Howard Shultz, Starbucks-Chef und Hobbypolitiker, der in Briefen die Politiker zum Kompromiss auffordert, der mit einer Krankenversicherung für alle Beschäftigten das bessere Amerika verkörpern will: „Unser Stichwort ist nicht Kaffee, unser Stichwort heißt Relevanz und Menschlichkeit“, sagt er. Selten klang eine Kaffeerösterei so staatstragend.

Kommentare (7)

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28.11.2011, 16:27 Uhr

Also seit ich gelesen habe, dass Gutenberg die Einstellung (Bezahlung seiner Strafe) mit seiner Bucherscheinung gekoppelt hat, wegen der entsprechenden Medienaufmerksamkeit, ist dieser Mensch fuer mich voellig untragbar. Zuerst dachte ich wirklich, der Mensch machte halt einen Fehler und man sollte ihm endlich verzeihen. Aber DIESER Mensch lernt nicht und sucht nur seinen Vorteil - der ist aus meiner Sicht voellig berechnend und untragbar.

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28.11.2011, 17:13 Uhr

Nachtrag - habe ich Guttenberg glatt als Gutenberg geschrieben. Bitte einfach ein "t" dazu kopieren.

Ray

28.11.2011, 17:23 Uhr

Der inszenierte Machtmensch ist mehr die Inkarnation der Illusion. Auf der Suche nach sich selbst wird jede Möglichkeit genutzt, ohne sich je finden zu können. Das getriebene ICH sucht nach Anerkennung und sieht nicht, dass es niemals (trotz aller Statussymbole) die Wahrheit über sich entdeckt. Erst wenn alle Macht oder alles Vermögens oder alles, was das ICH denkt, was wichtig ist, wegfällt, wird auch das letzte inszenierte ICH die Wahrheit über sich herausfinden. Bis dahin hat diese Illusion ihren Auftritt, nicht mehr und nicht weniger. Enjoy...

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