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18.01.2010

13:56 Uhr

Ideen fehlen

Unternehmen blocken Anregungen von außen ab

VonJens Koenen

Die Unternehmen tun sich schwer mit neuen Ideen. Angesichts der allmählich zu Ende gehenden Krise gefährden sie damit ihre eigene Zukunft. Wissenschaftler raten zum Paradigmenwechsel von der Verteidigung der eigenen Ideen hin zum Teilen, Partizipieren und gemeinsamen Diskutieren. Wie das geht.

Apple-Gründer Steve Jobs zeigt ein neues Produkt. Das US-Unternehmen gilt als besonders innovativ. Quelle: dpa

Apple-Gründer Steve Jobs zeigt ein neues Produkt. Das US-Unternehmen gilt als besonders innovativ.

FRANKFURT. Die Ohrfeige sitzt. "Entgegen anders lautenden Bekundungen sind viele Personen und auch hohe und höchste Führungskräfte nicht unglücklich, wenn sich in den Geschäftsmodellen, Produkten, Prozessen, Abläufen und Strukturen ihres Unternehmens nicht allzu viel ändert", klagt Walter Brenner, der Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen, beim Blick auf die Innovationskraft der Unternehmen.

Die Trägheit und das Beharrungsvermögen großer Teile der Führungselite ist gefährlich. Auch wenn die aktuelle Krise noch nicht vorbei ist, die Phase, in der es ausreichte, die Mittel zusammenzuhalten, ist endgültig vorbei. Spätestens jetzt müssen sich die Firmen mit neuen Ideen und Ansätzen für die Zeit nach der Krise rüsten.

Ansprüche und Macht der Kunden wachsen

Die Herausforderungen sind gigantisch. Denn Innovationen richtig zu steuern wird immer komplexer. Die Ansprüche der Kunden ändern sich in immer kürzeren Abständen, gleichzeitig wächst die Macht der Käufer nicht zuletzt durch das schnelle Medium Internet. Brenner weiß, dass es eine schwierige Aufgabe ist, "mit der rasanten technischen Entwicklung und den veränderten Anforderungen der Kundinnen und Kunden Schritt zu halten".

"In der Regel haben Unternehmen Angst davor, eines Ihrer Heiligtümer, den Innovationsprozess, nach außen zu öffnen", bestätigt Marc Drüner, Professor für Marketing und Innovationsmanagement an der Steinbeis-Hochschule in Berlin. Der Paradigmenwechsel von der Verteidigung der eigenen Ideen hin zum Teilen, Partizipieren und gemeinsamen Diskutieren, das sei ein langer Prozess.

In Laboren mit Außenstehenden Ideen entwickeln

Eine Möglichkeit, ihn zu bewältigen, sind Labore, die mehr oder minder für Außenstehende geöffnet werden. So hat die Deutsche Bank in Frankfurt das "dbLab" aufgebaut. Was nach außen wie ein simpler Baucontainer aussieht, bietet drinnen eine "Spielfläche" für Mitarbeiter und Partnerfirmen. Sie können dort neue Ideen und Produkte vorstellen. So wurde zum Beispiel der über Berührung zu steuernde Computertisch Surface von Microsoft getestet. Mittlerweile ist daraus ein digitaler Beratungstisch in der Bankfiliale der Zukunft in Berlin geworden, an dem Berater den Kunden die teils komplexen Produkte anschaulich machen können.

Wolfgang Gaertner, der oberste IT-Chef (CIO) der Deutschen Bank, sieht vor allem die Informationstechnologie beim Thema Innovationsmanagement in der Pflicht. "Die IT und ihre Innovationsfähigkeit spielen eine entscheidende Rolle, um Wachstum und Erneuerung eines Unternehmens zu unterstützen. Das gilt heute mehr denn je", sagt er.

Das bedeutet nicht zuletzt IT-Investitionen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Deutsche Bank will das offenbar beherzigen. "Nach Bereinigungen und Optimierungen wollen wir jetzt einen großen Schritt machen und unsere IT-Systeme nachhaltig erneuern", kündigte Gaertner an.

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