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18.01.2005

07:00 Uhr

Ignaz Walters Reich liegt in den Händen der Banken

Glückssträhne des Baulöwen ist gerissen

VonMartin W. Buchenau (Handelsblatt)

Selten passte die Bezeichnung Baulöwe besser auf einen Vertreter des Genres. Ignaz Walter konnte fauchen, brüllen und auch gnadenlos zubeißen. Wer Walter in seinem jahrzehntelangen Aufstieg in die Fänge geriet, den hielt er fest. Wurde er provoziert, polterte er oft los. Zuletzt versuchte der 68-Jährige aber immer häufiger, sich nach außen unter Kontrolle zu halten. Nur das in den Kopf geschossene Blut verriet die Anspannung.

HB MÜNCHEN. In der Branche ist sein Unternehmen gefürchtet. Weil er sich bei Großprojekten, nach Einschätzung der Konkurrenz, mit Kampfpreisen die dicksten Brocken wegschnappt. Doch dem König der Löwen schwinden die Kräfte. Durch Einverleibung erst von Heilit + Woerner und dann von Dywidag konnte er sich zwar zu Beginn des Jahrzehnts kurzfristig Luft verschaffen. Doch die jahrelange Baukrise schnürte dem amtierenden Präsidenten des Verbandes der deutschen Bauindustrie die Luft ab. Sein vorerst letzter Befreiungsschlag durch die Übernahme von Züblin misslang im Dezember.

Doch die Glückssträhne riss schon vorher. Mit Wolf Fitzners tragischem Unfalltod im vergangenen Mai verlor das Unternehmen Walters Vertrauten an der Konzernspitze. Seit nunmehr acht Monaten schlingert die Walter Bau AG ohne Vorstandschef auf unsicherem Kurs. Auch die Idee, Züblin-Chef Manfred Nußbaumer mit der geplanten Fusion auf den Chefsessel zu setzen, erwies sich mit dem Scheitern der Züblin-Mission als falscher Weg. Walter steuert zwar als Mehrheitseigentümer und Aufsichtsratschef im Hintergrund, doch den Aktionen fehlt die Fortune.

Seinen Kredit bei den Banken hat er wohl endgültig verspielt. Zu wenig ist von den immer wieder versprochenen Besserungen eingetreten. Dass jetzt ausgerechnet der junge Finanzchef und Ex-Roland- Berger-Berater Christian Fischer zwar mit nüchternem Blick auf die Zahlen, jedoch fast ohne Erfahrung im Baugeschäft das Vertrauen der Banken zurückerobern soll, erscheint als ein schwieriges Unterfangen.

Walter tut unterdessen – ohne Abstimmung mit seinem Vorstand – das, was er ebenfalls gut beherrscht. Kommt er als Jäger nicht durch, stellt er sich als Opfer dar. In diesem Fall sind es die hohen Außenstände, die die Kunden wie etwa die Deutsche Bahn nicht bezahlen und damit für Liquiditätsengpässe sorgen.

Am Mittwoch werden die Banken über die Zukunft seines Lebenswerkes entscheiden. Mühsam hat er sich, aufgewachsen mit fünf jüngeren Geschwistern, nach Maurerlehre, Abendschule und Fachhochschulstudium nach oben gearbeitet. Das Image des Emporkömmlings konnte er nie ganz abstreifen. Er ist stolz auf seine zwei Titel als Honorarprofessor. Aber er war auch für Überraschungen gut und schrieb ein zweibändiges Mathematiklehrbuch.

Seine beiden Söhne Ralf und Roy arbeiten mit, Letzterer sogar im Vorstand der Walter Bau AG. Den Chefposten traut der Vater ihm wohl nicht zu.

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